Review

Also nee... neee. Nee, also... also nee! Langsam geht das ewig gleiche Gedöns schon ziemlich auf den Zeiger. Seagals Filme sind inzwischen - da erzähle ich wohl niemandem was Neues - ein ewiger Alias, mit einer immergleichen Geschichte an immergleichen Orten, nur mit unterschiedlichen Namen. Ein Fall für “Bild der Frau” und Konsorten, wie ich finde! In diesem Sinne:

Waltraud S. - äääh Jack F., CIA-Agent (ach sach bloß!), wird in einen Strudel aus Entführungen und miesen Geschäften gezogen. Bei einer Explosion am Flughafen kommt ihm seine Tochter abhanden.

"Mein Leben war zerstört", sagt Jack heute über den verheerenden Lust. Seine Mimik ist versteinert, als er zum Fenster hinaussieht und den Wind beobachtet, der die Herbstblätter umspielt.

Doch Jack F. schlägt erbarmungslos zurück. "Ich spürte gar nichts. Ich dachte einfach nur: Ich muss meine Tochter wiederholen."
Gesagt, getan: Jack schleust sich undercover in die Szene ein und schaltet einen Mittelsmann nach dem anderen aus. "Erst schießen, dann fragen. Das habe ich auf der Akademie gelernt", sein trockener Kommentar heute zur Vorgehensweise.

Bei der Aufräumaktion lassen Dutzende von Verbrechern ihr Leben - eine gerechte Strafe. "Ich bewegte mich wie ein Schatten. Ich wurde zum Shadow Man”, so Jack, süffisant lächelnd und mit dem Whiskeyglas in seiner rechten Hand spielend. Tatsächlich, so berichten Zeugen vor Ort, hat nie jemand das Gesicht des Mannes gesehen, der mit Radau ganze Nester aushebelte. Es hätte genauso gut ein anderer Mann dastehen und Kicks und Würfe verteilen können.

“Mann stieg in Auto. Nix viel sagen, nur: Sie mich bringen dahin, wo gute Nutten und Drogen gibt. Will Party machen.”, berichtet ein Taxifahrer, der Jack chauffierte. Jack dazu: “Nun, ich war undercover. Wie würden Sie sich verhalten? Als ich dann die beiden Schnecken aus dem Palast stöckeln sah, musste ich natürlich auch sie noch unbedingt nach Nutten fragen. Vielleicht hätte ich ja das Glück gehabt und wäre gleich an der richtigen Adresse gelandet.” Jack grinst und nippt an seinem Glas.

Dann eine Spur: auf dem Polizeirevier begegnet Jack der Frau, die seine Tochter kurz vor der Explosion vom Flughafen entführt. “Ich wusste gleich, dass sie es war. Sie sah so böse aus.”
Sein Scharfsinn führt Jack immer näher an sie heran, doch die Bahnen des Schicksals kann er nicht lenken. Die Entführerin und er kommen sich immer näher.
“Sie war einfach heiß. Besonders, als sie ihr Oberteil auszog. Aber verdammt, ich war ihr Mentor! Die Situation konnte ich nicht ausnutzen. Also sagte ich ihr, ich würde sie durchschauen. Unter ihrer eiskalten Fassade war sie ein herzensguter Mensch. Meine Menschenkenntnis ließ mich nicht im Stich: Sie fing enthemmt an zu weinen und legte sich in meine Arme. Ich sagte: Schhh. Komm her Baby! Dann umarmte ich sie und fast hätte ich ihren BH aufgekriegt.”

Derweil macht die Hartnäckigkeit Jacks bei seinen Gegnern die Runde. Man versucht, ihn mit List und Tücke auszuschalten. “Ein alter Kollege hat mich verraten!” Jack steht die Zornesröte ins Gesicht geschrieben. “Dieser Mistkerl! Er hat mich in einen verschlossenen Raum geführt. Killer sollten mich dort ausschalten. Aber ich habe zum Glück seit den Achtzigern ein Abo auf A-Team und McGyver.”

Jack sieht sich im Raum um und findet einige nützliche Dinge, mit denen er den Spieß umdreht. “Wer ist hier die Maus, hä?”, ruft Jack in den leeren Raum, als würde er mit den Geistern der Vergangenheit sprechen.

Endlich hat er sich bis zu den größten Bossen durchgearbeitet. Jack handelt einen Deal aus. In einer öffentlichen Bibliothek findet die Übergabe statt. Ein Mitarbeiter der Bibliothek uns gegenüber auf Nachfrage, wie er die Situation erlebt hat: “Was, das junge Ding auf der Empore war seine entführte Tochter? Sind Sie sicher? Als das Mädchen in den Raum geführt wurde... nun... der Mister schaute vom Parterre aus eher so aus, als habe er da oben einen alten Mann furzen gehört.”
“Alles Unsinn”, streitet Jack ab. “Natürlich war ich emotional berührt. Sie ist meine Tochter. Aber ich bin Profi, verdammt. In so einer Situation muss man Ruhe bewahren. Ich musste so tun, als würde mich die Kleine nicht interessieren. Das hat die Verbrecher ganz schön verwirrt.”

Der Showdown ist erreicht. Die Übergabe gerät außer Kontrolle, überall wird geschossen. “Es war ein Inferno”, so die letzten Worte eines Personen-Kollateralschadens, der noch auf dem Weg zum Krankenhaus in unserer Anwesenheit verstirbt.
Später schießt Jack noch einen Hubschrauber ab. Ein Augenzeuge: “So eine Explosion habe ich noch nie gesehen. Das war so... unecht. Einfach Wahnsinn. Yeah!”

Jack F. scheint uns inzwischen gar nicht mehr wahrzunehmen. Er starrt nurmehr aus dem Fenster hinaus, dem grauen Himmel ins Angesicht, mit glasigen, nachdenklichen Augen. “Diesen Tag werde ich nie mehr vergessen - zumindest die nächsten Stunden nicht.”

Wir auch nicht, Jack. Wir auch nicht.

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