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Wie alle Cannon-Produktionen dieser goldenen Jahre bringt „Platoon Leader“ die typischen Attribute der legendären Produktionsstätte mit sich und überzeugt 90 Minuten lang mit geradliniger Unterhaltung, traditionsreichen Klischees und typischem U.S. Patriotismus, der in diesem Fall überraschend von einigen kritischen Tönen begleitet wird.
Der bekannte, britische B-Movie-Produzent Harry Alan Towers, in den Sechzigern und Siebzigern mit etlichen günstigen Horrorfilmen bekannt geworden, produzierte damals zusammen mit dem späteren Nu Image – Gründer Avi Lerner diesen unerklärlich unbekannten Vietnamreißer und schrieb nebenher noch das auf dem gleichnamigen Roman basierende Drehbuch.

Aaron Norris („Braddock: Missing in Action III”, „Delta Force 2: The Colombian Connection”), der bezeichnenderweise mit seinen ersten Regiearbeiten seine besten Filme ablieferte und hier auch zum einzigen Mal nicht seinen Bruder Chuck in Szene setzte, orientiert sich natürlich offensichtlich am zwei Jahre älteren Klassenprimus „Platoon“ beziehungsweise dessen Bruder „Hamburger Hill“ nicht nur was Kameraeinstellungen im Dschungel, sondern auch die Action angeht, ohne sich zu weit von seinem typischem Stil mit viel Pyrotechnik und hohen Bodycounts zu lösen.
Trotz seines niedrigen Bekanntheitsgrads kann „Platoon Leader“ deswegen als der Beste seiner Sorte im B-Movie-Bereich genannt werden, da er sich locker gegen diverse Genreauswüchse durchsetzen kann, die vornehmlich auf den Philippinen entstanden, wo insbesondere Cirio H. Santiago seit Mitte der Siebziger einige berüchtigte Machwerke herunterkurbelte.

Der mit den beiden „American Ninja“ – Filmen und „Avenging Force“ inzwischen zu einem Zugpferd für Cannon herangewachsene Michael Dudikoff erledigt seine Rolle des unerfahrenen Lt. Jeff Knight im mimischen Sparmodus und erhält das Kommando über einen mitten im Dschungel liegenden Außenposten, der ein naheliegendes, nichtkommunistisches Dorf vor Übergriffen des Vietcong schützen soll...

Technisch und inhaltlich spielt „Platoon Leader“ zwar offensichtlich eine ganze Liga unter Oliver Stones Meisterwerk, aber wer, wie ich, ein Faible für schmuddelige, blutige Dschungelaction hat, die in ihrer Simplizität gar nicht vorgibt mehr zu sein und ziemlich linear damit beschäftigt ist in der undurchdringlichen Flora und Fauna verlustreiche Aufeinandertreffen zu addieren, kommt hier zweifellos auf seine Kosten.

Mit den knüppeldick aufgetragenen Klischees und einer hohen Portion Pathos muss man sich dabei allerdings genauso anfreunden können wie mit einem etwas zu einsilbigen Geschehen, das nach Knights Ankunft im Camp zunächst vom abgebrühten Veteranen über den leidenschaftlichen Killer bis hin zum Großmaul und Drogenjunkie nahezu alle Typen zusammenpfercht, die der Vietnamkriegsfilm jemals hervorgebracht hat und wer sich jetzt fragt, warum ich niemals die Silbe Anti davor setze, hat den Film offensichtlich noch nicht gesehen. Denn die Schwarzweißmalerei von heroischen U.S. GIs, die Zivilisten retten und heimtückischen Vietcong, die eben diese niedermetzeln und sich allgemein hin nicht als Menschenfreunde outen, gibt schon zu denken.

Obwohl ganz zart auch mal kritische Töne angeschlagen werden, die dann aber meist unfähige Vorgesetzte ansprechen, versteht sich „Platoon Leader“ in erster Linie nämlich auf Unterhaltung und so versucht Knight nicht nur schnellstmöglich Erfahrung zu sammeln, sondern seinen abgeschlafften und ausgebrannten Männern auch wieder einigermaßen Disziplin einzubläuen, bevor es dann zu den ersten Patrouillen in den Dschungel geht.
Das Lager erweckt mit Stacheldrahtzäunen, Bunkern, Verteidigungsanlagen und Sandsackbarrieren übrigens einen ziemlich realen Eindruck. Überhaupt gibt sich Aaron Norris viel Mühe seinen Film atmosphärisch aussehen zu lassen, findet sich jedoch eigentlich abseits des Lagers in seinem Element wieder.

Denn auf den Dschungelpatrouillen trifft man alle paar Minuten auf Soldaten des Vietcong, wird mit Granatwerfern bepflastert, ballert aus allen Rohren und macht keine Gefangenen denn die Genfer Konvention zieht hier nicht mehr.
Die undurchdringliche Dschungelkulisse erweist sich als ideales Terrain für Aaron Norris’ Inszenierung, der seine Pyrotechnik-Crew nach Belieben zündeln lässt, Explosionen mit Slowmotion ästhetisiert und auf blutige Details setzt. Der Bodycount schraubt sich dabei jeweils in den wirklich gelungenen Konfrontationen hoch. Neben dem traditionellen M 16 kommen natürlich auch Pumpguns, Handgranaten, Granatpistolen und MGs mit hoher Kadenz zum Einsatz, die Laub und Bäume zerlegen.
Besonders die nächtlichen Streifzüge durch die Wälder brauchen sich dabei nicht vor höher budgetierten Streifen zu verstecken.

Von entdeckten Tunneln über daran angebrachte gemeine Sprengfallen oder Giftschlangen bis hin zu Minenentschärfungen hält „Platoon Leader“ im weiteren Verlauf auch nahezu jede denkbare Standardsituation bereit, die man aus den vielen Vietnamkriegsfilmen so kennt, ohne dabei abzuschweifen. Zwar sind einige Dialoge der Beteiligten schon hart an der Grenze, aber so viel lässt man sie ohnehin nicht quatschen. Songs aus den Siebzigern finden auch kaum Einsatz und mehr als nötig erfährt man über die Soldaten ohnehin nicht. Die stiefmütterlich Vernachlässigung der Figuren garantiert den schnellen Fortschritt. Eigentlich macht es ja die Mischung, doch dafür war Cannon ja nie bekannt.

Der einzige mehrdimensionale Charakter ist dabei ausgerechnet Dudikoffs, der noch feucht hinter den Ohren ankommt, auf Streife ein paar Dinge vermasselt beziehungsweise von den erfahrenen Veteranen aus Notsituationen geholt werden muss und nach seiner schweren Verletzung wieder zurückkehrt, um die Angelegenheit endlich richtig anzugehen, womit keiner seiner Soldaten mehr gerechnet hat.
Wird auch Zeit, da die Großoffensive des Vietcong auf ihren Außenposten anrollt, die Vorgesetzten keine Ahnung haben und kleinere Scharmützel wie Drogen seine Einheit soweit dezimieren, dass ein Trio unerfahrener Frischlinge nur ungenügender Ersatz ist.

Von Kriegsverbrechen bis hin zu heldenhaften Taten bekommt man bis zum großen Vorfinale natürlich auch alle gängigen Klischees geboten, die sich in so einem Genrefilm nun einmal anfinden müssen, ohne dass Aaron Norris sie auswalzt und es nur mit ein paar pathetischen Momenten wirklich übertreibt.
Dort bricht dann, wie üblich in Cannons Filmen, der große Rambazamba aus. Ein nächtlicher Angriff der zahlenmäßig überlegenen Vietcong mit Raketen und Granatenwerfern auf den Posten, der beinahe im Schlaf überrascht wird, bildet den vorletzten Showdown inklusive eines Flächen rodenden Kampfhelikopters zur Unterstützung, viel Dauerfeuer, noch mehr Explosionen und unzähligen Toten. Minutenlang brennt Norris hier ein klasse ausschauendes Feuerwerk ab, das dank Leuchtspurmunition, die Nacht erhellenden Explosionen und einigen spektakulären Aufnahmen des angreifenden Hubschraubers sich vor größeren Kinoproduktionen nicht zu verstecken braucht.
Der letzte Einsatz, eine erneute Angriffswelle, die aber schon im Dschungel aufgehalten werden soll, steigert dann lediglich nur alles noch einmal an Masse, was „Platoon Leader“ vorweg schon zeigt und geizt erneut nicht mit Pyrotechnik, blutigen Shootouts, einem hohen Bodycount und schicken Zeitlupen.


Fazit:
Der unoriginelle „Platoon Leader“ mag ein relativ unbekanntes Cannon-Relikt sein, was wohl auch daran liegt, dass bisher kein DVD-Release in Sicht ist.
Dem Film fehlt ganzoffensichtlich eine richtige Story, denn die ständigen Ausflüge in den Dschungel sind ja schön und gut, aber der ziellosen Handlung mangelt es an einer richtigen Struktur,
Aaron Norris macht wie gewöhnlich das aus seinen Möglichkeiten und überzeugt mit einer atmosphärischen Inszenierung, harter wie soweit spektakulärer Action und viel Kurzweil, die ihren Höhepunkt in dem nächtlichen Angriff auf den Außenposten findet. Die vielen Klischees, angefangen bei pathetischen Dialogen und Sterbemomenten, oberflächlichen Stereotypen und eine gewissen Heldenverehrung gehören dabei genauso dazu, wie eine großzügige Portion Patriotismus. Für die leise Kritik kann sich der Film ohnehin nichts kaufen. Wo Cannon draufsteht, ist eben auch Cannon drin.

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