„Phantom Kommando" ist in jeder Hinsicht die pure Essenz des Actionkinos der 1980er Jahre. Laut, brachial, stereotyp, komplett unrealistisch, martialisch, machohaft, aber dabei stets augenzwinkernd metzelt und mordet sich die Ein-Mann-Armee Arnold Schwarzenegger durch das überschaubare Handlungsgerüst. Der größte Glücksfall ist dabei - neben Schwarzenegger selbst- das äußerst straffe Drehbuch, das praktisch sofort loslegt und das das Tempo bis zum Ende konstant hochhält. Für Nostalgiker gibt es obendrein massenweise 80er-Kolorit.
Ex-Special-Force-Colonel John Matrix (Arnold Schwarzenegger) hat keine Zeit, seinen Ruhestand im kalifornischen Hinterland zu genießen. Der lateinamerikanische Machthaber Arius (Dan Hedaya) lässt mit Hilfe eines ehemaligen Kampfgefährten (Vernon Wells) seine Tochter (Alyssa Milano) entführen. Auf diese Weise will er ihn zur Kooperation beim gewaltsamen Umsturz des Inselstaates Val Verde zwingen. Doch Matrix hat nicht vor, sich erpressen zu lassen. Unterstützt von der Stewardess Cindy (Rea Dawn Chong), die zufällig zwischen die Fronten gerät, startet er einen blutigen Feldzug, um seine Tochter zu befreien.
Fiktive Inselstaaten, ein grotesker Körperkult, sarkastische One-Liner, eindimensionale Helden und moralisch fragwürdige Gewaltorgien - Willkommen im Action-Kino der 1980er-Jahre. Beseelt von dem reaktionären Moralvorstellungen der Reagan-Ära und einem klaren Freund-Feind-Schema infolge des Kalten Krieges präsentierte sich das junge Genre in den 80ern in erster Linie grobschlächtig. Dazu passten gestählte Stars wie Chuck Norris, Jean Claude van Damme, Sylvester Stallone und Dolph Lundgren, die jüngst in „The Expendables" (2010) und „The Expendables II" (2012) eine filmische Auferstehung feiern durften. Wie kein anderer ist mit dieser Phase allerdings mit dem Namen Arnold Schwarzenegger verknüpft, der hier seine Hollywoodstar-Ambitionen nach dem Durchbruch in „Der Terminator" (1984) weiter ausbauen konnte. Nicht nur für Arnie war „Phantom Kommando" (1985) ein wichtiger Karriereschritt, auch Produzent Joel Silver zementierte nach „The Warrior" (1979) und „Nur 48 Stunden" (1982) mit diesem No-Brainer seinen Ruf als Actionspezialist und kam nur ein Jahr später mit „Lethal Wepaon - Die stahlharten Profis" (1986) in der A-Liga Hollywoods an. In Europa und Deutschland fachte der Film hingegen eine Debatte um die Gewaltverherrlichung in Kinofilmen an, so dass er lange Zeit auf dem Index verschwand und Arnold Schwarzenegger sich auf den Promotouren in der alten Heimat noch auf Jahre für die brachiale Gangart seiner Filme rechtfertigen musste.
Mit einem ordentlichen aber im Vergleich zu späteren Schwarzenegger-Produktionen sehr überschaubaren Budget, kreierte Regisseur Mark L. Lester („Firestarter", „Class of 1984") einige spektakuläre Schauwerte und Actionszenen. So bleibt neben der finalen vierfach-raketenwerfer-gestützten Zerstörungsorgie, vor allem die Action-Sequenz in der Einkaufsmall in Erinnerung, in der sich Arnie im Bud-Spencer-Autopilot Hundertschaften anrückender Polizisten (wo kommen die eigentlich alle her?) entledigt und anschließend tollkühn durch Lüfte schwingt. Neben den reinen Schauwerten, die prinzipiell jedes Schwarzenegger-Vehikel bietet, profitiert „Phantom Kommando" vor allem von dem straffen Drehbuch, des Genrespezialist Steven E. de Souza (u.a. „Der Sechs-Millionen-Dollar", „Knight Rider", „Nur 48 Stunden", „Running Man", „Die Hard I-II"). Die Geschichte stellt seinem Helden nicht nur massenhaft Gegner, Handlanger und Zwischenendgegner, sondern auch ein knapp bemessenes Zeitfenster in den Weg, innerhalb dessen er seine Tochter retten muss. Dieses Potenzial schöpft der Film zwar nicht in Gänze aus, verleiht ihm aber trotzdem ein beträchtliches Maß an Dynamik, so dass er -auch gemessen an aktuellen Sehgewohnheiten- recht zackig wirkt.
Die obligatorischen Harteier-Sprüche, die Arnie vom Stapel lassen darf, haben sowohl quantitativ als auch Qualitativ eine beeindruckende Quote. Abseits davon bietet der Film aber auch eine gute Portion unfreiwilligen Humor. Wer also sehen will, wie Arnie ein Reh streichelt oder in knapper Tanga-Badehose und Paddelboot eine streng abgeschirmte Insel stürmt, der darf sich auf „Phantom Kommando" besonders freuen. Zur unfreiwilligen Komik trägt auch bei, dass Arnie pausenlos als grotesk übermenschlich starke Zirkusfigur inszeniert wird, die mühelos meterlange Baumstämme durch die Gegend tragen, einhändig Sitze aus Autos reißen und ganze Telefonzellen stemmen kann. Solche Szenen wurden im Verlauf seiner späteren Filme, die man auch abseits eines Guilty-Pleasure-Bonus goutieren kann, glücklicherweise immer seltener - hier tragen sie aber eindeutig zum Spaßfaktor bei. Gleiches gilt auch für das überzeichnete Finale, in dem lateinamerikanische Revolutionäre mit sichtbar angeklebten Mexikaner-Bärten zu Hunderten Arnies Maschinengewehren zum Opfer fallen, während Arnie allen Ernstes Deckung auf einem Hausdach (!!) sucht.
„Phantom Kommando" möchte nicht mehr und weniger sein als spaßiges, spektakuläres Unterhaltungs-Kino für große Jungs. Im Rahmen dieser anspruchslosen Grundhaltung funktioniert der Film erstklassig und gehört in seiner Stringenz und seiner Simplizität zu Arnold Schwarzeneggers besten Genrebeiträgen.
Daran werde ich mich erinnern: Arnold streichelt ein Reh.