In der Zeit zwischen Ende der Sechziger und Ende der Siebziger Jahre sind sicher einige der umstrittensten, heftigsten aber auch besten Horrorfilme der Moderne (als Gegenkategorie zum klassischen Horrorfilm) entstanden. Ein Großteil meiner all time favourites stammt jedenfalls aus dieser Zeit. Genau diesem Faktum widmet sich die Dokumentation THE AMERICAN NIGHTMARE, wobei der Schwerpunkt auf die soziokulturellen bzw. sozialpsychologischen Implikationen von Filmen wie NIGHT OF THE LIVING DEAD, LAST HOUSE ON THE LEFT, TCM, HALLOWEEN und SHIVERS gelegt wird. Es werden Parallelen gezogen zwischen einem Amerika der außen- wie innenpolitischen Gewaltausbrüche und Krisen und eben der Darstellung von Gewalt und Gesellschaft in den oben genannten Filmen. Endlich also eine Doku, die ihren Gegenstand ernst nimmt und vom bloßen Exploiter-Image zu abstrahieren versucht.
Das Ganze kann man als durchaus gelungen bewerten. Zwar hätte man sich bei den Interviews mit den Regisseuren hier und da mehr Infos gewünscht, aber dann wäre das Ganze zeitlich aus dem Ruder gelaufen. Hooper, Craven und Romero zu lauschen, macht jedenfalls einen Heidenspaß. Cronenberg und Carpenter fallen hier meines Erachtens etwas ab, aber so what. Auch hätte man -wenn man schon Craven interviewt- noch auf HILLS HAVE EYES eingehen können, und auch die frühen "urban nightmare" movies eines Abel Ferrara (DRILLER KILLER, MS. 45) hätten vielleicht ganz gut reingepasst - aber das ist vielleicht auch nur kleinkarierte Meckerei.
Eigentlich könnte man sich wünschen, daß sich viele Leute diese Doku anschauen, um endlich zu begreifen, daß durchaus mehr in Filmen wie den oben genannten steckt. Das Problem ist jedoch, daß AMERICAN NIGHTMARE in seinen Parallelmontagen von zeitgenössischen, dokumentarischen Greueln (Vietnam, Attentate, Studentenrevolte) und einiger der explizitesten Filmszenen jener Zeit für den Normalverbraucher nicht goutierbar ist. Und so wird der Film wohl nur von denjenigen gesehen, die sich sowieso schon mit der Materie beschäftigt haben. Sei es drum: Ich kann die Doku nur empfehlen. Nicht perfekt, aber gut und brauchbar. 8/10.