Review

Ein bisschen Spaß muss sein


Olaf Ittenbach ist bekannt für seine video-ästhetischen Splatterorgien mit viel seltsamer, oft auch unfreiwilliger Komik, aber unendlich mehr Innereien und Bösartigkeiten. Er ist der deutsche Gorepabst und so etwas wie der Peter Jackson aus Bayern - nur ohne es je in den Mainstream oder die Kinoannalen geschweige denn nach Hollywood zu schaffen. Eine kleine Legende und in gewisser Hinsicht ein leidenschaftlicher Meister seines Fachs ist er dennoch beinahe unumstritten. Man muss ihm als deutscher „Bluthund“ definitiv dankbar sein und weite Teile seines Oeuvres sind schlicht Pflichtteile. Allein um mitreden zu können, allein um sich selbst ein Bild gemacht zu haben. Selbst wenn man frustriert oder angewidert oder enttäuscht mit dem Kopf schütten sollte. Er IST nahezu deutscher Splatter und gerade seine ersten drei Titel („Black Past“, „The Burning“ und „Premutos“) sind schlicht legendär, unerreicht, gehören fast schon international endlich mal rehabilitiert bzw. auf Blu-Ray veröffentlicht. Von Arrow und Konsorten. Selbst wenn man bei dem oft auf Video gedrehten Material wohl bildtechnisch schon auf DVD am Limit angekommen zu sein scheint. Dennoch hätte diese inoffizielle Trilogie es verdient. Sie ist ganz großer Untergrundhorror. 

2006 ging er mit seinem „Familienradgeber“ allerdings andere, weitaus humorvollere Wege. Hier schnippelte er über Jahre gedrehte Heimvideos und nachgedrehte Splattereinlagen zu einer bizarren Mischung aus „Staplerfahrer Klaus“ und einem Jahresabo der Hörzu. Hier beweist er enormen Mut, enormen Humor und enormes Augenzwinkern. Und nicht nur er - seine ganze Familie zeigt, dass sie auf seiner einzigartigen Wellenlänge entlangsaftete. Von der bezaubernden Ehefrau über die zwei witzigen Kinder bis zu den Familientieren. Von Klischees über Vorurteile bis hin zu vielleicht sogar etwas wehtuenden Wahrheiten. Von links bis rechts. Von bieder bis penetrant. Von der Hochzeitsreise in „Norwegen“ bis zur Entbindung im eigenen Badezimmer. Hier muss alles und jeder dran glauben. Und das ist gut so, das macht Spaß. Klar ist das eher naiv und süß als wirklich intelligent oder kreativ. Pipi-Kacka-Humor nimmt viel Platz ein, mit einer Stunde wird fast schon vorzeitig abgebrochen und zeitstehlende Snippets wie die des asiatischen Paartherapeuten finde ich maximal unlustig. Aber die meiste Zeit musste ich staunen, welche Einblicke und auf links gedrehte Ratschläge es hier in und aus Olafs Familienleben gibt. Ein amüsanter und höchst liebenswerter Querschläger in seiner Filmographie. Teil 2 habe ich bis heute leider noch nicht gesehen. Ich war aber immer sehr neugierig drauf... 

Fazit: Ittenbach‘sche Ehesatire zwischen Privataufnahmen, Igitt und schwarzem Zwinkern. Hier beweist Olafs gesamte Familie sehr viel Humor. Und überraschend tiefe Einblicke. Sehr schön. Sehr naiv. Nicht immer super witzig - aber durchgehend sympathisch und knackig. Und überraschend treffend. 

Details