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Nicht zu unrecht genießt „Commando“ bei Fans der gepflegten Haudraufaction aus den Achtzigern einen einzigartigen Status. Regisseur Mar L. Lester („Showdown in Little Tokyo“, “Guilty as Charged“) drehte hier vielleicht den Prototypen des Gewalt verherrlichenden, stupiden, naiven und daher zutiefst sympathischen Machoactioners, wobei ihm die Gradwanderung zwischen Parodie und brutalem Entertainment keine Mühe bereitete.

„Commando“ schert sich nicht um seinen Plot, will keine spannende Geschichte erzählen, sondern will einfach nur unterhalten und das gelingt ihm bravourös. Für Arnold Schwarzenegger war die Rolle des ehemaligen Elitesoldaten John Matrix der endgültige Durchbruch als wortkarge, coole Oneliner klopfende, Ein-Mann-Armee, die alles, was sich ihm in den Weg stellt, in Schutt und Asche legt. Allein die Einleitung, bei der er nicht nur einen Baumstamm (auf der Schulter!) durch den halben Wald schleppt, mit Töchterchen Alyssa Milano („Charmed“) Eis essen und Bambis füttern geht, beweist, dass die Chose keiner ernst nehmen sollte.

Ernst nehmen muss Arni aber die Entführung seiner Tochter. Ein böser Terrorlord, nebst altem Kumpan im rasselndem Kettenhemd, hat sie sich geschnappt und will ihn nun dazu zwingen ein Attentat zu begehen. Nur so kann er seine Tochter lebendig wiedersehen. Aber wer Arni kennt, weiß, dass der sich nicht herumschubsen lässt und statt dessen einen groß angelegten Feldzug startet.

„Commando“ hat Plotlöcher, Goofs und Anschlussfehler, wohin man sieht. Die Dialoge sind mal freiwillig, mal unfreiwillig komisch, Klischee wird an Klischee gereiht und trotzdem macht der Film so sagenhaft viel Spaß. Woran liegt das? Nun, Lester wusste genau was er da anstellt, versucht gar nicht diese vielen Schwächen zu kaschieren und lässt stattdessen Arni nach Herzenslust walten und schalten.

Der lässt sich auch nicht lange bitten, macht schon während der Entführung mit den ersten Handlangern kurzen Prozess, begleitet ihr Dahinscheiden mit knochentrockenen Sprüchen und kauft dann erst mal ein stattliches Arsenal beim lokalen Waffenhändler ein. Im Verlauf soll der Film zu einer wahren Orgie an Explosionen und abgedrehten Einfällen ausarten. Die aus zweifelhaften Gründen zu ihm stoßende Stewardess Cindy (Rae Dawn Chong) weiß nie was sie nun will, versucht ihm mal zu helfen, dann Arni ein Bein zu stellen und ballert mit dem Raketenwerfer, weil sie mal eben die Gebrauchsanweisung studiert hat. Man kann die ganzen Einfälle und sich schwachsinnig oder unlogisch verhaltenden Figuren gar nicht aufzählen. Eins ist aber gewiss, in fast jeder Szene darf man munter mitschmunzeln.

Höhepunkt ist das groß angelegte, ausufernde Finale, in dem Arni dann rodend gegen eine Hundertschaft Handlanger antritt und mit lässigen, aus den Handgelenk geschüttelten Salven gleich im Dutzend tötet. Fast schon obligatorisch ist dabei seine abwechslungsreiche Waffenauswahl und die teilweise sehr derben Tötungsmethoden – insbesondere das Gartenhaus hat inzwischen Kultstatus. In blutigen Shootouts fallen Arnis Schießwut die Statisten mehrmals überzogen theatralisch und spektakulär (Salto, etc.) zum Opfer. Er selbst ist dabei natürlich unkaputtbar. Wer sich hier nun fragt, warum er gar keinen Schiss hat, dass seine Tochter derweil aufgeschlitzt wird, hat hier einen Fehler begangen – nämlich sein Gehirn eingeschaltet.

Nein, man sollte wirklich fair zu „Commando“ sein, selbst wenn er für seine Entstehungszeit in seiner Darstellung extrem ausfällt. Was Joel Silver („Predator“, „Die Hard“) hier produzierte ist Fun pur, sofern man sich auf so einen Film einlässt. Wenn vor Häusern stehende Puppen wegfliegen und Arni Telefonzellen herausreißt, ist das aber sicher nicht jedermanns Geschmack.


Fazit:
Berüchtigter, total überzogener Arni-Actioner, den man keinesfalls ernst nehmen darf. „Commando“ präsentiert, sich als kurzweiliger, spektakulärer, brutaler Actioner, der seine naive B-Tendenz nie abstreift und aufgrund dessen so einen Heidenspaß macht. Arni ist voll in seinem Element, ballert, mordet und schlägt alles, was ihm vor die Finger kommt, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen. War das eine herrliche Zeit...

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