„Nicht zu glauben, dieser Macho-Scheißdreck!“
US-Genre-Regisseur Mark L. Lester drehte zwischen „Der Feuerteufel“ und „Zwei unter Volldampf“ den Actionfilm „Phantom Kommando“ nach einem Drehbuch Steven E. de Souzas. Der 1985 veröffentlichte Kinofilm präsentiert den Bodybuilder und gebürtigen Österreicher Arnold Schwarzenegger, der sich zuvor bereits mit den „Conan“-Filmen und „Terminator“ einen Namen in Hollywood gemacht hatte, in der Hauptrolle.
„Ich werde nirgendwo hingehen!“
Dem ehemaligen US-Eliteofizier Colonel John Matrix (Arnold Schwarzenegger) ist Töchterchen Jenny (Alyssa Milano, „Wer ist hier der Boss?“) abhandengekommen: Arius (Dan Hedaya, „Begierde“), ein ehemaliger lateinamerikanischer Diktator, den Matrix einst vom Sockel zu stoßen half, hat sie entführt. Und er will sie ihm nur dann zurückgeben, wenn Matrix den demokratischen Präsidenten beseitigt, der Arius beerbte, und Arius zurück zur Macht verhilft. Doch statt sich auf dieses schmutzige Geschäft einzulassen, stellt er sich als Ein-Mann-Armee Arius und dessen Schergen entgegen und metzelt ohne Rücksicht auf Kollateralschäden alles und jeden nieder…
„Es geht doch nichts über alte Kriegskameraden!“
Das sieht dann wie folgt aus: Zunächst einmal erschießen zwei falsche Müllmänner jemanden und drehen auch weiterhin kräftig am Rad. Matrix wird durch Detailaufnahmen auf seine Muckis eingeführt, während er fröhlich einen Baumstamm durch die Gegend schleppt. Unheimlich kitschige Bilder einer Vater-Tochter-Idylle in der Natur sollen sein friedliches Leben im Soldaten-Vorruhestand illustrieren, dazu spielt Musik wie aus der „Schwarz(enegger)waldklinik“ und man erwartet, dass jeden Moment Heintje um die Ecke biegt und zu singen beginnt. Um dämlich homophobe Sprüche à la „Warum nennt er sich nicht einfach Girl George statt Boy George? Das würde die Leute nicht so verwirren.“ ist Matrix indes nicht verlegen. Der Film liefert ohne jeglichen Spannungsaufbau oder sonstige dramaturgische Kniffe direkt, wonach das Actiongülle-Publikum verlangt: Autostunts, Explosionen und Schießereien. Bizarr: Ilona Christen gehört zu den Handlangern der Bösen, ein anderer trägt ein Häkelleibchen. Matrix reißt Autositze und Telefonzellen heraus, verprügelt das Sicherheitspersonal eines Einkaufszentrums, verwickelt es in eine etliche Todesopfer fordernde Schießerei und bringt eine zunächst harmlose Frau namens Cindy (Rae Dawn Chong, „Beat Street“) in Lebensgefahr, die er entführt und deren Auto er zu Schrott fährt... und die ihm trotz allem helfen will, statt möglichst schnell das Weite zu suchen. Mit einem Raketenwerfer ballert sie nicht nur im Straßenverkehr herum, sondern schießt damit auch noch auf den Polizeitransporter, in dem Matrix sitzt, um diesen zu befreien, nachdem er sich beim Einbruch in ein Ladengeschäft hat erwischen lassen. Wie er das Gebäude am Ende in die Luft sprengt, weiß niemand – beim Präparieren von Sprengstoff hat man ihn jedenfalls nicht gesehen. Und dass seine Tochter nicht evtl. genau dort festgehalten wird, konnte er gar nicht wissen… Egal, et hätt noch immer jot jejange!
„Ein Mann, dem ich jahrelang vertraut habe, versucht mich zu töten!“ – „Ich versteh' den Mann...“
„Phantom Kommando“ ist ein ultratrashiger Oberkörper-frei-Rambo-Epigone und hochgradig schwachsinniger und unglaubwürdiger US-One-Man-Army-Actionstuss, in dem Arnie als nomineller Held kurzsilbig zynische Einzeiler raushaut und mit stoischer Miene für Verstümmelungen und Leichenberge sorgt – erst schießen, auch dann nicht fragen. Logiklöcher so groß wie das Vakuum im Hirn des Autors tun sich auf und die Stuntmen wähnen sich mit ihrer Akrobatik offenbar beim Turmspringen. Auf beinahe alles, was andere Actionfilmer wenigstens noch als Feigenblatt integriert haben – Dramaturgie, Spannung, Dynamik, über „Selbstjustiz, yeah!“ hinausgehende Subtext-Ansätze, Bindestriche – wird hier zugunsten einer lachhaften Story und Inszenierung verzichtet. Eine Beleidigung jeglicher Intelligenz und einer der dümmsten Filme, die ich jemals gesehen habe.
Doch er erlaubt verschiedene Lesarten: Zum einen die einer bewussten Genre-Parodie. „Phantom Kommando“ ist derart überzeichnet, dass er sein Sujet zu persiflieren scheint. Zum anderen bewies Regisseur Lester hiermit, dass man dem tumben Actionpublikum wirklich die allerletzte Grütze vorsetzen konnte. Eine bewusste Vorführung von Genre-Fans also? Beides darf bezweifelt werden, da sich Lester anscheinend nie dahingehend äußerte. Der vordergründige Humor des Films untermauert vielmehr seinen Zynismus. Zudem entstammt er einer Zeit, der Reagan-Ära, in der das Trivialkino vor martialisch bemuskelten Steroidopfern mit umso überlebensgrößeren Schwanzersatzwummen in den Händen nur so strotzte und der Markt mit Variationen des Immergleichen gemolken wurde bis zum Geht-nicht-mehr, von der hochbudgetierten und vom US-Militär gesponsorten A-Produktion, die propagandistisch US-Kriege rechtzufertigen helfen sollten, über Versuche, den Vietnamkrieg wenigstens im Kino und auf Video zu gewinnen und damit der angeknacksten reaktionären US-Volksseele zu neuem Selbstvertrauen zu verhelfen, bis hin zu in Anspruch und/oder Budget billigsten Produktionen aus Italien oder Fernost, die fleißig plagiierten und ihren Teil vom toxisch männlichen oder ironisch allesglotzenden Trash-Publikum abzugreifen versuchten. Insofern fällt „Phantom Kommando“ als einer der stumpfsinnigsten Vertreter seiner fragwürdigen Zunft vermutlich am ehesten unter Realsatire.