„Du bist entweder für uns oder du bist gegen uns!“
So einfach gestalten sich die Regeln für einen blinden Passagier, der nach und nach einige Geheimnisse während einer Fahrt auf einem rostigen Kahn entschlüsselt.
Dabei kann das kammerspielartige Treiben auf und unter Deck durchaus Suspense erzeugen, doch diverse mystische Andeutungen verlaufen im Sande, während einige Handlungselemente distanziert und unnahbar eingebunden werden, - wie die Figurenzeichnungen sämtlicher Protagonisten.
Dabei ist es doch Daniel Brühl, der in der Rolle des Chris im Mittelpunkt der Handlung steht und als deutscher Tourist in Afrika und mit einigem Ärger am Hals (Keinen Ausweis, kein Geld und auf der Flucht vor der Polizei) möglichst schnell Richtung Heimat schippern will.
So stielt er sich an Bord eines alten Schiffes auf dem Weg nach Marseille, doch nachdem er entdeckt wurde, versucht nicht nur der Kapitän (Peter Mullan) düstere Geheimnisse zu verbergen, denn auch im Frachtraum bei den Vogelkäfigen scheint Mysteriöses vor sich zu gehen…
Wer hier übernatürliche Phänomene erwartet, wird gewiss ein wenig enttäuscht werden, auch wenn andeutungsweise eine mystische Note über dem Geschehen liegt und nicht alle Ereignisse an Bord sogleich auf einen rationalen Hintergrund schließen lassen.
Der Kapitän erscheint mit seiner fast lauernden Ruhe von Beginn an zwiespältig, der Koch Baptist, dem Chris zugeteilt wird, macht nur warnende Andeutungen und schweigt über Vorgänge an Bord, während unter Deck im Laderaum polternde Geräusche zu vernehmen sind, die Chris immer mal wieder auf Entdeckungstour schicken.
So wird er im Versteck Zeuge, wie zwei Personen einfach über Bord geworfen werden, beobachtet ein Crewmitglied, wie es nackt auf den Aussichtsmast klettert und wirres Zeug von sich gibt und entdeckt in einer Schublade äußerst morbide Zeichnungen.
Einige Zeit kann das merkwürdige Verhalten der Mannschaft bei Laune halten, ausstrahlender Psycho-Horror zeigt weitestgehend eine stimmungsvolle Wirkung, doch am Ende kommen Elemente eines Dramas verstärkt zum Vorschein und verwässern die bis dato stringente Erzählung ein wenig. Kriminalistische Aspekte, sowie sozialkritische Anwandlungen werden enttäuschend oberflächlich abgehandelt und so erfährt das Fragezeichen hinter den Ereignissen in Kajüte 9 lediglich in einem Nebensatz eine vage Antwort, das geheimnisvolle Verschwinden einiger Mannschafts-Mitglieder bleibt indes völlig im Dunkeln und auch wenn eine Unterwasserszene zum Finale kurzfristig Nervenkitzel auslöst, so mutet der Ausgang doch ein wenig enttäuschend an.
Den grundsoliden Darstellern mag man infolgedessen keineswegs Vorwürfe machen. Daniel Brühl zeigt, dass man auch mit wenigen emotionalen Szenen insgesamt gut dastehen kann, während Peter Mullan als Kapitän vom Drehbuch schlicht die besseren Szenen erhält und den deutschen Mimen entsprechend die Show stiehlt. Die übrigen performen zumindest authentisch, soweit an Bord ein rauer Ton aufkommt, auch zeitweise richtig gut.
Schlecht ist der Gesamteindruck also keineswegs, man hält sich zu keiner Zeit mit unnötigen Längen auf, schürt zumindest zu Begin eine geheimnisvolle Atmosphäre und punktet mit einer gelungenen Soundkulisse.
Nur fehlt der Handlung gegen Ende der notwendige Kniff, wie auch die Tiefe, um aufgeworfene Fragen zufrieden stellend beantworten zu können.
Aufgrund dieser etwas unausgegorenen Mischung in der zweiten Hälfte leider nur knapp überdurchschnittlich.
6 von 10