Phantom Kommando
John Matrix (Arnold Schwarzenegger), ehemaliges Mitglied bei der Militärspezialeinheit „Silver Stars", lebt mit seiner kleinen Tochter zurückgezogen in einem Haus in den Bergen. Am liebsten möchte er seine Militär-Vergangenheit vergessen, aber da werden seine ehemaligen Kollegen reihenweise umgebracht. Matrix kann, bevor auch er dran gewesen wäre, gewarnt werden, kurz darauf schlagen die Verbrecher auch schon zu. Glücklicherweise kann Matrix sie riechen und sich in Sicherheit vor dem Kugelhagel bringen, allerdings entführen die Verbrecher seine Tochter. Um sie zurückzubekommen, muss Matrix den Präsidenten einer südamerikanischen Republik töten, damit der von Matrix gestürzte Diktator auf dessen Thron Platz nehmen kann; doch Matrix kann sich mehr oder weniger unbemerkt aus den Fängen der Verbrecher befreien und hat nun 11 Stunden Zeit, seine Tochter zurückzuholen...
Hier wird's krude, wie man schon an der Inhaltsangabe feststellen kann. Zu Beginn darf Arnie mit seiner Tochter auch ein wenig heile Welt spielen, welche schon zu heil ist und darin gipfelt, dass Arnie und seine Tochter ein Reh füttern. Die Story ist sicher nicht besonders innovativ, muss sie aber auch nicht sein, nach 5 Minuten ist bereits klar, wie der Film ausgeht, wer wen rettet und wer natürlich überlebt, dennoch, die Story ist gut genug, um die knappen 90 Minuten Film gut auszufüllen, aber eine besonders tolle Story darf man von solchen Filmen sowieso nicht erwarten. Die Dialoge sind strunzdoof und unfreiwillig komisch, aber eben auch sehr 80er-mäßig. Spannung kommt nicht besonders oft auf, sie reicht aber, um den Film durchweg oben zu halten. Eine fragwürdige, dennoch wichtige Rolle spielt Rae Dawn Chong, sie spielt eine Stewardess und läuft Arnie zufällig über den Weg, er bedroht sie, klaut ihr Auto, erst verrät sie ihn, dann hält sie wieder zu ihm, also ein doch ziemlich sich selbst in Frage stellender Charakter, der aber doch sympathisch rüberkommt.
Arnie hält den gesamten Film mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch,
Rae Dawn Chong darf lediglich ein wenig schreien, die Bäddies böse gucken bzw. möglichst kreativ sterben, schauspielerisch ist also nix los, aber wir sind hier schließlich in einem reinrassigen No-Brainer, in dem es auf die Schauspieler nun wirklich nicht ankommt. Arnie versprüht wieder seinen Charme, den eben z.B. Chuck Norris in ähnlichen Rollen einfach nie zustande brachte.
In solch einem Film geht's natürlich einzig und alleine um Action - und die ist gegeben! Zu Beginn gibt's ein bisschen Geballere, eine kleine Schiffsexplosion, daraufhin folgt eine kleinere Ballerei, die mit einigen netten Autostunts und mit der Explosion desselben endet, danach immer wieder kleinere Faustkämpfe, Ballereien und Explosionen, zum Showdown später mehr.
Ernst nehmen darf man den Film zu keiner Zeit, wie gesagt, No-Brainer, angefangen bei der Szene, in der Arnie die Bösen riechen konnte, ein gecrashtes Auto wieder aufstellt, und so weiter.
Was man neben den Leichen in „Commando" zählen kann, sind die vielen Filmfehler, welche hier so zahlreich vorhanden sind wie kaum in einem anderen Film, teilweise sind zudem sehr auffällig, einige Beispiele: Das Auto, welches in einer Szene ordentlich ramponiert ist, ist in der nächsten Szene wieder völlig heil, oder bei den Bodystunts am Ende sind ganz deutlich die Katapulte zu sehen, man könnte solche Szenen bis zum Exzess fortsetzen.
Das Beste an „Commando" ist für mich eindeutig das Ende, auch hier muss man die Erkenntnis zunächst ausschalten, dass Bäddies zielen können, und natürlich die begrenze Magazingröße, hier wird der Munitionsschlauch einige Male immer wieder länger statt kürzer, auch einer dieser Goofs, aber durch solche "Kleinigkeiten" sollte man sich nicht stören lassen. Arnie packt die Wummen aus und rudert mit extrem angepissten Blick zu der Insel, wo er gleich den "dritten Weltkrieg" veranstalten wird, schmiert sich dann Tarnfarbe in und ums Gesicht - und los geht's: Zuerst wird möglichst unauffällig mit Messer getötet, aber dann packt Arnie seinen Raketenwerfer aus und bläst einige Mauern und Autos weg, bevor er dann die kurz vor ihm platzierten Sprengsätze hochgehen lässt, was in einer imposanten Explosion endet; da fliegen ganze Häuser, ja eine ganze Siedlung in die Luft und es sieht absolut spitze aus. Anschließend beginnt Arnie zu roden - und damit meine ich Menschen, sein Bodycount beläuft sich auf die 90 in diesem Film, Highlight im Showdown sicher die Gartenhauszene, welche einen ziemlich hohen Härtegrad auffährt, vor allem im kürzlich erschienen Director's Cut. Anschließend folgt noch ein bisschen Ballerei und der Film endet schließlich mit Arnie vs. Bennet, ein ziemlich guter Faustkampf, am Ende muss Benett noch ein Rohr verlegen und Dampf ablassen.
Sicher, man könnte diesen Film als menschenverachtend betrachten, hier wird rücksichtslos gemordet, dutzendweise, brutalst, aber muss man den Film so ernst nehmen? Er nimmt sich schließlich selbst nicht ernst, ist hierfür auch nie und nimmer konzipiert. Ich sehe ihn als „Ein Mann-Armee"-Klassiker, ein nicht besonders intelligenter Film, der dafür aber umso mehr Spaß macht, handwerklich stellenweise sehr stümperhaft, aber schlussendlich ist es immer noch „Commando", ein Film also, dem ich so gut wie alles verzeihe.
Absolut zu Klassikern sind auch die klassischen One-Liner in dem Film geworden, herrlich doof, ultracool, und Arnie bringt sie einfach herrlich rüber. „Commando" ist der Inbegriff, wenn es um 80er-Action geht, hier kann man alles was die guten Actionfilme in den 80ern ausmachten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen: Frauen die nur rumschreien und gerettet werden müssen, coole One-Liner, herrlich sinnloses Geballere, machomäßig coole Ein-Mann-Armeen, fetteste hand-made Explosionen ein nichts an Story usw.
Die DVD kommt mit der Kinofassung von Fox, als Bonus nur ein Trailer, kürzlich erschien der Director's Cut, als Century³ Cinedition, welcher allerdings nur ein paar Dialoge mehr bietet und eine verlängerte, noch brutalere Gartanhausszene, welche ich dem echten „Commando"-Fan ans Herz legen kann. Beide DVDs sind von der SPIO/JK als „Strafrechtlich unbedenklich" der Director's Cut ist freilich uncut in der Kinofassung fehlen eben ein paar Dialoge und ein paar brutalere Einstellungen in der Gartenhausszene.
Fazit: Hirn- und sinnloser Actionfilm, der Action und Geballere vom Allerfeinsten bietet, handwerklich höchstens laienhaft ist, aber doch einen Klassikerstatus genießt, ein Film, dem der geneigte Fan nahezu alles verzeiht, deshalb vergebe ich ohne schlechtes Gewissen
9/10 Punkte