Ein junger Deutscher verliert in Afrika Geld und Papiere. Also schmuggelt er sich als blinder Passagier auf ein Frachtschiff Richtung Marseille. Ein Fehler: Es dauert nicht lange, bis er entdeckt wird und für die Weiterreise mitarbeiten muss. Und je besser er die Crew kennen lernt, desto deutlicher wird, dass diese ein düsteres Geheimnis bewahrt.
Der spanisch-britische Thriller bietet mit internationaler Besetzung, bedrohlicher Atmosphäre und einer spannenden Story gelungene Unterhaltung, auch wenn er insgesamt gerne etwas stringenter hätte ausfallen dürfen. Dafür stellt die begrenzte Kulisse des heruntergekommenen Frachters einen guten Hintergrund für die immer weiter eskalierende Handlung dar, die sich mitunter auch bei typischen Versatzstücken des Mystery-Thrillers bedient.
So wird der Zuschauer eine ganze Weile im Unklaren darüber gelassen, in welche Richtung sich die Story nun genau weiter entwickeln wird. Seltsame Andeutungen der Schiffscrew und gruselige Erlebnisse im Frachtraum lassen an eine Geistergeschichte glauben, während andere Sequenzen wiederum die Brutalität und Erbarmungslosigkeit der rauen Matrosen unterstreichen. Erst gegen Ende wird deutlicher, worum es sich hier im Kern handelt - eine düstere Geschichte von Schuld und Sühne, der Frage nach dem Ausgleich zwischen Gewissen und dem Drang zum eigenen Überleben, und der Hoffnung auf Erlösung.
Das alles wird in einfachen Bildern von einer unaufgeregten Kamera eingefangen, ohne visuelle Experimente dargeboten und geradlinig erzählt. Die Farbdramaturgie pendelt gekonnt zwischen hellen Aufnahmen an Deck und der dunklen, in künstliches Licht getauchten Umgebung im Inneren des Schiffes. So wird auch deutlich, in welch trostloser, kalter Umgebung die Männer lange Zeit verbringen - ein Indikator dafür, warum sie so sind, wie sie sind.
Mehr oder weniger das Zentrum der Handlung bildet das Psycho-Duell zwischen Daniel Brühl als gutgläubigem Deutschen und Peter Mullan als abgebrühtem Kapitän, der zu allem bereit ist, um das Schiff und die Mannschaft zu beschützen. Speziell Mullan verleiht seiner Figur dabei ein gehöriges Stück Tiefgang - mit ausgefeilter Mimik schafft er es, unter der brutalen Fassade immer wieder die Verletzlichkeit und den Schmerz hervor schimmern zu lassen, den er mit sich herumträgt. Dagegen bleibt Brühl durchgehend eine Spur zu eintönig - selbst in Momenten höchster Anspannung wirkt sein Spiel nicht so intensiv, dass man seinem Charakter wirklich die Angst oder den Abscheu abnimmt. Und der Rest der Crew prägt sich eher durch beeindruckende physische Präsenz ein, was durchaus zur grobschlächtigen Psyche der Männer passt.
So vermag "Cargo" dank seiner interessanten Figuren und der spannenden Geschichte, die viele Andeutungen macht und einiges offen lässt, lange Zeit zu fesseln. Erst zum Finale kommt die Handlung dann etwas ins Schlingern - zu klischeehaft und vor allem pathetisch erfolgt die emotionale Kehrtwende der Beteiligten, zu einfach scheint die Lösung am Ende zu sein, auch wenn ein Hauch Tragik hindurch weht. Kleine Schwächen in den Details trüben auch vorher schon immer wieder das Gesamtbild, sodass der Film am Ende ein kurzweiliges, spannendes Stück Unterhaltung bleibt, das aber deutlich weniger Tiefgang besitzt, als es gern vorgeben möchte. Für eingefleischte Genre-Fans gibt es hier nur bedingt Neues zu entdecken.