Leslie Vernon lebt in einer Realität, in der er es die Serienkiller Michael Myers, Jason Vorhees und Freddy Krueger wirklich gegeben hat. Eine Realität, in der diese Horrorfilmlegenden wirkliche Legenden sind, die zudem von ihm verehrt werden. Leslie Vernon möchte auch in den Olymp dieser Schreckensbringer aufsteigen und plant daher seine Karriere akribisch. Die Vorbereitungen werden von einem Team von Journalismus-Studenten verfolgt und dokumentiert, die wissbegierig den angehenden Killerstar nach den Geheimnissen dieses "Berufszweigs" ausfragen.
Es ist unschwer zu erkennen, dass "Behind the Mask" ein selbstreflexives Werk ist, das es sich zur Aufgabe macht, ein ganzes Genre zu beleuchten und zu analysieren. Eine ähnliche Prämisse also, wie Wes Cravens "Scream". Regiedebütant Scott Glosserman geht aber noch weiter als Craven. "Scream" machte es sich zur Aufgabe, mit den Genrekonventionen zu spielen und diese dem Zuschauer genüßlich vorzuführen, um dabei aber auch eine spannende und intelligente Story zu erzählen. Dies gelingt "Behind the Mask" leider nicht. Herausgekommen ist eine Art Pseudo-Dokumentation, die gelegentlich durch "echte" Slasher-Sequenzen durchbrochen wird. Trotz der (gerade für Genre-Freunde) überaus interesssanten Prämisse wirkt der Film leider an keiner Weise fesselnd. Die Faszination bezieht der Film einzig und allein von den lockeren Interviewsequenzen mit Leslie Vernon (Nathan Baesel), der frei von der Leber erzählt, wie schwierig es doch ist, ein anständiges und filmreifes Blutbad anzurichten. Leider reicht dies nicht aus, die 90 Minuten Filmzeit ansprechend zu füllen. Es wird dem Zuseher nach kurzer Zeit schlicht und einfach langweilig. Zu allem Überflluß sind die "Slasher-Sequzen" überaus konventionell gefilmt. Dies ist gerade für einen Film, der ein ganzes Genre analysieren möchte, nahezu peinlich.
Auf der Habenseite von "Behind the Mask" gibt es zum Einen einige nette, wie wahre Einfälle. So z.B. die Aussage des trainierenden Leslie, dass es überaus anstrengend ist, als Serienkiller immer stoisch zu schlendern und dennoch die rennend fliehenden Teenies einzuholen, um sie letztlich zu töten. Solche Szenen sind es, die zeigen, welches Potenzial die Thematik hat. Leider sind solche Geistesblitze recht rar gesät. Stattdessen ergeht sich der Doku-Part in den ebenso minutiösen wie uninteressanten Vorbereitungen des Tötungsfeldzuges.
Ein weiterer Pluspunkt von "Behind the Mask" sind zu einem großen Teil die Darsteller. Nathan Baesel als Junior-Killer schafft es durch seine überzeugende Leistung die Gratwanderung zwischen charmant und beängstigend zu nehmen. Er ist ein amüsanter Interviewpartner, der nette Anekdoten zu besten gibt. Diese befassen sich allerdings mit tödlichen Details. Baesel trägt diesen Film. Dabei wirkt er beinahe wie eine junge Version eines Christian Bale, allerdings ohne dessen Klasse ganz zu erreichen. Zudem ist Robert Englund hervorzuheben. Der Schauspieler, der wie kaum ein anderer mit seiner Rolle als Freddie Krueger verwachsen ist, gibt ein nettes Gastspiel in einem Film, der "A Nightmare on Elm Street" mehr als ein Mal zitiert. Diesmal steht Englund als Nemesis des Killers allerdings auf der anderen Seite. Seine (leider etwas zu kleine) Rolle ist quasi (inhaltlich wie optisch) die Interpretation von Loomis, dem Gegenspieler von Michael Myers aus den "Halloween"-Filmen, der immer von dem legendären Donald Pleasance verkörpert wurde. Diese kleine Rolle adelt den Film ganz beträchtlich. Die anderen Darsteller sind ebenso austauschbar, wie in den üblichen aktuellen Teenie-Slasher. Zwar machen sie ihre Sache nicht wirklich schlecht, doch bleiben sie alle farblos und austauschbar.
"Behind the Mask" hat eigentlich alles, was man braucht, um einen tollen und schlauen Film über ein Genre zu machen: eine intelligente, wie originelle Prämisse, ein ordentliches Budget und eine annehmbare Besetzung (inklusive gutem Hauptdarsteller und Horrorlegende). Trotz allem schafft es der Film nicht wirklich, diese Ausgangslage auszunutzen. "Behind the Mask" bringt zu wenig gültige Wahrheiten über die Spielregeln des Genres zu Tage und langweilt über weite Strecken. Insofern war "Scream" ein um Längen besseres Lehrstück zum Thema Teen-Horror. Im Vergleich zu diesem Film wirkt "Behind the Mask" beinahe altklug, ohne allerdings Taten folgen zu lassen. Und mal ganz ehrlich: Wer mag schon Filme oder Menschen, auf die so etwas zutrifft?
Fazit:
5 / 10