Review

Werner (Bernd Tauber) beginnt seine Ausbildung in der familiär geführten Bäckerei von Meister Baum (Günter Lamprecht) und seiner Frau (Maria Lucca). Während Werners Verhältnis mit der Verkäuferin Gisela (Silvia Reize) fast in einer Katastrophe endet, kämpft Baum gegen die Konkurrenz des neuen Supermarkts. Lange wehrt er sich gegen die Automatisierung seiner Backstube…

Als Verkäuferin Gisela den jungen Mann am ersten Tag fragt, warum er denn eine Ausbildung zum Bäcker mache, antwortet Werner, „ich esse gern gutes Brot“. Und genau darum geht es hier. Während Regisseur Erwin Keusch vordergründig die Erlebnisse und Liebeleien des jungen Mannes während und nach der Ausbildung zeigt, vermittelt er tatsächlich die Geschichte vom Niedergang des klassischen Handwerks am Beispiel eines Familienbetriebs, der den Kampf gegen das Großkapital nicht gewinnen kann (Aktionspreis des Supermarkts: 10 Schrippen 13 Pfennig!). Zu Beginn gibt uns der Regisseur Einblicke in das Handwerk, welches er selbst einst gelernt hat, und zeigt, wie wirklich „gutes Brot“ entsteht. Doch dieses hat seinen Preis, den bald die wenigsten zu zahlen bereit sind. Als sich Meister Baum entschließt neue Maschinen anzuschaffen, wie z.B. eine „Brötchenstraße“, ist es längst zu spät. Werner steht als frischgebackener Geselle mittlerweile an der Teigknetanlage eines Großbetriebs. Seine Ausbildung ist hier kaum gefragt, trotzdem bietet ihm der Firmeninhaber eine Ausbildung zum Bäckermeister an, bevor er ein Loblied auf den Mittelstand singt. 40 Jahre nach Uraufführung des Films bei den Hofer Filmtagen 1976 wäre eine Fortsetzung über den Untergang des Mittelstands in Deutschland fällig…
Erwin Keusch (geb. 1946 in Zürich) arbeitet später fast ausschließlich für das deutsche Fernsehen („Der Fahnder“ (5 Folgen), „Tatort“ (2), „Familie Dr. Kleist“ (9)), die Inszenierung seines Filmdebüts in der beschaulichen fränkischen Kleinstadt Hersbruck wirkt heute einen kleinen wenig altbacken, sein Botschaft manchmal plakativ. Nichtsdestotrotz erhält Keusch für „Das Brot des Bäckers“ den deutschen Filmpreis, das „Filmband in Silber“, sein Hauptdarsteller Bernd Tauber („Das Boot“ 1981, „Bumerang Bumerang“ 1989) sogar das Filmband in Gold. Und die ehrwürdige Financial Times schreibt, „Was Moby Dick für den Walfang ist, ist dieser Film fürs Brotbacken“. (7,5/10)

Details
Ähnliche Filme