Review
von Alex Kiensch
In einer kleinen Gemeinde geht die Legende von einem Irren, der als kleines Kind von der Bevölkerung in den Tod gestürzt wurde und nun auf blutige Rache aus ist. Eine Gruppe von Teenies verbringt als Mutprobe eine Nacht im ehemaligen Haus des Irren - und wird bald einer nach dem anderen abgeschlachtet. Klingt nicht sehr originell? Ist es aber: Denn die übliche Splatter-Story wird diesmal komplett aus Sicht des Mörders erzählt.
Tatsächlich ist "Behind the Mask" viel mehr eine ebenso böse Satire wie liebevolle Hommage an das Genre der amerikanischen Splatter-Filme der 70er- und 80er-Jahre. Als seine großen Vorbilder nennt Leslie Vernon, so der Name des Mörders, Jason Voorhees und Freddy Krueger. In diesem Sinne begleitet ihn die Kamera bei seinen ausführlichen Vorbereitungen, um die blutige Nacht zu seinem Vorteil einzurichten.
So wird der größte Teil des Films denn auch aus Sicht der subjektiven Kamera inszeniert, die ein Filmteam dabei hat, um ihn bei seinem Plan zu filmen. Wenn sie ihn bei allen seinen Schritten begleiten und er ausführlich erklärt, worauf man achten muss, wie man sich seine Opfer aussucht, wie man sie schon ein wenig in Panik versetzt und sie schließlich der Reihe nach umbringen kann, dann ist das wie eine Anleitung, die sich aus allen alten Splatter-Filmen im Stil von "Freitag, der 13." und "Halloween" zusammensetzt. Das wirkt manchmal vielleicht ein wenig langatmig, jeder eingefleischte Genre-Fan dürfte aber seine helle Freude haben, wenn er in den Ausführungen Leslies die Handlungsmotive beinahe jedes klassischen Splatterstreifens wiederentdeckt. Hinzu kommt, dass das alles mit einer gehörigen Portion surreal-schwarzen Humors erzählt wird - welches Filmteam würde schon einen psychopathischen Killer bei seinen Vorbereitungen begleiten? Und welcher Killer würde von seinen Taten reden, als wäre es ein ehrenwerter und anstrengender Beruf?
Außerdem erfreut sich das Fan-Herz an Robert Englund, seines Zeichens der originale Freddy Krueger, in einer Nebenrolle als Gegenspieler Leslies. Und wenn gegen Ende die Subjektive der Filmteam-Kamera aufgegeben wird, um auch besagtes Team in die blutige Handlung mit einzubeziehen, kommt tatsächlich noch einmal etwas Spannung auf. Das alles dürfte über die eine oder andere lahme Stelle und einige kleine logische Unglaubwürdigkeiten hinweg trösten.
Im Grunde bedient "Behind the Mask" jede Zielgruppe: Alteingesessene Genre-Fans werden ihre Freude daran haben, die Regeln des Splatterfilms so persifliert und doch ernst genommen wieder zu finden, und Neulinge können einige Grundlagen über die Funktionsweise klassischen Splatters lernen. Das alles mit Spaß, Spannung und ein wenig Blut aufbereitet - fertig ist ein herrlich amüsanter Horrorabend!