Review

Eigentlich geht man davon aus, dass der Vietnamkrieg in den USA erst mit Apocalypse Now, Die durch die Hölle gehen und Coming Come - Sie kehren heim filmisch thematisiert wurde. Also Ende der 70er Jahre und mit dem entscheidenen Abstand, der zur Bewältigung des tief sitzenden Schocks und seines Komplexes benötigt wurde.
Vergessen wurde dabei, dass bereits in der Mitte der 60er erste Propagandabeiträge veröffentlicht wurden, die den Einsatz in Südostasien auf ihre eigene Weise behandelten. Dazu gehören To the Shores of Hell und Run with the Devil [ beide 1966 ]; am Bekanntesten ist aber John Waynes Staatskunstwerk Die Grünen Teufel. Wayne, ein erzkonservativer Hardliner, schickte seinen Propagandafilm als Offenbarung persönlicher Ansichten auf die Leinwand los und wurde damit für Viele zum Roten Tuch.
Im März das Massaker von My Lai. Im Juli die Premiere des oft als faschistoid bezeichneten Filmes, natürlich auch zum Nationalfeiertag.
Und das in dem Jahr, als man inner- und ausserlandes Feindbild #1 der Protestbewegung war und sich als "ugly American" manifestierte.

Dermassen tief in die Nesseln setzt man sich auch rein materiell; eine objektive Betrachtung ist ausgeschlossen, selbst wenn man mit dem Vorsatz herangeht, sich einfach nur auf das Technische und den strukturiellen Aufbau selber zu konzentrieren.
Es ist unmöglich, sich hinzusetzen und sich bloss unterhalten zu lassen. Dies nur als schlechten Witz von wiedergekauten Quatsch und Simplizitäten in einem exotisch angehauchten Kriegs-/Agenten-/Abenteuerszenario zu betrachten. Glückwunsch, wem das gelingt. Schwierig genug wirds, auch wenn der Mumpitz nicht nur in Georgia gedreht wurde, sondern auch genau danach aussieht. Darauf kommts auch gar nicht an.
Das Produkt ist dermassen subjektiv, dass man geradezu gezwungen ist, auf die kriegsverherrlichende Verglorifizierung amerikanischer Kampfeskraft zu reagieren und sich der moralisch erbärmlichen Angriffswelle von Wayne zu stellen. Man kann von ihm als Schauspieler halten, was man will. Nur man muss sich nicht von ihm packen und sagen lassen, was man zu tun hat und was man gefälligst denken und fühlen soll.
Nicht dann, wenn diese Weckruf - Ideologie von vorgestern ist und das Recht allein mit der Kugel spricht und auch noch stolz darauf ist. Waynes Film reicht die formelle Kriegserklärung nach; vier Jahre nach der Tongkin - Resolution, mit der man in den Krieg eintrat, weil man sich angegriffen fühlte.

Mit der Gutmütigkeit ist es bereits nach 10min vorbei, in denen der skeptische Zuschauer nach allen Regeln der Kunst vorgeführt und diesmal noch mit verbal - rhetorischen Mitteln bekehrt werden soll.
So sitzen wir im heimischen Camp Fort Brago, im schön friedlichen North Carolina und lauschen einem Special Warfare Trupp bei ihren auswendig gelernten Leitsätzen zu. Das Center wurde nach unserem gerade von einem Kommunisten erschossenen Lieblingspräsidenten John F. Kennedy benannt; wir, das amerikanische Volk, bestehen aus ein paar Hausfrauen und bis jetzt noch skeptisch eingestellten Zeitungsfritzen. Besonders mürrisch lauscht George Beckworth [ David Janssen ], der dazu auch noch als Einziger in der Runde an einer Zigarette zieht; wie schmählich.
"Warum führen wir denn diesen Krieg ?" fragen die Zivilisten.
Ausserpolitische Entscheidungen sind nicht Sachen des Militärs. Punkt.
Dem Soldaten wird befohlen, wohin er zu gehen hat und gegen wen er zu kämpfen hat. Punkt.

Immer noch Zweifel ? Nicht, nach dem einem vor Augen gehalten wird, dass dort auch hier sein könnte. Auch hier die bestialische Ausrottung der zivilen Führungskräfte und die Folterung und Ermordung von unschuldigen Frauen und Kindern an der Tagesordnung sein könnte. Wenn wir nicht jetzt etwas dagegen tun. Ja, da unten brauchen sie uns. Und sie wollen uns.
Um einen globalen Kreuzzug gegen die kommunistische Beherrschung der Welt zu führen.
Applaus brandet auf. Kriegsgegner Beckworth landet nicht nur in der Defensive, sondern hat auch intellektuell die Hosen runtergelassen und ist der Verräter der Heimatfront.

Nun kann man eigentlich bereits abschalten; das Wichtigste hat man nämlich gesehen. Diese 10min fassen alles zusammen, was Wayne denkt und zu sagen hat. Ebenso die Form, in der er es sagt. Indem er die Waffen auf den Tisch haut. Widerrede wird nicht geduldet. Vor allem dann nicht, wenn man gar nicht da war.
Was danach noch kommt, ist weitgehend uninteressant. Nicht langweilig, obwohl dramaturgisch altbacken, weil man hier die Neuauflage von Alamo gedreht hat und nicht nur der Schauplatz daran erinnert. Wieder eine Belagerung, wieder eine Heldenballade, es wirkt auch oft wie ein Western. Ein todsicheres concept - movie, um die Urschrift der Aussage noch einmal transportieren zu können und so zu festigen, was man bereits in radikaler Deutlichkeit eingebleuht bekommen hat.

Wenn man abschaltet, verpasst man auch nichts. Eine perfekte technisch - aufwendige Militärdemonstration mit grossen Waffenarsenal, Armeelager, allseits schwirrenden Hubschraubern, knalligen Explosionen und einigen derben Brutalitäten vielleicht. Präsident Johnson war nicht nur persönlich über die Dreharbeiten unterrichtet und billigte sie nicht bloss, sondern stellte auch den Produzenten alles dafür Benötigte zur Verfügung; natürlich mit extrem frisierter Rechnung. Das umfangreiche Gerät stammt durch die Unterstützung des Verteidigungsministeriums durchweg aus realen Beständen; ebenso wurden Berater und hochrangige Vertreter sowie Truppendienste abgestellt - was man später abstritt.

Verpassen tut man dann aber auch die rassistischen Konnotationen. Das Höherstehen des eigenen Volkes über den feigen Eingeborenen, die heimtückisch mit Punji - Pflöcken und Dschungelfallen agieren, Verräter plazieren und aus sicherer Entfernung Störrfeuer über das Lager niedergehen lassen. Der Vietcong wird nicht gezeigt; aber wie soll man auch Jemand ins Bild setzen, der Alte, Kranke und Kinder tötet, einfach nur so. Ausserhalb der sozialen und der ethnischen Barriere ist, ja sogar der ethischen. Noch schlimmer als der Indianer. Womit man erneut die Rechtfertigungen findet, diesmal auch in graphischer Detailfreudigkeit und emotionaler Verlogenheit das niedere Feindbild anzuprangern und die Fahne der befreienden Weltpolizei hochzuhalten.

Dabei wird auch alles an Symbolen und Grundzügen aufgeworfen, was man auf dem Weg von Hanoi nach Hollywood mitnehmen konnte: Ein kleines Waisenkind mit noch kleinerem Hündchen zum Beispiel, der keinen mehr hat ausser GI Joe und selbst den bald nicht mehr. Ein Kommandant, der genau am Tag seines angesetzten Heimatfluges durch Beschuss umkommt. Die Pflege und der Schutz ängstlicher Zivilisten mit ganz viel gönnerhafter Jovialität; schliesslich wissen die Häuptlinge ausserhalb von Dodge City ja nicht einmal, was Geld ist.
Diese Denk- und Sichtweise in der verführerischen Technicolor - Aufmachung ist so unwohl, dass man sich richtig mulmig fühlt. Der drangeklatschte Spionageplot mit einer asiatischen "Lotusblüte" als Lockvogel und einem geheimen Kommandounternehmen lenkt noch einmal ab, aber mildert nichts mehr.

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