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Als „Platoon Leader“ führt Michael Dudikoff seine Mannen für die bekannte Cannon-Schmiede durch den Dschungel.
Während des Vietnamkriegs: Lieutenant Jeff Knight (Michael Dudikoff) wird als Anführer über ein kleines Platoon ernannt, das ein nicht-kommunistisches Dorf vor dem Vietcong bewahren soll. Ähnlich wie in Oliver Stones „Platoon“ (die Namensähnlichkeit kommt nicht von ungefähr) haben sie Soldaten hier aber nachgelassen und geben sich mit einem Minimum an Aufwand zufrieden, was Knight natürlich gerne sieht. Klassischer Vietnamstoff also, wenn auch hier auf B-Ebene.
Als Grünschnabel, der ihnen zudem noch in ihre Angelegenheiten pfuschen will, ist Knight bei den Männern natürlich nicht unbedingt willkommen. Während einige versuchen ihn noch an das Dschungelleben zu gewöhnen, kommentieren andere jeden seiner Fehltritte mit Gehässigkeit. Durch seine Unerfahrenheit tapert Knight dann auch noch in eine Sprengfalle des Vietcongs und kommt ins Krankenhaus. Hier überrascht „Platoon Leader“ dann doch ein wenig: Dudikoff ist nicht von Anfang an der Obermacker, der alles und jeden im Griff hat und jedes Problem auf Anhieb löst.

Doch Knight ist entschlossen nicht aufzugeben und kehrt nach seiner Genesung wieder zu seinem Trupp zurück – sehr zu deren Erstaunen. Er versucht erneut eine vertrauensvolle Führung aufzubauen, denn es stehen immer mehr Übergriffe durch den Vietcong bevor…
Sieht man sich die Geschichte an, so scheint es fast, als habe Aaron Norris für Cannon eine B-Version von Hollywoods Vietnamfilm drehen wollen und so sind einige Elemente auf überraschend kritischem Niveau. So erlangt Knight beständig und langsam das Vertrauen seiner Männer, der drogensüchtige Soldat wird nicht direkt verdammt, sondern doch noch posthum von Knight als Held dargestellt, viele Vorgesetzte peilen gar nichts usw. Hinzu kommt eine sehr atmosphärische Abfilmung des Dschungels, die deutlich besser rüberkommt als das Dschungelflair von Cannon-Filmen der Marke „Missing in Action“ oder „P.O.W.“.
Allerdings stehen den kritischen Elementen ein paar platte B-Merkmale gegenüber, die sich damit stellenweise beißen. So wirkt die musikalische Untermalung teilweise recht patriotisch und die Cannon-typische Heldenverehrung konnten die Macher auch nicht sein lassen (vor allem gegen Ende wird es da doch arg übertrieben). Auch die Vietnamesen werden wie üblich in die schutzbedürftigen Dorfbewohner und die grausamen Vietcong eingeteilt, wobei letztere mal wieder durch die Exekution von Zivilisten usw. als besonders fies porträtiert werden. Der Plot ist zwar solide spannend, aber ein roter Faden fehlt etwas, weshalb den Dschungelabenteuern von Knights Platoon etwas der Zusammenhang fehlt.

Im Bereich Action liefert Aaron Norris dann mal wieder solide Genreware ab. Zwar hat man bei Cannon schon einfallsreicheres gesehen, aber solides Vietnamgeballer mit den obligatorischen Mörserüberfällen und Feuergefechten im Dschungel wird trotzdem geboten. Die Schießereien sind ordentlich inszeniert, aber mit hohem Bodycount, wodurch den Film sich etwas von der realistischen Schiene entfernt und sich klar als B-Movie der Marke Cannon offenbart. Die Menge ist auf jeden Fall in Ordnung, auch wenn es den Actionszenen an Abwechslung mangelt (allerdings kann man im Vietnamkrieg auch schlecht andere Formen von Action unterbringen).
Dudikoff besteht auch diesen Film mit Minimalmimik, aber sein begrenztes Schauspiel ist doch ganz ordentlich, wenn man es mit vielen anderen Schoten vergleicht, die er sich gerissen hat. Die Nebendarsteller sind auf ähnlichem Niveau, wobei Brian Libby und Robert F. Lyons als bärbeißige wie coole Veteranen etwas herausragen können und besser spielen als Dudikoff.

Alles in allem ist „Platoon Leader“ ein recht unterhaltsames Cannon-Vehikel mit Standardaction, aber dickem Atmosphäreplus und ein paar kritischen Ansätzen, auch wenn diese nur teilweise ausgearbeitet werden.

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