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In den 70er-Jahren schufen John Carpenter, George A. Romero, David Cronenberg und Wes Craven eine neue Art von Horrorfilm. Diese Dokumentation erhellt dessen politische Hintergründe.

Von den ausgehenden 60er- bis Ende der 70er-Jahre schufen junge amerikanische Filmemacher wie John Carpenter, George A. Romero, Tobe Hooper und Wes Craven sowie der Kanadier David Cronenberg eine ganze Welle von neuartigen, besonders grausigen Horrorfilmen, die auch als "splatter movies" bezeichnet werden. Im Dokumentarfilm "The American Nightmare" ergründet Adam Simon die Ursachen für diese besonders heftigen Gewaltdarstellungen und findet sie in den politischen und sozialen Umwälzungen in den USA zu jener Zeit. Eine "Delikatessen"-Fernsehpremiere zum Auftakt der Filmreihe "American Nightmares".

Abseits von Hollywood entstand zwischen 1968 und 1979 ein neues Horror-Genre, das sein Publikum auf noch nie dagewesene Weise mit Bildern von Gewalt und Schrecken entsetzte. Diese "splatter movies" stellten teils eine Weiterentwicklung der "exploitation movies" von Roger Corman und Herschell Gordon Lewis dar, waren aber auch stark beeinflusst vom Zeitgeist der traumatisierten Vietnamkrieg-Generation. Wie Adam Simon in "The American Nightmare" anhand von Interviews mit Cineasten und Akademikern aufzeigt, verbergen sich unter der schockierenden Oberfläche dieser Filme oft mehr oder minder explizite satirische oder zeitkritische Kommentare. So lassen sich die Zombie-Filme eines George A. Romero sowohl mit dem Schicksal der Bürgerrechtsbewegung im amerikanischen Süden als auch mit dem amerikanischen Konsumwahn assoziieren. David Cronenbergs "Shivers" mit seiner Vision einer fatal enthemmten Gesellschaft karikiert die sexuelle Revolution, während John Carpenters "Halloween" dieser bereits metaphorisch den Dolchstoss versetzt. Der Philosophiedozent Wes Craven, der unlängst mit den "Scream"-Filmen ein ironisches Revival der "splatter movies" lancierte, verlegte 1972 in seinem Horrordebüt "The Last House on the Left" Ingmar Bergmans "Jungfrauenquelle" in das brutalisierte Amerika der Vietnamkrieg-Ära, und Tobe Hoopers "The Texas Chainsaw Massacre" variiert die faktische Vorlage von Hitchcocks "Psycho" auf besonders grausige Weise.
Die DokuSendung "Delikatessen" auf SFDRS zeigt "The American Nightmare" als Fernsehpremiere im Zweikanalton deutsch/englisch und teilweise untertitelt.

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