Review

"In was für ein Bullshit bin ich da nur reingeraten?" fragt sich wohl der intelligente Einzelgänger Callum (Toby Kebell), als er mitansehen muss, wie in seinem neuen Heim, einer Jugendstrafanstalt für schwerere Fälle, die schwächeren gemobbt und erniedrigt werden.
Die armen Hänflinge haben aber auch gar keine Ruhe (denn neuerdings hält man es in englischen Gefängnissen für sinnvoll,die Schlafzimmer mit zehn Leuten vollzustecken). So müssen sie nach Lust und Laune der bösen Jungs nachts im Schrank übernachten oder auch mal als Toilette für kleine Geschäfte herhalten. Nachdem Davie (John Travers) anscheinend das Valium ausgegangen ist, hält er es nicht mehr aus und schlitzt sich die Adern auf.
Als Belohnung müssen alle im Zimmer anwesenden zur Gruppentherapie (die mit einer netten Bootsfahrt beginnt und mehr nach Camping-Urlaub als Resozialisierung aussieht) auf eine einsame Insel, begleitet von Aufseher Jed (Sean Pertwee "Dog Soldiers"), dem die Anstalt das Vertrauen schenkt, sich ohne Waffen bei dem Mob aus Mördern, Nazis und Vergewaltigern durchsetzen zu können (aua). Gut, immerhin hat er ein Handy dabei. Also anrufen, bis eben der Arzt kommt.
Wie der Zufall so will, tummelt sich natürlich eine Gruppe schwer erziehbarer Gören unter Aufseherin Louise (Alex Reid) auch auf der Insel rum. Aber zum Resozialisieren gehört natürlich ein gepflegter Fick (ganz schön clever ausgedacht von der englischen Justiz), was auch schon in der ersten Nacht ausgenutzt wird.
Tja, aber irgendwie sind die Jugendverbrecher samt Aufseher nicht alleine auf der Insel, ein Jäger mit seinen vier tödlich abgerichteten Schäferhunden treibt sein Unwesen und hat es auf die Gruppe abgesehen. Einer nach dem anderen muss dran glauben...

Wer bei diesem Logikschrott noch nicht zusammengesackt ist, kann mit "Wilderness" einen annehmbaren Slasher härterer Gangart genießen.
Mir ist die Logik ja eh Wurst, wenn ich mir ´nen Slasher reinziehe, mich hat nur die Handy-Szene aufgeregt (Nein, diesmal ist es nicht das Netzloch wie in den anderen tausend Filmen, diesmal - *trommelwirbel* das Handy ist spurlos verschwunden).

Aber trotzdem kommt der Film nicht richtig in Fahrt, bzw. kann den Zuschauer nicht mitreißen.
Gut, mit Vergewaltigern und Nazis kann man schlecht Bezug aufnehmen und sich identifizieren - was aber viel schlimmer ist, ist die fehlende Präsenz des Killers. Unsichtbar im Grünen schießt er Pfeile mit seiner Armbrust auf das Volk, oder pfeift seine Hunde zum Angriff oder zum Rückzug. Hier und da steht mal eine tödliche Falle rum, in die die Dummbeutel natürlich auch noch reintreten müssen. Trotzdem wirkt das ganze bei diesen beiden Komponenten nicht spannend, sondern man empfindet mehr Genugtuung dabei, da solche Penner eh keiner vermissen würde.

Zehn Minuten vor Schluss zeigt der Täter dann doch noch sein Gesicht und offenbart seine Beweggründe (gähn) für das Abschlachten der Gruppe und darf zum unspektakulären Endfight herhalten.

Was Regisseur Michael J. Basset gut gelungen ist, sind die dreckig düsteren Locations und die explizite Gewaltdarstellung, was den Film dann noch ins obere Mittelfeld rettet.
Trotzdem hätte Basset dem Jäger zumindest mal Umrisse und ein wenig Screentime (was weiß ich, z.B. das Aufstellen von Fallen oder der Umgang mit seinen Schäferhunden) geben müssen, oder die, die als Sympathieträger in Frage kommen, nicht zuerst wegsterben lassen.

So sitzt man leider emotionslos vor der Glotze und erfreut sich nur an den gelungenen Tötungen und Fallen. Das ist einfach zu wenig und nach dem gelungenen "Deathwatch" sehr enttäuschend. Trotzdem, mach weiter so Junge, Du bist schon auf dem richtigen Weg!

6,5/10

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