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Seagals direct to video Filme gleichen dem Gang eines Krebses: Auf jeden Schritt nach vorn folgen zwei zurück. So folgt auf den annehmbaren „Mercenary for Justice“ mit „Shadow Man“ ein recht lasches Filmchen.
Die einzige, wirklich gute Nachricht ist die, dass man den Trend aus „Mercenary for Justice“ fortsetzt, den Actionstar möglichst viel selbst kämpfen zu lassen. Die einzige schmerzliche Ausnahme bildet die Auftaktsequenz, in der Ex-Agent Jack Foster (Steven Seagal) einige seiner Schüler in die Kunst des Nahkampfes einweist und in nahezu jeder Einstellung ein Double zum Einsatz kommt, dass halb im Schatten steht. Bei den folgenden Nahkampfeinlagen wird dies zum Glück nicht fortgesetzt, sogar Tritte sieht man Seagal selbst ausführen.
Ein alter Freund will Jack jedoch als Kurier für einen megatödlichen Kampfstoff verwenden, der aus einem Labor entwendet wurde. Er jubelt Jack das Objekt unter, der sich an sich zur Ruhe gesetzt hat (so wie fast jeder Seagal-Charakter in den letzten Filmen). Doch Jack hat eine Tochter, Amanda (Skye Bennett), und will mit ihr in Bukarest das Grab ihrer Mutter besuchen.

Doch kaum dort angekommen, ist die Kacke schon am dampfen: Der alte Freund wird in die Luft gejagt, Amanda entführt und Jack weiß noch nicht mal, warum. Doch er will seine Tochter zurück und macht sich mit aller Härte auf die Suche nach ihr...
„Shadow Man“ ist die nächste Ostblockproduktion, die das B-Genre in den letzten Jahren überwiegend besiedeln und da liegt schon das erste große Manko. Im Gegensatz zu Filmen wie „The Mechanik“ oder „Undisputed 2“ gewinnt er dem Szenario optisch nichts Neues oder Interessantes ab, stattdessen sieht er aus wie fast jeder andere Ostblock-Seagal der letzten Jahre und würde nicht „Shadow Man“ im Vorspann stehen, so könnte man die Filmchen vermutlich auch leicht verwechseln. Regisseur Michael Keusch davor vor allem fürs deutsche Fernsehen gearbeitet und dementsprechend schwach ist auch seine Regieleistung.
Hauptproblem ist jedoch die gänzlich vergessenswerte Story, die total konfus und unspannend daherkommt. Die CIA, mehr oder weniger korrupte Bullen sowie ein Nachfolgeorganisation des KGB (dass es die nach Auflösung der Sowjetunion noch gibt, doll wa?) sind hinter der Probe her, eine Taxifahrerin mischt noch mit, auf verschiedenen Seiten Verräter – allerdings erkennt die Geheimdienstler immer an ihren Sonnenbrillen. Dabei ist die Hatz gar nicht so kompliziert wie sie erscheinen möchte, „Shadow Man“ erzählt die Story nur so konfus, dass man anfangs gar nicht weiß wie viele Parteien mitmischen und wer wozu gehört, obwohl sie Chose dann am Ende als ganz banal herausstellt. Spannend ist das Irren und Wirren in Bukarest dabei aber leider nie und so ödet „Shadow Man“ schnell an.

Immerhin versucht „Shadow Man“ mit einer halbwegs ordentlichen Actionmenge dagegenzuhalten, aber auch dies gelingt nur bedingt. Es geht häufig rund, das verminderte Doubeln stimmt versöhnlich und so sind die Nahkampfeinlagen zwar vom Niveau alter Seagalkracher entfernt, machen aber durchaus Laune und bieten mal wieder einige Knochenbrüche. Die Shoot-Outs sind ordentlicher Standard, einmal zimmert Jack in McGyver-Manier sogar Schrotflinte und Wurfmesser Marke Eigenbau, aber nicht so wirklich aufregend. Eine Katastrophe hingegen die Verfolgungsjagd des Films, die so lahm und unspektakulär daherkommt, als hätte man sie mal eben auf den Straßen von Wanne-Eickel abgefilmt, was angesichts des Regisseurs aber niemanden verwundern dürfte. Ebenso mau: Die Szene, in der Jack mit einer stinknormalen Pistole einen Heli vom Himmel ballert, der in einer grandios schlechten CGI-Explosion verglüht.
Seagal selbst spielt die gleiche Rolle, die er in den letzten Filmen immer gespielt hat, hat sich da eine gewisse Routine erarbeitet, aber ist ohne Elan bei der Sache. Auch der Rest der durchweg unbekannten Darsteller ist nicht wirklich herausragend, besser als Mittelmaß keiner von ihnen.

„Shadow Man“ ist klar unterdurchschnittlich, trotz guter Ansätze in den Actionszenen, die Seagal seine Nahkampffähigkeiten mal wieder selbst zeigen lassen. Doch die maue Optik, der konfuse Plot und einige schlechte Actionszenen sorgen dafür, dass sich „Shadow Man“ qualitativ noch unter „Today You Die“ ansiedelt.

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