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"Die Bande des Schreckens" hat gleich zwei kleine Premieren zu bieten, denn der Stuttgarter Joachim Fuchsberger (Hotel der toten Gäste, Ich Dr. Fu Man Chu) ist hier zum ersten Mal in seiner Paraderolle als Inspektor zu sehen (hierher stammt auch sein Spitzname Blacky) und auch die hübsche Karin Dor (Man lebt nur zweimal, Dracula jagt Frankenstein) hat ihren ersten Auftritt in einer Verfilmung der Edgar Wallace Romane. Sie war zu dieser Zeit die Ehefrau von Regisseur Harald Reinl (Botschaft der Götter, Ein toter Taucher nimmt kein Gold).
Und auch wenn der Film in und um London spielt, so war man hier nicht mal in der Nähe. Es gibt quasi die üblichen Stock Footage Einsätze, welche ein paar Einstellungen von London liefern, denn gedreht wurde in Hamburg und Schleswig Holstein. Dabei war Reinl hier zum ersten Mal bemüht, ein wenig Grusel mit einzubringen, was auch durch den Score unterstützt wird. Doch der Zahn der Zeit hat schon ein wenig genagt, weswegen man heute nur noch darüber schmunzeln kann. Was es leider abermals zu bemängeln gibt, sind die übertrieben wackelig vorbeigezogenen Kulissen beim Auto oder Boot fahren.

Aber man hat die Vorlage von Wallace gut umgesetzt, die Story lässt Platz für reichlich Spekulationen und ein munteres Rätsel raten.
Denn endlich ist es Inspektor Long (Joachim Fuchsberger) gelungen den Dieb und Fälscher Clay Shelton (Otto Collin) alias "Die Galgenhand" dingfest zu machen. Doch vor seiner Hinrichtung schört Shelton blutige Rache an allen, die an seiner Festnahme, Verurteilung und Hinrichtung beteiligt waren. Und tatsächlich geschehen kurz nach seinem Tod die ersten Morde und Long stellt sich die Frage, ob Shelton überhaupt tot ist.
Diese Frage stellt sich auch der Zuschauer, denn Shelton hat sich vor seiner Hinrichtung selbst mit Gift das Leben genommen und auch die Untersuchung seines Grabes unterstützt diese These. Und man kann hier wortwörtlich sagen, dass die Menschen wie die Fliegen sterben. Alle paar Minuten gibt es eine Leiche, dabei wird nicht nur Sheltons Todesliste abgearbeitet, sondern es werden auch Zeugen aus dem Weg geräumt. Besonders originell ist die Idee mit dem schießenden Telefonhörer. Und potentielle Verdächtige gibt es mal wieder genug, doch wie der Titel schon sagt, gibt es hier eine ganze Bande, deren Mitglieder man erstmal enttarnen muss.

Neben Longs Ermittlungen steht auch noch Nora Sanders (Karin Dor), die Sekretärin der reichen Mrs. Revelstoke (Elisabeth Flickenschildt) im Mittelpunkt, die gleich von mehreren Männern umgarnt wird und auch von der Bande des Schreckens bedroht wird. Und auch Inspektor Long selbst steht auf der Todesliste, hat etwa auch sein eigener Vater Lord Godley Long (Fritz Rasp) etwas damit zu tun?
Auch wenn sich einige Figuren verdächtig machen, so ist es teilweise schwierig auszumachen, wer dazu gehört. Besonders überraschend ist des Rätsels Lösung, betreffend das Oberhaupt der Bande. So bleibt dieser Krimi durchweg unterhaltsam und für den nötigen Humor am Rande sorgt erneut Eddi Arent (Lady Dracula, Hilfe, die Verwandten kommen), der als eigentlicher Tierfotograf keine Leichen sehen kann und immer in Ohnmacht fällt.
Ein absoluter Höhepunkt ist das actionreiche Finale mit einer bodenlosen Gemeinheit. Hier geht es für damalige Verhältnisse wirklich zur Sache, es wird gekämpft, verfolgt und geschossen. Und Joachim Fuchsberger war für viele die beste Verkörperung des Inspektors in diesen Verfilmungen. Er und Dor geben auch ein tolles Paar ab.

Dieser Gruselkrimi ist schon in die Jahre gekommen, bietet aber immer noch tolle und nostalgische Unterhaltung. Die Story wurde gut umgesetzt inklusive finaler Überraschung, nebst actionreichem Showdown. Reinl war hier um eine Gruselatmosphäre bemüht, musikalisch ist das Werk auch erste Sahne und die Darsteller hatten sichtlich ihren Spass.

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