S3E01: Unsterblich verliebt
US-Erstausstrahlung: 15.06.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 06.10.1996
„Boxershorts bringen Sie in dieser Stadt in keiner Weise weiter!“
Drehbuchautor Edward Foster (Andrew McCarthy, „Mannequin“) hat sich bis über beide Ohren in seine Nachbarin, die junge, attraktive Schauspielerin Miranda Singer (Mariel Hemingway, „Manhattan“), verknallt. Nur leider will sie nichts von ihm wissen. Da erhält er von seinem Vermieter (David Hemmings, „Profondo Rosso“) einen Zaubertrank, der Miranda ganz verrückt nach ihm macht. Diese Wirkung jedoch hat Edward unterschätzt; sie zerrt schon bald derart stark an seinen Nerven, dass er überlegt, wie er Miranda ein für allemal loswird…
„Ziehen Sie einfach aus und wir sind quitt!“
Nach einem etwas schwachen Finale der zweiten Staffel ging es in der neuen Dekade mit der dritten Staffel unter der Regie Tom Mankiewicz‘ („Schlappe Bullen beißen nicht“) weiter. Dieser lässt seine Episode wie eine überzeichnete Heile-Welt-Hommage beginnen, in der sich eine Frau plötzlich in Strapsen auf einem Mann stürzt. Diese Bilder entpuppen sich als Visualisierungen der Versuche Edwards, eine Geschichte zu schreiben. Der weitere Verlauf vermengt Szenen aus der Mieter-Vorhölle mit den Tücken vorschneller und falscher Verliebtheit in Kombination mit männlichem Anspruchs- und Besitzdenken: Edwards Wasserhahn funktioniert nicht mehr, sein Vermieter zeigt sich ignorant – repariert ihn aber rasch. In der Waschküche trifft er auf Nachbarin Miranda, die dort eine kurze Oben-ohne-Szene hat. Er interessiert sich für sie und bietet ihr an, ein Drehbuch für sie zu schreiben. Er hofft auf ein Rendezvous, doch sie hat bereits ein anderes. Der Vermieter beobachtet den Hausflur stets per Videoüberwachung, raucht Kette und lacht dreckig. (Für einen solch dreckigen Vermieter sind Wohnungen und auch Hausflur ausgesprochen schön, aber das nur am Rande.) In Edwards Vorstellung wird Miranda zu Luise aus seinem Buch. Er begrabscht sie, nachdem sie ihm eine Abfuhr erteilt hat, und sie klebt ihm eine. Daraufhin bietet der Vermieter seine Hilfe an und das Unheil nimmt seinen Lauf.
„Auf die Beharrlichkeit – und dass man kriegt, was man will!“
Das ist bis hierhin alles ausgesprochen hübsch gemacht und unterhaltsam anzusehen, obwohl es in dieser Konstellation keine klassischen Sympathieträger gibt, und nimmt zudem das Verhältnis von Schauspieler(innen) zu Drehbuchautor(inn)en augenzwinkernd aufs Korn. Fantastereien, die absolute Zuneigung idealisieren, werden mittels einer stark entromantisierenden Darstellung ad absurdum geführt. Die Sexszenen finden dabei offscreen statt, die Geschichte wird also nicht sexploitativ ausgeschlachtet. Eine weitere Komponente ist kranker Frauenhass, den der Vermieter verkörpert, denn es stellt sich heraus, dass es kein Gegengift gibt und er den Tod als einzigen Ausweg nennt, um seiner Fotosammlung ermordeter Frauen an der Wand ein weiteres Exponat hinzufügen zu können. Dass die schwarzhumorig angelegte, aber leider zunehmend albern und plump wirkende Episode in einer Visualisierung des Himmelsreichs aus der christlichen Mythologie endet, setzt dem Unfug die Krone auf. Die im Zeitkolorit gegenüber dem Comic aktualisierte Episode (so schreibt Edward z.B. am PC statt mit der Schreibmaschine) übertreibt es mit dem Humor etwas arg und wird leider immer absurder, damit aber auch seichter und ineffektiver. So enttäuscht auch der Beginn der dritten Staffel angesichts des Potentials der Serie ein bisschen.
6/10
S3E02: Der Aasgeier
US-Erstausstrahlung: 15.06.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 14.01.1996
„Ich bin nicht aus der Todeszelle abgehauen, um so zu verrecken!“
Der wegen Mordes verurteilte Earl Raymond Diggs (Kyle MacLachlan, „The Hidden – Das unsagbar Böse“) kann aus dem Gefängnis entkommen und flieht zur mexikanischen Grenze. Verfolgt wird er von einem Cop (George DelHoyo, „Zeit der Sehnsucht“), dem es auch gelingt, ihn einzuholen und ihn mit Handschellen an sich zu ketten. Diggs kann seinen Verfolger töten, doch da dieser den Schlüssel verschluckt hat, bleibt er an dessen Leichnam gefesselt. Die Flucht über die rettende Grenze gestaltet sich dadurch in der sengenden Wüstenhitze immer beschwerlicher – und dann ist da auch noch ein hungriger Geier, der es auf Diggs abgesehen hat…
Steven E. de Souza, Drehbuchautor diverser populärer US-Actionstreifen, inszenierte diese Man-on-the-run/Tierhorror-Episode geradlinig, jedoch mit diversen Schauwerten: Auf einen tödlichen Überfall folgt eine Verfolgungsjagd mit kühnen Stunts, Blechschäden und Explosionen. Die Episode wird zunächst zu einem Duell zwischen Diggs und dem Cop im atmosphärischen sandigen Wüstenambiente, während ein Geier permanent über der Szenerie kreist. Besonderer Clou dieses Duells ist es, dass Diggs seinen Jäger selbst dann noch an der Backe hat, als dieser eigentlich längst besiegt ist. Die Geschichte geht sehr böse aus, inklusive dann etwas herberer Spezialeffekte. Nach dem nicht ganz runden Staffelauftakt eine deutliche Steigerung.
7/10
S3E03: Die Falle
US-Erstausstrahlung: 15.06.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 24.12.1995
„Meine Mutter ist geistesgestört!“
Der unsympathische Macho Lou Paloma (Bruce McGill, „Kopfüber in die Nacht“) verliert seinen Job als Pizzafahrer und kann dadurch keine Raten mehr bezahlen, besteht aber trotzdem darauf, weiterhin als Alleinverdiener für seine Frau Irene (Teri Garr, „Die Zeit nach Mitternacht“) zu sorgen. Er will daher einen Versicherungsbetrug begehen und bittet seinen als Gerichtsmediziner arbeitenden Bruder Billy (Bruno Kirby, „Der Pate – Teil II“), ihn für tot durch einen gewalttätigen Überfall unbekannt entkommener Täter erklären zu lassen. Von der Lebensversicherungsprämie will er unter neuer Identität ein Leben in Rio beginnen und seine Frau nachholen. Billy lässt sich widerwillig darauf ein und schlägt seinen Bruder mit einem Schürhaken k.o. Was Lou jedoch nicht weiß: Irene hat eine Affäre mit Billy – und beide haben eigene Pläne entwickelt…
„Ich bin Lou Paloma!“
Rückschlüsse auf die Beziehung Lous und Billys zueinander erlaubt das Verhältnis, das ihre Mutter zu ihnen hatte: Lou ist ihr Lieblingssohn, Billy hasst sie regelrecht. Soweit der grobe psychologische Hintergrund dieser von Schauspieler Michael J. Fox („Zurück in die Zukunft“) schwarzhumorig inszenierten Episode. Als Billy sich mit Irene auf Lous Sarg vergnügt, fährt dieser beinahe versehentlich ins Krematorium. Als noch viel schlechtere Idee wird sich jedoch Lous Gesichtsoperation erweisen, der er sich in Rio unterzieht. Als er nach sechs Monaten nichts mehr von seiner Frau gehört hat, reist er zurück in die USA – und muss feststellen, dass Irene mittlerweile mit seinem Bruder verheiratet. Der Clou (Achtung, Spoiler!) dieser Episode ist, dass Lou als sein eigener Mörder verhaftet und schließlich verurteilt wird, weil Polizei und Justiz ihm kein Wort glauben, da er sich selbst seit der OP nicht mehr ähnlichsieht. Michael J. Fox ist als Staatsanwalt dieser im Prinzip amoralischen, dadurch aber auch herrlich bösen Episode zu sehen. Was fehlt ist eine letzte Wendung, in der es auf unvorhergesehene Weise auch Irene und Billy an den Kragen geht.
7/10
S3E04: Abra Kadaver
US-Erstausstrahlung: 19.06.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 07.01.1996
„Was ist denn das für eine Scheiße?!“
Ein in einer ausführlichen Schwarzweiß-Rückblende gezeigter makabrer Scherz Carl Fairbanks (Tony Goldwyn, „Freitag der 13. – Jason lebt“) zum Geburtstag seines wissenschaftlich talentierteren Bruders Martins (Beau Bridges, „Joy Stick Heroes“) in der Pathologie hat dessen Herzinfarkt zur Folge, von dem er eine halbseitige Lähmung davonträgt und daher seine Karriere als Chirurg aufgeben muss. Carl hingegen macht als ebensolcher eine nicht zu verachtende Karriere. Nun sinnt Martin auf Rache, wird zum Mad Scientist und verursacht mittels eines experimentellen Serums Carls Herztod, um seine Theorie zu beweisen, dass nach einem solchen das Hirn weiterlebt…
Dies scheint in dieser von Stephen Hopkins („Nightmare on Elm Street 5 – Das Trauma“) inszenierten Episode der Fall zu sein. Hopkins arbeitet mit vielen beunruhigenden Point-of-View-Perspektiven durch die Augen des herztoten Carl, zeigt, was so alles mit einem angestellt wird, wenn man den Löffel abgegeben hat, und appelliert erfolgreich an die Urangst, lebendig für tot erklärt zu werden. Darüber hinaus arbeitet diese Episoden mit Finten (Achtung, Spoiler!): Eine böse Prä-Pointe vermittelt, dass Carl auch körperlich noch lebendig ist, bis die nächste vermeintliche Pointe aufdeckt, dass alles nur eine Mischung aus schwarzhumorigem Scherz Martins und Forschung am lebenden Objekt war. Dass Carl daraufhin tatsächlich das Zeitliche segnet, ist dann die eigentliche Pointe dieser etwas umständlich konstruierten, aber furchtbar fiesen Geschichte, die jedoch durch das der Serie und ihrem Stil immanente karikierende Element abgeschwächt wird. Zum Glück!
7/10
S3E05: Die Hauptrolle
US-Erstausstrahlung: 26.06.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 07.04.1996
„Dieses Geschäft hat nichts mit Schauspielerei zu tun!“
Barry Blye (Jon Lovitz, „Big“) ist ein erfolgloser Schauspieler, der keine Rollen bekommt – vor allem wegen seines durchschnittlichen Aussehens. Dann verlässt ihn auch noch seine Freundin Lisa für einen Neuen und seine Wohnung ist er auch los. Verzweifelt sucht er nach Arbeit und spricht bei einem Theater-Casting für „Hamlet“ vor, wird aber von Regisseur Nelson Haliwell (John Astin, „Addams Family“) abgelehnt. Den Zuschlag erhält stattdessen sein Konkurrent Winton Robbins (Bruce Boxleitner, „Agentin mit Herz“), ein eingebildeter Schönling, der völlig unvorbereitet zum Casting erschien und nicht einmal vorzusprechen brauchte. Zwar ist es Winton gewohnt, dass Winton alles in den Schoß fällt, während er selbst sich erfolglos abmüht, doch jetzt platzt ihm der Kragen…
„Es geht um Hamlet! Wie können Sie nur dieses Arschloch besetzen?!“
Der vermeintliche Mordanschlag zu Beginn dieser von Todd Holland („Die Larry Sanders Show“) inszenierten Episode entpuppt sich als Teil eines Schauspiel-Castings. Holland gelang ein schöner Frühneunziger-Look inklusive vollgemüllter Straßen und stellt die Theaterleute komödiantisch und heillos überzeichnet als tuntig und aufgeblasen dar. Makaber wird es (Achtung, Spoiler!), als Barry Mordgelüste bekommt, Winton erdrosselt und daraufhin die Rolle erhält – es sich jedoch herausstellt, dass er gar nicht Hamlet, sondern den toten Yorick spielen soll, und sich die ganze Produktion als das Vergnügen geisteskranker Schwerkrimineller entpuppt. Am Ende dieser das Schauspiel- und Theatergeschäft karikierenden Gruftgeschichte wird „Hamlet“ mit echtem, noch blutigem Schädel gespielt. Der Moral „Du sollst nicht töten“ fügt diese Episode an: Manchmal reicht es einfach, abzuwarten. „Die Hauptrolle“ ist prima gelungen, bietet ein Wiedersehen mit John „Gomez Addams“ Astin in einer ihm auf den Leib geschneiderten Rolle (was für Boxleitner ebenfalls zutrifft) und vereint alles, was eine richtig gute Geschichte aus der Gruft ausmacht.
8/10
S3E06: Tödlicher Hinterhalt
US-Erstausstrahlung: 03.07.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 17.12.1995
„Ich würde mich freuen, wenn wir gute Freunde würden.“
Zwei Gangster auf einer Südsee-Insel, auf der Bürgerkrieg herrscht. Einer von ihnen ist Red Buckley (James Remar, „Die Warriors“), der Schach spielt und kurzerhand seinen Komplizen erschießt. Daraufhin bewirbt er sich beim Plantagenbesitzer Duvall (John Rhys-Davies, „Jäger des verlorenen Schatzes“) als Plantagenleiter und bekommt den Job. Was Duvall nicht ahnt: Red ist hinter einem besonders wertvollen, leider alarmgesicherten Edelstein her, der sich im Besitz seines neuen Arbeitgebers befindet. Auf der Plantage wird Red von einer ebenfalls für Duvall arbeitenden Voodoo-Priesterin (Whoopi Goldberg, „Jumpin' Jack Flash“) herumgeführt. Während draußen Rebellenkämpfe toben, lässt sich Red auf ein Schäferstündchen und einen Komplott mit Duvalls attraktiver Frau Katherine (Vanity, „Monster im Nachtexpress“) ein, die die Priesterin ihm aber schnell wieder auszureden versucht. Red wird nachts von blutigem, zappelndem Federvieh unter der Bettdecke geweckt, und als die Rebellen der Plantage immer näherkommen, muss man fliehen…
Diese von Tobe Hooper („The Texas Chainsaw Massacre“) inszenierte Episode wird kaum jemand überleben. Im Vergleich zu manch anderer Gruftgeschichte geht’s hier recht grafisch zu: Neben einer Softsexszene zwischen Katherine und Red kredenzt Hooper eine nicht nur wegen einer Infektion mit Wasserwürmern ekligen Goreszene, in der Red in Eingeweiden wühlt. Zudem wird sehr explizit ein Kopf abgeschlagen. All dies trifft auf ganz klassischen Voodoo-Zauber, aufgrund dessen eine der Figuren per Stich in eine Puppe das Zeitliche segnet. Das Jeder-gegen-jeden der Handlung wird mit etwas negativ konnotierter Südseefolklore in Form gewalttätiger Aufstände sowie Mystik um Reds naturrotes Haar angereichert, von dem die Einheimischen ganz fasziniert sind. Tatsächlich geht es am Ende um Kopf und Kragen, doch was genau es mit dem roten Haar bzw. dem Haupt, auf dem es sitzt, auf sich hat, bleibt leider ungeklärt. Dafür ist Whoopi anschließend bei einem Late-Night-Talk mit dem Crypt Keeper zu Gast!
7/10
S3E07: Der schüchterne Vampir
US-Erstausstrahlung: 10.07.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 24.12.1996
„Hallo! Haben Sie irgendwelche Blutkrankheiten?“
Donald Longtooth (Malcolm McDowell, „A Clockwork Orange“) ist ein Vampir, der keine Menschen töten möchte und deshalb als Nachtwächter in einer Blutbank arbeitet, in der er sich versorgt. Leider fallen seinem Chef Mr. Crosswhite (George Wendt, „Cheers“) irgendwann Unregelmäßigkeiten auf. Longtooth sieht sich gezwungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und auf Verbrecher loszugehen, um seinen Durst zu stillen und zugleich inkognito zu bleiben. Die Blutbankangestellte Sally (Sandra Dickinson, „Superman III“) verliebt sich in ihn, doch die Polizei ermittelt, sein Chef kommt irgendwann hinter sein Geheimnis und erpresst ihn – und dann ist da auch noch Vampirjäger Rupert Van Helsing (Michael Berryman, „Hügel der blutigen Augen“) …
„Blutsauger!“
Die Besetzung der von Elliot Silverstein („Der Mann, den sie Pferd nannten“) inszenierten Episode ist einmal mehr vom Feinsten: Malcolm McDowell als sanfter, sich eine Ratte, mit der er redet, als Haustier haltender Vampir trifft auf den immer gerngesehenen George Wendt, und Genre-Ikone Berryman sieht als moderner Van Helsing mit seiner die Augen vergrößernden Brille noch bizarrer aus als ohnehin schon – und spielt erstklassig! Die eingeblendeten Zeitungsschlagzeilen verleihen der Inszenierung einen schönen Oldschool-Touch, der an die Zeit der Printveröffentlichung dieser Geschichte erinnert. Die Wendung um Chef Crosswhite, der sich als finsterer als der Vampir erweist, beinhaltet Kritik an menschlicher Gier und führt schließlich zu einer finalen, moralischen Pointe, in der Van Helsing eine große Rolle spielt. „Der schüchterne Vampir“ ist schön komödiantisch, makaber und manchmal romantisch, geizt dafür aber etwas mit Schauwerten.
7/10
S3E08: Die Farben des Todes
US-Erstausstrahlung: 17.07.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 13.06.1997
„Vielleicht solltest du wieder anfangen zu trinken...“
Dem psychopathisch veranlagten erfolglosen Maler und trockenen Alkoholiker Jack Craig (Tim Roth, „Made in Britain“) mangelt es an Inspiration. Diese findet er plötzlich, als er im Affekt seinen lärmenden Headbanger-Nachbarn erschlägt und dessen Augenblick des Todes nachmalt. Malcom Mayflower (William Atherton, „Ghostbusters“), Sammler solch verstörender Gemälde, kauft es ihm für 20.000 Dollar ab und ermutigt ihn, weitere solcher Kunstwerke zu erschaffen. Jack fackelt nicht lange und beginnt zu morden – zunächst widerwillig, dann immer berechnender…
„Geschichten aus der Schattenwelt“-Regisseur John Harrison visualisiert Jacks Mordfantasie, die bereits dessen Veranlagung zeigt, bevor er sie auszuleben beginnt. Jack hat eine sehr liebe Freundin, die aber irgendwann hinter sein Geheimnis kommt. Diese brutale Geschichte resultiert in eine böse Wendung am Ende dieser etwas überkonstruierten Meta-Parabel über die Faszination an morbider Kunst mit einem sehr gut ausgesuchten Hauptdarsteller – Tim Roth geht prima in seiner Rolle auf.
7/10
S3E09: Vorsicht Kamera!
US-Erstausstrahlung: 24.07.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 14.04.1996
„Hast du den Mumm, einen echten Horrorfilm zu drehen?“
Ein Haufen Kids, namentlich Jess, Norm, Aaron und Josh (Jason Marsden, „Robotjox“, Scott Fults, „Kopflos durch die Nacht“, Aron Eisenberg, „Amityville Horror Teil 4“ und Ke Huy Quan, „Die Goonies“), kommen aus dem Kino und dringen in ein Bestattungsinstitut ein, wo sie Zeugen werden, wie der irre Bestatter Sebastian Esbrook (John Glover, „Die Geister, die ich rief…“) eine Frauenleiche misshandelt. Als Joshs Vater stirbt, vermuten die Jugendlichen ein Mordkomplott des Bestatters und des Apothekers, Mr. Grundy (Graham Jarvis, „Die Prophezeiung“). Sie ermitteln auf eigene Faust, aus dem tatsächlich so etwas wie ein Mordfall wird, als der Bestatter den Mörder der Frau grausam umbringt. Da greifen Josh und seine Freunde ein…
Diese vom unbekannten Regisseur Michael Thau inszenierte Mischung aus Kids-on-Bikes- und Horror-Episode ist recht grafisch ausgefallen. Zu Point-of-View-Perspektiven der Kids gesellen sich eine wenig appetitliche Innereienabsaugung (zu der Operettenmusik läuft), Handkamera-Optik in jenen Szenen, in denen die Nachwuchsdetektive sich bei ihren Ermittlungen selbst filmen, eine Leichenpräparation und im Finale jemand, der lebendig an der Ausweidungsmaschine landet. Das ist technisch versiert, optisch abwechslungsreich und flott erzählt, fürs Kids-on-Bikes-Sujet fehlt’s aber an Subtext.
7/10
S3E10: Das Totengericht
US-Erstausstrahlung: 31.07.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 18.08.1996
„Du musst jetzt verschwinden!“
Ein Obdachlosenmörder geht um. Und auch, wenn Dale Sweeney (Steven Weber, „Hamburger Hill“), ein vom Pech verfolgter, zynischer Journalist mit Alkoholproblem, von seiner noch zynischeren Chefin gefeuert wird, interessiert er sich für diese Mordserie und fragt sich, welche Rolle die „Gesellschaft der dankbaren Obdachlosen“, die pietätvolle Beerdigungen für auf der Straße Lebende und Sterbende organisiert, dabei spielt…
„Ich könnte dich auffressen!“
Der gebürtige Kubaner Manny Coto („Dr. Giggles“) inszenierte eine Episode im Neo-noir-Stil, in der Journalist Sweeneys Neugier ihm zum Verhängnis wird. Als klassisch abgewrackter De-facto-Detektiv (dessen One-Night-Stand zu Beginn kurz oben ohne zu sehen ist) recherchiert und ermittelt er auf eigene Faust und gelangt an eine Femme fatale, mit der er im Bett landet und schließlich selbst zum Obdachlosen wird. Dass es letztlich um Kannibalismus geht, ist leider etwas vorhersehbar, dafür kann sich auch das Finale mit tollen Bildern und Masken sehen lassen. Der Wortwitz der falschen Wohltätigkeitsorganisation („Grateful Homeless Outcasts and Unwanted Layaway Society“, abgekürzt: GHOULS) geht in der deutschen Bearbeitung leider verloren, die über den Noir-typischen Moralverfall hinausgehende, für etwaig wahre Beweggründe fadenscheiniger Hilfsorganisationen sensibilisierende Aussage aber bleibt erhalten.
Die Geschichte kam mir indes sehr bekannt vor – aus einem ‘80er-Episoenhorrorfilm? Oder aus einer „Akte X“-Episode?
7,5/10
S3E11: Aus eins mach zwei
US-Erstausstrahlung: 07.08.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 21.01.1996
„Frauen machen immer Schwierigkeiten...“
Liz Kelly (Michelle Johnson, „Schuld daran ist Rio“) jobbt in einer Bar, wo sie belästigt, aber auch von jemandem verteidigt wird: Steven Dixon (Brion James, „Der Blade Runner“), dem Chef einer Holzfällertruppe. Diesen heiratet die rehäugige kurzhaarige Schönheit kurzerhand. Doch dessen ungefickter Haufen Angestellter reißt miese Sprüche und fühlt sich von ihrem knappen Outfit provoziert. Als noch schlimmer aber erweisen sich die Reaktionen ihres Mannes darauf: Steve wird aggressiv und krankhaft eifersüchtig, sodass sie schon bald die Schnauze von ihrer Ehe voll hat. Stattdessen wird sie auf den attraktiven, muskulösen Jüngling Ted (Billy Wirth, „The Lost Boys“) scharf, der just bei der Truppe anheuert…
„Wenn die Pussy was zum Spielen braucht, dann nichts wie ran!“
Der australische „Highlander“-Regisseur Russell Mulcahy lässt sich Liz Kelly im Präteritum aus dem Off erklären, die Episode ist also aus ihrer Perspektive erzählt. Hier prallen der sexuelle Notstand holzfällender Saisonarbeiter mit der toxischen Männlichkeit und Eifersucht des Chefs und einer sich damit nicht abfinden wollenden Femme fatale aufeinander. Tatsächlich hat hier einmal die attraktive Protagonistin Probleme, jemanden zu verführen, was ihr letztlich aber doch gelingen wird – wodurch sie jedoch eine Terrorspirale in Gang setzt, als sie in flagranti erwischt werden. Eine falsche Schutzbehauptung von ihr kostet ihren Stecher das Augenlicht. Doch dessen Kollegen kümmern sich um ihn und machen ihn trotz allem fit für den Baumdurchsägewettbewerb – und wer die Serie kennt, weiß, dass es nicht bei Bäumen bleiben, sondern das Blut spritzen wird. Diese großartige, stets leicht entrückt wirkende Episode lebt neben ihrer Brutalität und dem Sex-Appeal Michelle Johnsons vor allem von Brion James‘ Mienenspiel mit Mut zur Hässlichkeit und einer Extraportion Wahnsinn im Blick. Subtil geht anders, aber wenn schon plakativ, dann so wie hier.
8/10
S3E12: Nur die Story zählt!
US-Erstausstrahlung: 14.08.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 13.06.1997
„Ich bin was Besonderes.“
Journalist Charles McKenzie (Richard Jordan, „Solarfighters“) hat ein Alkoholproblem und ist gerade arbeitslos. Als er in einer Bar die attraktive Vicki (Marg Helgenberger, „Always“) kennenlernt und mit ihr eine Affäre beginnt, scheint sie positiven Einfluss auf ihn auszuüben. Charles wird trocken und bekommt eine Chance auf einen neuen Job, findet aber keine heiße Story – sein Chef in spe verlangt von ihm, über einen Mord zu berichten. Plötzlich aber wird er Ohrenzeuge eines Totschlags und interviewt den Täter. Doch es stellt sich heraus, dass er a) das Opfer kennt und es b) gar nicht tot ist. Zumindest noch nicht…
„Bringen Sie mir einen Mord, Charly!“
Bereits zum dritten Mal nahm Mitproduzent Walter Hill („Die letzten Amerikaner“) für eine „Geschichte aus der Gruft“ auf dem Regiestuhl Platz. Diese inszenierte er im Neo-noir-Stil und lässt Charly direkt zum Publikum sprechen. Eine ausgedehnte Rückblende widmet sich dessen Alkoholproblem. Die eigentliche Handlung nimmt dann auf denkbar böse Weise den Zynismus der Journaille aufs Korn, in der man für einen gewinnträchtigen Aufmacher auch schon mal selbst ein bisschen nachhilft. Übertreibung veranschaulicht, so auch hier – und ungewöhnlicherweise verzichtet man am Ende gar auf die ausgleichende Gerechtigkeit, was nicht nur Charly und seinesgleichen zynisch wirken lässt, sondern auch diese Episode.
7/10
S3E13: Abel mit dem Kabel
US-Erstausstrahlung: 21.08.1991
Deutsche Erstausstrahlung: 21.04.1996
„Regeln sind nichts für mich!“
Hausfrau Janet (Faye Grant, „V – Die außerirdischen Besucher kommen“) schwärmt für die täglich ausgestrahlte Seifenoper „There’s Always Tomorrow“ und wünscht sich davon inspiriert mehr Leidenschaft und Abenteuer in ihrem Leben. Doch ihr Mann Leon (Alan Rachins, „Die schwarze Liste“) ist Arzt und aktiv forschender Wissenschaftlicher – und hat kaum Zeit für sie. Eines Tages entscheidet sich Janet, endlich Kabelfernsehen anzuschaffen. Mit Techniker Abel (Anthony LaPaglia, „Bloody Marie – Eine Frau mit Biss“) führt sie zweideutige Dialoge, während Leon an einem neuem Anästhetikum für dauerhafte Betäubung forscht. Später versucht sie, ihren Mann zu verführen, doch der hat nur seine Forschung im Kopf. Aufgestrapst ruft sie daraufhin Abel zu sich und beginnt eine Affäre mit ihm. Einmal kommt ihr Mann früher als erwartet nach Hause, aber die Situation kann gerettet werden. Als sie sich jedoch sogar mit Abel trifft, als Leon im Keller des Hauses forscht, ertappt dieser die beiden – und probiert sein Anästhetikum an ihnen aus…
„Sie sind wie ich, Abel!“
Der Auftakt dieses Regiedebüt des daraufhin viel fürs Fernsehen drehenden Andy Wolk (u.a. „Die Sopranos“) entpuppt sich als Film im Film (respektive Serie in Serienepisode), geguckt von zwei Waschweibern. Die Begeisterung Janets und ihrer Freundin fürs Fernsehen ist wunderbar karikierend überspitzt ausgearbeitet. Ausschnitte aus der Seifenoper ziehen sich durch die Episode, einmal läuft gar „Geschichten aus der Gruft“ in der Glotze. Damit ist „Abel mit dem Kabel“ zunächst einmal eine Medien- bzw Medienkonsumsatire, Meta-Ebene inklusive. Herrlich schräg sind auch die zweideutigen Dialoge, die Janet und Abel miteinander stets beibehalten. Gesäuselt wird on-, gevögelt offscreen. Die Pointe macht aus der Episode schließlich eine bizarre Mad-Scientist-Geschichte mit einem Schlussbild, das hier nicht verraten wird und man sich bitte selbst ansehen möge.
7,5/10
S3E14: Der Feigling
US-Erstausstrahlung: 28.08.1991
Deutsche Erstausstrahlung: -
„Viel Glück, Sir!“
Blutiges Kriegsgemetzel 1918 in Frankreich: Leutnant Martin Calthrob (Eric Douglas, „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“) will lieber den Rückzug antreten, von dem die Strategen Captain Milligan (Dan Aykroyd, „Ghostbusters“) und General Calthrobs (Kirk Douglas, „Ein achtbarer Mann“) erfahren. Martin ist der Sohn des Generals und es heißt, er sei ein Feigling, womit sein Vater sehr hadert. Man einigt sich darauf, dass er von der Front abgezogen werde, sobald er die Telefonleitung am der Front repariert habe. Seine Männer würden sogar die Reparatur durchführen, er brauche sich lediglich im Hintergrund zu halten und zu pfeifen, sobald er den deutschen Feind erspähe. Doch Martin pfeift nicht und seine Männer fallen dem Feind zum Opfer. Seinem Vater tischt er anschließend Lügenmärchen auf, doch der sterbende Seargant schleppt sich in die Kommandozentrale und erzählt, wie es wirklich war. Der General überführt seinen Sohn der Lüge und lässt ihn vors Militärgericht bringen. Dort verurteilt er ihn höchstpersönlich zum Tode, will ihm nach einer Aussprache aber das Leben retten…
„Deutsche! Überall!“
Diese zweite von Mitproduzent Robert Zemeckis („Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“) inszenierte und mit fast schon verschwenderischer Starbesetzung ausgestattete Episode, die zugleich das Staffelfinale bildet, fällt etwas länger als gewohnt aus und war ursprünglich für ein nie realisiertes Spin-Off vorgesehen. Es heißt, Zemeckis habe sie als Hommage an Kubricks „Wege zum Ruhm“ gedreht, mit dem es tatsächlich thematische und auch schauspielerische Überschneidungen gibt: Kirk Douglas spielte bereits dort mit. In dieser etwas schwierigen Episode spielt er mit seinem tatsächlichen Sohn Eric eine Vater-Sohn-Beziehung. Während der Terror des Kriegs ansprechend dargestellt wird, ist es einmal mehr ungerächter Zynismus, der die Pointe erzeugt. Wer nicht der Ansicht ist, es sei besser, zu sterben wie ein Mann, um nicht mehr als Feigling dazustehen, und dass der Ruf eines Sohnes wichtiger sei als dessen Leben, dürfte die von den Machern sicherlich intendierten Probleme mit dieser Geschichte bekommen, die mutmaßlich nur leider für diejenigen wesentlich besser funktionieren dürfte, die all dies unterschreiben würden.
7/10