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Kurz bevor die Wachowski-Brüder mit „Matrix“ so richtig durchstarteten, drehten sie diesen unterhaltsamen Thriller, der stilistisch bereits an den 99er Megahit erinnert.
Hauptfiguren sind zwei Frauen, die vor allem zwei Dinge gemeinsam haben: Sie leben auf der illegalen Seite des Lebens und sie sind lesbisch. Doch Corky (Gina Gershon), eine auf Bewährung entlassene, knallharte Räuberin ist stets entscheidungsfreudig und entschlossen, ergreift meist die Initiative. Violet (Jennifer Tilly) hingegen schlägt sich als Gangsterliebchen durch, verhält sich meist still bis unterwürfig und manipuliert höchstens subtil aus dem Hintergrund. So ergibt sich eine Mischung, die sich wunderbar ergänzt, sobald sich die beiden besser kennen lernen.
Dies ergibt sich als Corky die Wohnung neben der von Violet und deren Lover Caesar (Joe Pantoliano) renoviert. Die beiden verlieben sich schnell und beide wollen gemeinsam weg. Sie fassen den Plan Caesar und die Mafia, für die er arbeitet, um Geld zu erleichtern, doch der Plan droht schief zu laufen…

„Bound“ ist ein beinahe minimalistisches Kammerspiel: Nach der Einführung und der Beziehung der beiden lesbischen Heldinnen, was ein gutes Viertel bis knappes Drittel des Films in Anspruch nimmt, dreht sich die Story nur noch um Planung und Ausführung des Coups, sodass der Film von da ab in einer einzigen Nacht spielt. Auch die Locations beschränken sich fast ausschließlich auf die beiden Wohnung und den Flur, die paar anderen Schauplätze werden nur kurz besucht.
Auf dem beengten Raum entspinnt sich schnell ein Thriller voller fieser Überraschungen: Natürlich verläuft der Plan nicht so wie erwartet, immer mehr Dinge laufen schief und bald stellt sich ernsthaft die Frage, ob und wie glücklich das Pärchen aus dieser Angelegenheit hervorgehen wird. Kleine Spannungshöhepunkte (Besuch der Cops, urplötzliches Auftauchen von Mafiosikumpels usw.) treiben den Zuschauerplus ebenso in die Höhe wie überraschende Wendungen.
Doch „Bound“ bleibt stets nur ein kleiner Thriller und kein Genrehighlight, denn die Story ist trotz einiger Überraschungen nicht allzu innovativ: Gerangel um Knete, was zu diversen Leichen führt, das ist ein alter Hut. Zudem bleiben die Charaktere stets etwas kühl und undurchsichtig (so kühl wie das wenig farbenfrohe Styling), bestenfalls Caesar gewinnt mehr Profil, da er im Gegensatz zu den anderen, kühlen Figuren oft emotional überreagiert.

Trotzdem weiß „Bound“ zu gefallen, was neben den fiesen, schwarzhumorigen Wendungen vor allem der Bildsprache der Wachowskis zu verdanken ist: Da folgt die Kamera durch Telefonleitungen, blickt in extremem Close-Up in einen Revolverlauf und die Wohnungsschießerei gibt bereits einen stillvollen Vorgeschmack auf die Bullet-Time in „Matrix“.
Darstellerisch kann sich auch weitestgehend positiv über den Film äußern, wobei vor allem Gina Gershon und Joe Pantoliano Lob einstreichen. Erstere ist nicht nur ziemlich hübsch, sondern wirkt überzeugend gerissen, während Pantoliano wunderbar klarmacht, wie sein Kleingangster angesichts des verschwundenen Geldes immer mehr den Eindruck bekommt, ihm falle gleich der Himmel auf den Kopf. Jennifer Tilly ist auch gut, wirkt aber im Vergleich zu den beiden doch etwas 08/15 in ihrer Gangsterliebchenrolle.

Kleiner, aber sehr spannender Thriller, der zwar nichts unbedingt Neues bietet, aber dieses dafür in visuell sehr ansprechender Form.

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