Bei einem 60er-Jahre-B-Film, der ausgerechnet mit einem deutschen Titel wie Blumen des Schreckens den Zuschauer vor die Flimmerkiste locken will, gestaltet sich das bei vielen sicherlich schwierig. Fakt ist allerdings, dass einem dann einiges entgeht. Und das nicht nur dem Trash-Fan. Denn Blumen des Schreckens ist weitaus besser als man zunächst vielleicht annehmen würde.
Ein Meteoritenschauer, der eines Nachts an der Erde vorbeiregnet, lässt eine bestimmte fleischfressende und giftige Pflanzenart mutieren, die nicht nur in kürzester Zeit Menschengröße erreicht und sich rasend schnell vermehrt, sondern sich auch noch selbst entwurzeln und sich gewissermaßen unbeholfen durchs Bild rollend (wenig brutal) durch Europa meucheln kann. Für den besonderen Kick, der nicht nur was für Trash-Fans ist und auch in den Szenen ohne Monster durchaus zu fesseln vermag, sorgt die Tatsache, dass durch diesen Meteoritenschauer auch noch fast die gesamte Menschheit erblindet ist und somit das perfekte Chaos vorprogrammiert ist. Nur wer das Naturspektakel im Dunkeln bzw. geschlossenen Augen verbracht hat, kann noch sehen. Zu diesen wenigen, die sich schnell als die Helden herauskristallisieren, gehören ein Seemann und ein kleines Mädchen, eine Frau, die eigentlich allen Blinden helfen möchte und ein abseits auf einem einsamen Leuchtturm wohnendes Meeresbiologenpärchen, das sich selbst auf seinem winzigen felsigen Inselchen mit den Monstern konfrontiert sehen muss. Während das abgeschiedene Pärchen auf dem Leuchtturm die meiste Zeit allerdings nur mit zwischenmenschlichen Problemen zu kämpfen hat und nebenbei verbissen nach einer wirksamen Waffe für die mutierten Pflanzen sucht, schlagen sich die anderen von England über Frankreich nach Spanien durch, bis sie herausfinden, dass sich die bösen Blumen von Geräuschen anlocken lassen.
Mit ca. 90 Minuten Spiellänge konzentriert sich Blumen des Schreckens erfreulicherweise aufs Wesentliche. Den Trash-Fan freut's, denn die großen mutierten Pflanzen, die geradewegs der Toho'schen Godzilla-Schmiede entsprungen sein könnten, und ständig mal klapperig durchs Bild gerollt werden, sogar mit Nahkämpfen aufwarten und wie eine riesige Armee hinter einem eilig gezogenen Maschendrahtzaun auf den jüngsten Tag zu warten scheinen, sind ein Augenschmaus und bieten definitiv die unterhaltsamsten Szenen. Wenn dazu auch noch jede Frau wehrlos mit einem gellenden Urschrei um Hilfe ruft, nachdem sie ewig lange schweigend das anrollende Ungetüm betrachtet hat, bleibt es ebenso spaßig. Dass sich die bösen Blumen mit der Musik aus einem Eiswagen weglocken lassen und sich ausgerechnet im Meerwasser auflösen (während ihnen aber eine Salzsäurelösung nichts anhaben kann), ist zwar arg an den Haaren herbeigezogen, dient aber wieder einmal dem Unterhaltungswert.
Trotz leicht angestaubter Inszenierung, die mit schlechten Effekten und einem Tick zu langen Einstellungen sowie teilweise schlechten Schnitten aufwartet, und zudem mit hölzernen bis pathetischen Dialogen an Filmchen wie Die Zwillinge vom Immenhof erinnern kann, bleibt Blumen des Schreckens überaus unterhaltsam. Denn auch die Geschichte rund um die erblindete Bevölkerung weiß meist zu überzeugen. Vor allem der Seemann, dessen Mütze fast den ganzen Film über auf seinem Kopf verweilt, und das kleine Mädchen, das hier kaum mit klugscheißernder Pseudo-Coolness nervt, aber genauso wenig das verängstigte kleine Ding ist, das ständig gerettet werden müsste, bilden ein perfektes Team, während man das Pärchen im Leuchtturm im Grunde hätte weglassen können.
Trotz einiger Mankos, die sich dank beengtem Budget wohl nicht vermeiden ließen, bleibt Blumen des Schreckens fast immer fesselnd, was sicherlich auch an der stimmig inszenierten Gesamtatmosphäre liegen mag. Woraus man heute in Hollywood ein mit Spezialeffekten überladenes Science Fiction-Spektakel jenseits der Zweistunden-Grenze gemacht hätte, um genug Zeit für Zerstörungsorgien und Pseudo-Einblicke in diverse Menschenseelen zu bieten, ist in dem alten B-Film aus Großbritannien weitaus beschaulicher geraten, wobei man aus beschränkten Mitteln trotzdem das Bestmögliche herausgeholt hat. Somit ist Blumen des Schreckens sehenswert und weitaus besser und sogar ernsthafter als man bei einem Titel wie diesem vermutet hätte.