Ein Serienkiller dokumentiert sein Training und seine Planung für das erste ruhmreiche Blutbad, erklärt seine Vorgehensweise, stellt seine Förderer vor und bespricht den Ablauf des Massakers – mit einem eigens von ihm engagierten Kamerateam von Jungfilmern.
Das war die (unterhaltsam gedachte) Idee, die dem typischen Legendenslasher ein wenig satirisches Augenzwinkern verleihen solle.
Es klingt ein wenig nach „Mann beißt Hund“, ein bisschen nach „Scream“, einige Eindrücke wirken wie eine Hommage an „Blair Witch Project“ und ansonsten wird auch alles erwähnt, was im Slashergenre Rang und Namen hat.
Scott Glossermann, selbst gerade erst 30 Jahre alt und damit wie die eigentliche Slasherwelle selbst, kann man seine guten und satirischen Absichten nicht absprechen.
Die Euphorie und der Spaß, den Nathan Baesel in der titelgebenden Rolle des Leslie Vernon (komplett mit finsterer Familiengeschichte) empfindet, wenn er über die Mechanismen des von ihm geplanten Meuchelns spricht, überträgt sich nicht nur auf das Filmteam, sondern auch auf den Zuschauer und in einigen Momenten, wo das Drehbuch den Kick der Planung und Vorbereitung aufnimmt, funktioniert der Film hervorragend.
Minutengenau wird das Massaker am Ende vorbereitet, die Fluchtmöglichkeiten beseitigt oder vorgetäuscht, tödliche Waffen entschärft oder Fluchtwege mittels Fallen verkappt.
Hier spürt man, dass jemand seine Hausaufgaben gemacht hat, viele Vorgaben analysiert und auseinander genommen hat.
Das Problem: es dauert alles viel zu lange.
Es mag ganz witzig wirken, wenn man rund um ein abgelegenes Haus all das zerlegt, was in der Folge im Showdown von Bedeutung sein könnte, aber als Zuschauer brauch man da einen sehr langen Atem oder eine irre Begeisterungsfähigkeit, die Versatzstücke des Slasherfilms zu erkennen.
Erst in der letzten halben Stunde, als der Killer zur Tat schreitet, bekommt der Film auch handlungstechnisch den nötigen Drive, denn natürlich stellt sich das zu erwartende Szenario als ganz anders heraus und das Kamerateam ist in die Mordserie von vor Beginn an einbezogen gewesen.
Und genau dort verlassen „Behind the Mask“ die Ideen. Regte bis dahin der Ideenreichtum nicht den Reiz so an, wie es nötig gewesen wäre, fällt nach dem Plot-Twist (der zu erwarten ist) jeglicher Einfallsreichtum flach. Anders als gedacht, aber dennoch schön nach der Reihe häckselt sich der Mörder mit der Maske durch die Opferschar, bei der alles auf die Konfrontation zwischen Mörder und Mädchen hinaus laufen muß, wie beide Seiten wissen, weil es uns vorher schon erklärt worden ist.
Das wesentliche Problem des Films ist, dass es zwar ironisch klingt, die Mechanismen eines Slashers schon vorher zu durchleuchten, als Film aber deutlich weniger Spaß macht. Das finale Geschnetzel, das noch nicht einmal graphisch besonders einfallsreich oder interessant rüber kommt, bestätigt nur das vorher Gesagte und löst spannungsarm ein, was man sowieso erwartet hätte, anstatt damit zu brechen.
Alles ist berechenbar, selbst die netten Auftritte von Robert Englund als eine Art „Doc Loomis“-Verschnitt bringen da nicht wirklich viel.
Um ein Klassiker oder wenigstens ein Reißer zu werden, dafür ist „Leslie Vernon“ viel zu zahm und einfallslos – die eigene Kreativität beschränkt sich auf die Videoaktivitäten, das „Slashen“ an sich ist dabei so emotionsarm, wie es vorgewärmt wurde.
Eine Pleite auf der ganzen Linie ist der Film allerdings nicht, es gibt gewisse Momente, die Spaß machen; den einzigen Faden, der wirklich Potential hat (nämlich das Mädchen, das den Killer beim Beobachten spüren kann), lässt man aber ungenutzt zurück.
Entweder die Regeln brechen oder sie befolgen, das sind die wirklichen Möglichkeiten, „Leslie Vernon“ bewegt sich irgendwo im Mittelfeld dazwischen – und bleibt so auch Mittelmaß. (5/10)