Eine Gruppe Knastbrüder setzt zu Therapiezwecken auf eine einsame, von der Zivilisation abgeschnittene Insel über. Dass die Insel allerdings gar nicht so einsam und unbewohnt ist, wie gedacht, bemerken die Knackis, als ihr Leiter und Aufseher von einer Handvoll aus dem Hinterhalt pfeifenden Pfeilen an einen Baum genagelt wird.
Auf ihrer Flucht vor dem Unbekannten beginnen sich die Jungs allmählich gegenseitig zu zerfleischen…
Ein neuer Horrorschocker aus England und schon werden Stimmen laut, die ihn mit Helden wie „Descent“ und anderem Murks wie „Dog Soldiers“ gleichstellen.
Doch der Vergleich hinkt, zumal WILDERNESS 1.) einfach nicht die Klasse eines Höhlenforscherinnen-Schockers aufweist, und 2.) weil es sich bei WILDERNESS um gar keinen Schocker handelt, sondern um einen Slasher.
Ganz genau, unsere „Wild Boys“ kippen hier schön nach dem altbewährten „Zehn kleine Negerlein“-Prinzip aus den Latschen, der Prozess des Löffelabgebens fällt auch meist überdurchschnittlich spektakulär und rot aus und der Täter tritt bis zum Showdown nur als Messer oder sonstiges Tatwerkzeug umklammerndes Patschehändchen in Aktion.
Die Highlights: ein Kopf am Pfahl, ein Typ, der mit dem Gesicht voraus in eine Bärenfalle stolpert, und – klares Höhepünktchen des Films – ein Kerl, der von einer Meute deutscher Schäferhunde bis zur Unkenntlichkeit zerfleischt wird.
Zugegeben, der Gore-Pegel der einzelnen Kills ist wahrlich recht hoch, lässt Grünzeugs wie „Halloween“ oder „Scream“ ganz schön alt aussehen und muss zweifelsohne in die Kategorie „Splatter“ einsortiert werden.
Die FX sind auf hohem Niveau, und auch der Rest schwankt so zwischen A- und B-Qualitäten:
- die Akteure – bullige Skinheads mit Schlägervisagen, zittrige Bilderbuch-Stümper und hinkende Hafennutten – sind zwar nicht wirklich das Gelbe vom Ei, aber schon eindeutig als akzeptabel einzustufen.
- die Sets – düstere Wälder, saftige Wiesen, steile Klippen… - insgesamt sehr naturverbunden und stimmig.
Haken an der Sache aber wie immer: die Story. Diese hält zwar wirklich von Anfang bis Ende gut bei der Stange und beginnt sogar einigermaßen originell,
fällt insgesamt aber dann doch recht 08/15-haft und madig aus:
Harte Jungs, die sich wegen seltsamen Knacksgeräuschen in die Buxen pfeffern, ein auf alle scheißendes Oberarschloch, das sich mit dem Killer außergerichtlich einigen will, und zwei Überlebende, die in den letzten Momenten des Films dem Sonnenuntergang entgegen segeln, dürfen bei solch einem Festival der Altbackenheiten natürlich nicht fehlen.
Ergo: WILDERNESS kramt sämtliche Klischees des „Stech- und Schlitz“-Bereichs zusammen, bettet diese in eine klassische und wenig originelle Story ein und fügt ein paar etwas härtere Kills hinzu, als in diesem Genre üblich. Mehr macht der Streifen eigentlich nicht.
Unding und Todsünde Nr. 1 außerdem: der Typ, der ab ungefähr der Mitte an verdächtigt wird, hinter den Morden zu stehen, ---ACHTUNG: SPOILER!!!!!!--- ist dann am Ende auch tatsächlich der Killer. Narf! ---SPOILER ENDE!---
Fazit:
Netter, mehr oder minder solider „In der bitterbösen Wildnis sterben alle nacheinander“-Horror, der aber schon ganz angemessen unterhält und toller Weise mit schön über die Stränge schlagenden Morden ausgestattet ist.
Ganz okay, mehr nicht.