„Ein Typ, der vor ein paar Monaten aus der Klapsmühle entsprungen ist...“ – „Und der bei der Polizei unterschlüpfte?“ – „Ja.“
Maniac Cop meets Halloween
So oder so ähnlich lautete wohl die Idee, die US-Regisseur Wallace Potts’ anscheinend einzigem Film zugrunde lag, der 1989 auf das Videothekenpublikum losgelassen wurde. Man nahm also einen sadistischen Cop (eigentlich einen satanistischen entflohenen Irren in Polizeiuniform, aber egal), den man als Mörder im x-ten Schema-F-Slasher ein paar College-Studenten, die irgendwo im Nirgendwo Urlaub in einer Waldvilla machen wollen, seine ganz persönliche Rechtsauffassung aufdrücken lässt...
Um diesen wird kein großes Geheimnis gemacht, schon im Prolog darf Robert R. Shafer („Das Büro“) als Officer Joe Vickers ein argloses Pärchen mit breitem Overacting-Grinsen um die Ecke bringen. Fortan bekommt man das Studentengrüppchen vorgestellt, das sich in Vickers’ Jagdrevier wagt. Mitten im Wald steht eine Villa mit Pool, die unsere „Freunde“, drei Mädels (mind. eine davon dann doch recht attraktiv) und drei Kerle (mind. einer davon Bodybuilder und augenscheinlich etwas zu alt für seine Rolle oder Dauerstudent) beziehen und das fortführen, was sie bereits auf der Hinfahrt taten: Sich zu betrinken. Die Palette der Freizeitaktivitäten wird aber, das muss fairerweise erwähnt werden, erweitert um scheiternde Grill- und Kochversuche sowie das ständige Suchen und Finden von Gegenständen wie einer Zahnbürste, die im Müll (!) wieder auftaucht oder einer Handtasche. Als die Haarbürste temporär verschwindet, mit der sich das neurotische Blondchen permanent (!) durch die Haare fährt, bis die Zinken glühen, droht die Stimmung bedenklich zu kippen, doch als irgendwann sogar das Bier weg ist, ist der Spaß vorbei: Ob der Psycho-Cop dahinter steckt?
Das klingt alles unsagbar doof? Das ist es auch, aber es ist verdammt witzig! Die debilen Dilettanten sind also, wie bereits erwähnt, fast unterbrechungsfrei damit beschäftigt, Alkohol zu konsumieren (man könnte ein nettes Spiel daraus machen: Jedes Mal, wenn das Wort „Bier“ im Film fällt, sich selbst eines öffnen...), was durchaus eine Erklärung für ihr eigenartiges Verhalten wäre, wie z.B. das Hören eines Schreis des ersten Psycho-Cop-Opfers, den es aber für den Zuschauer ohrenscheinlich gar nicht gab. Jedoch erscheinen sie vom Tonfall her (wohlgemerkt nicht inhaltlich!) eigentlich immer recht nüchtern. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit diese Versuche, die über weite Strecken vorherrschende Ereignislosigkeit der Handlung zu kaschieren, augenzwinkernd humoristisch sein und keinen unfreiwillig komischen Unfall darstellen sollten, in jedem Falle geht diesem Spaß aber leider irgendwann die Puste aus und es machen sich Längen im Mittelteil deutlich bemerkbar, bis Vickers mit der Kraft des Gesetzes endlich dazwischenschlägt. Dabei hat er stets, ähnlich wie im drei Jahre später erschienenen und ungleich besseren „Dr. Giggles“, einen zynisch-sarkastischen Einzeiler auf den Lippen, mit dem er seine Opfer bedenkt. Das nutzt sich zwar auch bald ab, hat aber durchaus seine Höhen, wenn ein satirischer Umgang mit tatsächlicher Polizeigewalt mitschwimmt.
Die Morde indes fielen mal mehr, mal weniger originell und blutig aus, zu oft leider eher weniger – manches findet gar nur im Off statt. Ebenfalls wenig originell, aber durchaus gut goutierbare Slasher-Standardware sind diverse „Point of View Shots“, Schreckmomente, die sich schnell als harmlos entpuppen und die sich dann doch immer mal wieder durch Einfältigkeit und Albernheiten durchkämpfende Backwood-Atmosphäre inkl. einiger kameratechnisch schön eingefangener Aufnahmen des hünenhaften Psychopathen. Der Soundtrack hat neben schlimmem 80er-Poprock eine entfernt an „Freitag, der 13.“ erinnernde Klangkulisse zu bieten, die nicht weiter auffällt. Als Tatmotiv und notdürftige Erklärung für des zum Wahnsinns fette Beute gewordenen Cops übermenschliche Kräfte muss irgendein satanisches Ritual herhalten, eine weitere Charakterisierung findet nicht statt.
„Psycho Cop“ ist ein eindimensionaler, billiger, zusammengeklaubter, unsleaziger B-Slasher mit vom titelgebenden Hauptdarsteller abgesehen No-Name-Darstellern, der in seiner humorvollen Ausrichtung – ob nun zu einem großen Teil freiwillig oder unfreiwillig, sei dahingestellt – aber bisweilen reichlich schräg wirkt und dadurch sowohl Trash-Freunden als auch Slasher-Allesguckern zu einem zumindest nicht enttäuschenden Filmspaß verhelfen könnte. Zu mehr als einer Durchschnittsnote kann ich mich zwar nicht durchringen, aber das soll nicht viel heißen. 1993 kam es gar zu einer Fortsetzung, deren Sichtung noch vor mir liegt, auf die ich mich aber schon mehr freue, als die (Geschmacks-)Polizei erlaubt.