Review

Nach starken Beiträgen wie „Dog Soldiers“ und „The Descent“ kann mit „Wilderness“ der nächste britische Horrorfilm zeigen, dass man auch auf der Insel Geheimtipps dieses Genres drehen kann.
Die Exposition dauert recht lang, führt aber die Hauptpersonen, eine Gruppe junger Knastis und ihren Aufseher Jed (Sean Pertwee), recht gut ein. Die in Jugendhaft befindliche Truppe stellt eine bunte Mischung: Die Bullys Steve (Stephen Wright) und Lewis (Luke Neal), Steve als Anführer der beiden, den gewalttätigen Einzelgänger Callum (Toby Kebbell), den Vergewaltiger Blue (Adam Deacon), den Schwarzen Jethro (Richie Campell) sowie Lindsay (Ben McKay) und Davie (Owen McHugh), die Opfer der beiden Bullys. Hat zwar alles Reißbrettcharakter, aber „Wilderness“ kann seine etwas stereotypen Figuren mit Leben füllen.
Als er den Terror von Steve und Lewis nicht mehr nehmen kann, begeht Davie Selbstmord und man schickt die Jugendlichen zu einem Training in die Wildnis. Unter Jeds Leitung sollen sie hier Solidarität lernen, wobei die Worte des Direktors im Original schon herrlich doppeldeutig darauf anspielen, was noch passieren wird: „Teach them a bloody lesson!“.

Auf der Insel trifft die Truppe auf die Aufseherin Louise (Alex Reid), die mit zwei weiblichen Schützlingen genau das gleiche vorhat wie Jed. Doch sie sind nicht allein: Bald sinkt Jed von Pfeilen durchbohrt zu Boden und blutrünstige Schäferhunde greifen an...
Was das Sujet angeht, liegt „Wilderness“ voll im Trend, denn ähnliches sieht man auch in den zeitgleich produzierten Filmen „See No Evil“ (Jugendliche Straftäter als Metzelmasse) und „Severance“ (Überlebenskampf im Wald), ohne dass man hier Zeit gehabt hätte beieinander abzugucken. Die Waldkulisse ist stimmig, der Einsatz von Fieseligkeiten wie Treteisen und sonstigen Fallen Ehrensache. Auch die Schleich- und Versteckaktion des Armbrustschützen sorgen immer wieder für Flair, denn der gut getarnte Mann kann da auftauchen, wo man ihn nicht erwartet.

Rein von der Story her setzt man natürlich auf Bewährtes, Schütze und Hunde dezimieren die Truppe nach und nach, wobei dann auch diejenigen überleben, von denen man es erwartet. Jedoch kann „Wilderness“ aus den Konflikten innerhalb der Gruppe Kapital schlagen, denn da einige der Straftäter in der Situation überreagieren oder unberechenbar werden, wird die Sache noch ein gutes Stück brisanter. So kommen längst nicht alle durch den Killer zu Tode und auch wechselnde Allianzen und Versuche einander zu hintergehen machen den Überlebenskampf interessanter.
Für Nebensächlichkeiten ist da wenig Platz und doch sind die Charaktere durchaus mit Leben gefüllt. Großen Tiefgang darf man freilich nicht erwarten, doch die Beziehungen untereinander sind durchaus glaubwürdig dargestellt, sodass man selbst diverse Ausraster der Figuren verstehen kann. Das Motiv des Killers wird relativ schnell klargestellt, doch ist nachvollziehbar wie glaubwürdig, sodass sich „Wilderness“ nicht unnötige komplizierte Psychologisierungen versteigt.

So erweist sich „Wilderness“ als simpler Spannungsfilm, in dessen Verlauf der Überlebenskampf ans Eingemachte geht. Es wird teilweise schon recht deftig gemordet, wenn Armbrüste, Messer, Feuer oder Hundebisse tödliche wirken und die Kamera hält immer deftig, aber nie zu lange drauf. Etwas nervig der Einsatz von DV-Optik, doch ansonsten sind die Mordszenen gut inszeniert. Zudem hat der Survivaltrip auch ein paar nette Actionszenen parat, z.B. den gut inszenierten Zweikampf zum Schluss, der ein wenig an „Die Stunde des Jägers“ erinnert. Präsentiert wird das Ganze dann ohne unnötigen Humor, doch ein cooler Oneliner hier und da ist dann doch drin (z.B. der Spruch über einen fairen Kampf am Schluss).
Von den Darstellern ist nur Sean Pertwee etwas bekannter, der macht seine Sache gut, scheidet aber schon vor der Halbzeit aus dem Film aus. Doch auch das unbekannte Jungvolk schlägt sich wacker, Awardverdächtige sind vielleicht nicht auszumachen, aber für diesen simplen, schön geradlinigen Survivalfilm reicht ihr Talent aus.

„Wilderness“ ist nicht wahnsinnig originell und stellenweise recht vorhersehbar, doch diese 90 Minuten Survivalhorror sind flott und temporeich in Szene gesetzt. Das richtige Maß an Action und Blut weiß zu gefallen, Längen kommen kaum auf, womit man „Wilderness“ verdient zum Tipp für alle Fans dieser Art von Film küren kann.

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