Review

"Die Tragödei der Belladonna" oder "Puh, das war harter Stoff!"

Eigentlich bedeutet bella donna ja schöne Frau. Während der Sichtung des Filmes musste ich jedoch eher an die Tollkirsche denken, deren lateinischer Name ja ebenfalls so lautet.

Tatsächlich ist der japanische Film des (ausgerechnet) "Kimba, der weisse Löwe"-Schöpfers Osamu Tezuka ein filmgewordener LSD-Trip, anders lässt sich diese Mischung aus Drama, Sex und wilden Farben kaum beschreiben (kleine Info am Rande: in der Kinderserie "Kimba kommt auch eine Löwin" mit dem Namen Bella Donna vor).

Die Geschichte ist dabei eine wilde Mixtur aus Literaturverfilmung, geschichtlicher Aufarbeitung und religiös-feministischem Gedöns. Erzählt wird hier anscheinend die (sehr freie) Geschichte von Jeanne d´Arc, die (nicht gerade jungfräulich) hier nun verheiratet, und schon in der Hochzeitsnacht dem Fürsten des Landes gefügig sein muss (ius primae noctis). Die Geschändete entwickelt darauf hin ein Verhältnis mit dem Teufel, der ihr in Penisform erscheint und die typisch Faust´schen Angebote von Macht, Sex, etc. verspricht.
Statt im hundertjährigen Krieg scheinen wir uns allerdings plötzlich kurz vor der französischen Revolution zu befinden (eine Zeit, zu der das Recht der ersten Nacht schon lange nicht mehr galt) und einige Verwicklungen, Intrigen und zahlreiche Orgien später findet sich die Arme gefesselt auf dem Scheiterhaufen wieder.

Soviel in Kürze zur eigentlich einfachen und doch verworrenen Geschichte. Denn im Grunde ist diese nur schmückendes Beiwerk. Tatsächlich ist es die visuelle Opulenz, von der Belladonna lebt. In Teils statischen Bidlern wird ihr Leidensweg erzählt, und doch gibt es in den Bildern so viel zu entdecken, werden Stimmungen so phantasievoll bebildert, dass es eine wahre Freude ist. Ob typisch Klimt´sche Motive der sich umarmenden liebenden, einfache Skizzen oder auch an frühe Animes erinnernde Zeichnungen. Belladonna quilt über vor visuellem Einfallsreichtum.

Das ist über die Laufzeit von eineinhalb Stunden zwar sehr anstrengend und teilweise auch ermüdend, wer jedoch aufmerksam dabeibleibt wird mit einem aussergewöhlichen Filmerlebnis, dass sowohl die Kunst der Belle Epoche und der Art Nouveau, den Geist unseres Jahrtausend, als auch die frivole Luft der 70er Jahre atmet, belohnt. Klare Empfehlung.

Als Kunstobjekt: 9/19
Als Film: 6/10
Als Konsens aus Beidem: 7,5 (8)/10

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