Das Unglück kommt oft unverhofft: Nur in der Kneipe ein paar Bierchen mehr getrunken, die einzige Frau abgeschleppt und schon ist man plötzlich verheiratet – mit allen Pflichten und Sorgen. Doch das Übel kommt noch härter, denn natürlich ist der Nachwuchs durch häufige Paarung schon auf dem Weg. Und jetzt wird es erst richtig stressig: Das Kind muss ständig versorgt, gefüttert und erzogen werden. Kaum hat man das einigermaßen im Griff, ist schon das nächste Kind unterwegs. Und der Nachwuchs ist alles andere als pflegeleicht, häufig faul, hungrig und aggressiv. Da hilft nur, mit besonders harter Hand durchgreifen.
Einen Film wie den Familienradgeber hätte man aus dem Hause Ittenbach wohl eher weniger erwartet, denn hier verläßt er sich (fast) nicht auf seine gewohnten Tugenden, sondern geht voll in den Bereich Humor hinein und präsentiert hier eine pädagogische Abhandlung, die man dringend befolgen sollte, wenn man den eigenen Nachwuchs auf Postern mit der Überschrift "wanted, dead or alive" sehen möchte.
Das Prinzip ist relativ einfach. Man nehme alles was die gängige Lehrmeinung zum Thema Erziehung empfiehlt, verkehre sie ins Gegenteil und ziehe alles genüßlich durch den Kakao. Was ich aber vorher selbst nicht glauben wollte, das Ganze funktioniert gar nicht mal so übel.
Eines will ich aber immer noch nicht verstehen. Wer bitte hat eigentlich befohlen, das generell in jeder Parodie ausgiebig der Fäkalität hemmungslos gefrönt wird. Hier wird gekotzt, gefurzt, gerülpst und munter mehrfach Exkremente zum Verzehr mißbraucht, bin ich denn der einzige der das alles andere als witzig findet? Naja, wer kein Problem damit hat, das süße Limo zum Kariesschutz der Kinder mit Harn in die PH-Neutralität getrieben wird, hat hier jedenfalls seine Freude.
Ansonsten wird aber alles auf die Schippe genommen, was ansonsten Familien und Kindern heilig ist. Die Eltern kloppen sich wie die Kesselflicker und sind ständig beim japanischen Eheberater, der aber nur unverständliche asiatische Weisheiten von sich gibt (ein guter Gag nur leider vom dritten bis sechsten Mal doch deutlich überstrapaziert), die Kinder werden unkonventionell erzogen und mit Freude werden die übelsten Bestrafungen zelebriert, aber natürlich alles im Sinne der Wohlerziehung der Kleinen.
Kinderhasser jedenfalls werden an diesem Radgeber ihre helle Freude haben. Sohn und Tochter werden regelmäßig verprügelt, elektrifiziert, zerstückelt und als die unmusikalische Tochter die Flöte durch den Schädel getrieben bekommt, wird dies wohl vielen geplagten Eltern aus der Seele sprechen. Als Benimmfibel natürlich hochgradig unbrauchbar, mit Handkamera günstig gewerkelt und Prinzipiell reichlich hohl kommt der Film daher, aber verdammt, er ist auch stellenweise wirklich lustig.
6/10