Review

Horrorgames können tödlich sein 

Computerspielverfilmungen („Resident Evil“, „Doom“, „Silent Hill“ etc.) zählen anno 2007 bekannter Weise schon zum guten Ton und werden dem geneigten Betrachter mit angenehmer Regelmäßigkeit auf der zumeist blutigen Leinwand präsentiert.
„Stay Alive“ ist jedoch keine Verfilmung eines bekannten Horrorgames, sondern ein Horrorfilm, in dem ein Undergroundhorrorspiel und ein verhängnisvoller, mit dem Spiel verbundener, Fluch die Hauptrolle spielen.  

Ein passionierter Computerspieler und Spieletester (Milo Ventimiglia) wird von der Polizei grausam ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Sein bester Freund aus Kindertagen Hutch (John Foster) findet unter seinen Sachen ein Undergroundspiel mit dem Namen Stay Alive und kommt nicht umhin es mit einigen Freunden (unter anderem Frankie Muniz) und seiner bildhübschen Freundin (Sophia Bush) zu testen. Das Spiel beginnt viel versprechend mythisch, gruslig und brutal, birgt aber auch ein schreckliches Geheimnis. Als der Vorgesetzte von Hutch (Adam Goldberg), der auch an der nächtlichen Session teilgenommen hat, auf dieselbe Weise stirbt wie sein Alterego im Spiel, kommen Hutch und seine Freunde dem Geheimnis das hinter dem Spiel steckt gefährlich nahe. 

Nach dem innovativen und brutalen Start und einem durchwegs noch soliden Mittelteil, wird der Film zum Ende hin immer schwächer, bietet nur noch durchschnittliche Hauntedcastle- und Slasherszenen und versinkt mit dem Schlusstwist leider nahezu in Belanglosigkeit.
Auch das erzwungene Happy End stellt nur jene Personen zufrieden die auf blond, durchschnittlich und brav und nicht auf schwarzhaarig, schön und wild abfahren. 
Die Augenzwinkernde Anspielung nach dem eigentlichen Ende überzeugt dann jedoch wieder auf der ganzen Linie.

Regie bei dieser Teeniehorroractionfarce führt William Brent Bell, der in diversen Filmdatenbanken bisher lediglich einen Eintrag als Regisseur („Sparkle und Charme“) vorzuweisen hatte. Da dieser aber schon 10 Jahre zurück liegt und in eine völlig andere Richtung geht, stellt „Stay Alive“ quasi Brent Bells Erstlingswerk dar und ist von dieser Warte aus gesehen auch tadellos gelungen.
Innovative Idee, trifft Splatterszenen, halbwegs akzeptable Darsteller und ein angenehmes Nichts an Handlung.

Für seine nächste Regiearbeit würde ich Bell aber ein besseres Drehbuch (mit jenem von „Stay Alive“ hat er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert) und mehr Konsequenz empfehlen.
„Stay Alive“ flacht nämlich, wie gesagt, nach furiosem Beginn deutlich ab und als Horrorfan wird einem schmerzlich bewusst, dass man aus der Grundstory noch deutlich mehr hätte machen können bzw. müssen.  

Das ändert jedoch rein gar nichts daran, dass der Streifen gute Unterhaltung, etwas Spannung, eine innovative Idee und solide Todesszenen bietet und sich angenehm von anderen Teeniehorrorfilmchen, die es sonst zu zweifelhaften DVD-premieren in unseren Breiten schaffen abhebt.
Somit empfiehlt sich der Regisseur für weitere Filme dieses Genres. 

Beim Casting entschied man sich augenscheinlich für die beliebte Mischung aus einerseits mittelmäßig bekannten unter 25jährigen (als Hauptcharaktere) und andererseits einigen B-Movie und TV erfahrenen Oldies (als Beiwerk), um den jungen Zuschauermarkt perfekt zu befriedigen.  

Sophia Bush ist wie schon im „Hitcher“ Remake hübsch anzusehen und schlagfertig und somit das perfekte love interest für einen Teeniehorrorstreifen. Ihre Darbietung in „Stay Alive“ ist auch die mit Abstand Beste und glaubhaftesten (wenn es so etwas wie Glaubhaftigkeit in solch einem Film überhaupt gibt) und deswegen ist es auch doppelt schade, dass der Regisseur den Fehler begeht sie sang und klanglos sterben zu lassen, um dem Helden ein extrem farbloses Blondchen an die Seite stellen zu können.
Frankie Muniz („Agent Cody Banks“, „Malcolm in the Middle“) ist in einer Nebenrolle als Computerfreak, in der er weit weniger nervt als ich befürchtet hatte und sogar einige nerdig verschrobene Auftritte hat, zu sehen.
Adam Goldberg ("Deja vu", "Zodiac") und Wendell Pierce [seit den 80er immer wieder einmal in einer Nebenrolle zu sehen ("Sleepers", "Hackers", "Ray")] sind gut besetzt und Milo Ventimigli ("Gilmore Girls", "Rocky Balboa") ist mir weder negativ noch positiv in Erinnerung geblieben.
Samaire Armstrong („The O.C.“) spielt das arme verlassene Blondchen, das dem Hauptdarsteller schöne Augen macht, mit der Hingabe eines Topflappens und dem Charisma einer heißen Kartoffel und ist mir als einzige negativ aufgefallen.
Sehr interessant fand ich den Gastauftritt von James Haven Voight, seines Zeichens Bruder von Angelina Jolie. 

Einige positive Resonanzen am Ende:
Die Videospielsequenzen sind eher mies umgesetzt, haben aber irgendwie gerade deswegen einen gewissen Spielecharme, da sie fast originalgetreu nach Playstation 2 Animationen aussehen.
Die Sexszene mit der Schweinemaske zu Beginn entbehrt nicht einer gewissen Komik und die Todesszenen sind wirklich ordentlich anzusehen und in Verbindung mit dem Spiel auch sehr einfallsreich. Unter anderem werden eine Nagelpistole, Ketten und Interessantes Zahnarztwerkzeug zweckentfremdet.
Die Idee dem Spiel so viel Macht zu geben, dass es von selbst wieder zu spielen beginnt, um seine Opfer auch wirklich töten zu können ist auch überdurchschnittlich einfallsreich. 

Fazit:
Eine innovative Idee, ein routinierter Beginn, Sophia Bush und ein solider Bodycount stehen miesen Dialogen (man sollte Horrorfilmdarstellern so und so verbieten zu sprechen), unzähligen Klischees und einem müden Ende gegenüber.
Nach dem Beginn rund um das Spiel und die Morde hätte ich mir sogar etwas mehr on "Stay Alive" erwartet. 

Nachsatz:
Ich bin sehr froh, dass es, im Gegensatz zu Amerika, die unrated Edition auf Anhieb in unsere Videotheken geschafft hat, da die dortige Kinoversion lediglich eine beschnittene Version war. Diese hat dem Film trotz verhältnismäßig positiver Kritiken extrem geschadet, weil man sowohl Handlungs- als auch Brutalitäts- und sogar Dialogschnitte vollführt hat.
Sexuelle Anspielungen und das Wort Fuck dürfen natürlich bei einem PG 13 rating nicht von unbescholtenen amerikanischen Kinderohren gehört werden.

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