Wer dieses Videoband sieht, wird sterben. – „The Ring“.
Wer dieses Videospiel spielt, wird sterben. – „Stay Alive“.
Nette Variation allerdings, das todbringende Medium in die interaktive Welt eines Action Adventures zu versetzen, das macht stellenweise Lust, sich selbst mal wieder an die Konsole zu begeben.
Der Rest bietet neben dem Eintauchen in eine virtuelle Grusellandschaft jedoch nur den handelsüblichen Teenie-Slasher mit vorhersehbarem Ablauf.
„Stay Alive“ heißt der neue Ego-Shooter, den ein Videospieljunkie soeben in der Beta Version durchspielt. Virtuell endet seine Mission am Galgen, doch kurz danach endet er auch in der Realität an einem solchen.
Gamer Hutch, der mit dem Verstorbenen befreundet war, fällt dieses Spiel in die Hände, man testet es im Freundeskreis und schon bald sind mysteriöse Todesfälle zu beklagen.
Werden die Zocker es rechtzeitig schaffen und den Fluch der lebendig gewordenen Blutgräfin abwenden, bevor diese alle erwischen kann?
Okay, das ist die obligatorische Frage, die man aber schon im Vorfeld beantworten kann. Es dürften mindestens zwei Überlebende sein, Held und eine Frau, welche natürlich im Finale aus einer tödlichen Situation befreit werden muss. Soviel in Sachen Innovation.
Was aber zu Beginn recht gut gelingt, ist die Verknüpfung zwischen virtueller Welt und Realität. Es macht schlichtweg Freude, sich eine Weile mit den Spielfiguren durch eine düstere Landschaft zu bewegen, in der hinter jeder Ecke der Tod lauern kann und das zumeist aus der Ego-Perspektive. Die Grafik ist okay, die Figuren bewegen sich flüssig und die Atmosphäre ist stimmig.
Wenn anschließend der Arbeitgeber des Helden, der online mitgezockt hat, im leerstehenden Büro das Zeitliche segnet, lässt die bedrohliche Stimmung zwar etwas nach, bietet aber noch ein paar Spannungsmomente, die im Verlauf jedoch ein wenig unter der vorhersehbaren Story leiden.
Schnell wird klar: Wer im Spiel stirbt, wird auch im realen Leben den gleichen Tod finden und schuld daran ist die Beschwörungsformel für einen dämonischen Geist, die die Teilnehmer zu Beginn des Spiels via Voice-Control gemeinschaftlich vorgelesen haben.
Leider bringen die Todesarten wenig Futter für den Gorehound, es fließt nahezu gar kein Blut und das CGI-Überfahren per Pferdekutsche ist gar völlig misslungen, aber immerhin ist das Tempo kontinuierlich angemessen hoch.
Lediglich gegen Ende wurde etwas zuviel in die Geschichte gepackt, da wird die Legende der Serienmörderin Gräfin Bathory bemüht, die wie Dracula vernichtet werden soll und ein Spieler kann dem Helden tatsächlich Daten aus dem Spiel in die deckungsgleiche Landschaft der Realität übertragen.
Aber aus welchem Grund dieses Spiel entwickelt wurde und warum zunächst Leute nur sterben, wenn sie auch spielen, sich das Spiel anschließend aber verselbstständigt, - muss man alles als gegeben hinnehmen.
Worunter der Streifen zudem ein wenig leidet, sind die durchweg schwachen Darsteller, von denen keiner markant erscheint und sich niemand durch darstellerisches Talent hervortut.
Immerhin ist die Synchro erstaunlich professionell und der Score untermalt durchweg passend das Geschehen.
Auch handwerklich ist das solide Kost, die Kamera bringt annehmbare Ergebnisse und sogar eine gut platzierte Einstellung aus der Vogelperspektive nach einem Unfall, in der die Ereignisse Fast Forward ablaufen.
Ferner sorgen ein paar Blaufilter für eine düstere Stimmung, nur mit dem Einbringen ständiger Gewitter übertreibt man es stellenweise.
Ansonsten ist „Stay alive“ ein ganz netter Film, der zwar wenig eigene Ideen bringt, mit ein paar virtuellen Landschaften, ausgesparten Erotikszenen und dafür mehr Tempo im Finale, ein ansehnliches Ergebnis liefert.
6 von 10