Nachdem Neil Marshall mit „Dog Soldiers“ und zuletzt „The Descent“ frisches Blut in das britischen Horrorgenre pumpte, griff nun Michael J. Bassett („Deathwatch“) das erfolgreiche Grundkonzept seines Landsmannes auf und kreierte einen blutigen Survivaltrip auf einer verlassenen Militärinsel.
Die Hauptakteure sind allesamt Insassen einer Jugendhaftanstalt, für die der Trip auf die Insel eine Art soziale Trainingsmaßnahmen darstellen soll, nachdem sich einer ihrer Mitinsassen aufgrund diverser Demütigungen, das Leben nahm. Unter den Inselbesuchern findet sich ein breites Spektrum an Straftätern, als da wären: Ein großmäuliger Latino, ein verhasster Looser, ein Quotenschwarzer, dessen Screen- bzw. Lifetime naturgemäß eher kürzer ausfällt, ein introvertierter, wortkarger Einzelkämpfer und ein psychopathisch veranlagter Skinhead mit Hakenkreuz-Tattoo samt seinem Bodyguard, einem intellektfreiem Hünen, mit Boxervisage. Die üblichen Verdächtigen eben.Die Aufsicht über diesen explosiven Haufen hat der erfahrene Gefängnissaufseher Jed (Sean Pertwee, „Dog Soldiers“, „Event Horizon“), der den Auftrag hat, den Jungs den Charakter zu stärken und ihren Teamgeist zu fördern – ohne Waffengewalt. Ein unbewaffneter Aufseher für eine Horde jugendlicher Mörder und Vergewaltiger? So siehts aus.
Keine Frage, das riecht nach Problemen. Die Ersten treten bereits auf, als man überraschend auf eine Gruppe weiblicher Häftlinge stößt, die aus ähnlichen Gründen auf die Insel verfrachtet wurden. Richtig ernst wird es jedoch erst, nachdem es den ersten Toten gibt. Beim Wasserholen wird dem Schwarzen von vier deutschen Schäferhunden der Arm weggeknuspert und es scheint, als ob der unbekannte Besitzer der Biester noch eine Rechnung mit den Häftlingen offen hat. Mittels Armbrust und vierbeiniger Unterstützung beginnt er eine gnadenlose Jagd auf die, bald führerlose, Truppe, die schon mit ihren zwischenmenschlichen Differenzen überfordert ist.
„Wilderness“ wandelt eindeutig auf bereits ausgetretenen Pfaden. Die dicht bewaldete Insel, die zunächst unsichtbare Bedrohung, die blutgierigen Kampfhunde und nicht zuletzt Darsteller Sean Pertwee erinnern an Marshalls Regiedebüt. Auch einzelne Elemente aus anderen entfernt themenverwandten Filmen (bspw. „Battle Royale“) ergänzen diesen Survivalhorror-Flick, der allerdings im Gegensatz zu vielen Genrevertretern Humor komplett außen vor lässt. So können die immer wieder eingestreuten Goreeffekte, allen voran Pertwees frühes und relativ derbes Ableben, durchaus die gewünschte Wirkung erzielen. Der Film bleibt jedoch immer auf die Häftlingsgruppe und deren Verhalten in Extremsituationen fokusiert und verkommt so nicht zum stupiden Katz-und-Maus-Spiel. Vorallem Steve, unser glatzköpfiger Nazi-Choleriker kann und will sich nie teamfähig zeigen, und bald verschwimmen die Grenzen zwischen Böse und Böse...
Interessanterweise verzichtet Michael J. Bassett darauf, seine Charaktere eine Entwicklung durchmachen zu lassen. Psycho bleibt Psycho, Verlierer bleibt Verlierer und der Einzelkämpfer stellt sich seinem Schicksal im Alleingang. Das wirkt zwar einerseits deprimierend auf den Zuschauer, der haltlos ohne Identifikationsfigur dasitzt, zeigt anderseits aber mehr Wahres über die handelnden Personen, als die zum x-ten Mal verfilmte Legende, über das Gute in einem jedem Menschen.Leider schwächelt „Wilderness“ aber deutlich an seiner hanebüchernen Story. Die Identität des unbekannten Jägers ist schnell gelüftet und auch die restlichen Kniffe und Twists in diesem Film kündigen sich für den aufmerksamen Beobachter frühzeitig an. Darunter leidet die Spannung doch deutlich und man ist doch froh, dass hier relativ flott inszeniert wurde und so größere Hänger vermieden werden.
Am Ende der knapp 90 Minuten bleibt der Eindruck, dass das Gesehene zwar nicht sonderlich neu oder innovativ war, doch allemal unterhaltsam verpackt und mit genügend Drive inszeniert. Teilweise recht hart anzusehendes Gesplattere und ein leidlich konstanter Spannungsbogen halten den Zuschauer jedenfalls bis zum Ende bei der Stange.Es bleibt zu hoffen, dass sich Bassett weiterhin entwickeln kann und darf und vielleicht gelingt ihm dann ja auch demnächst ein „The Descent“.
Ich vergebe gute 6/10 Punkten.