Jennifer Tilly spielt die Freundin eines Mafiosos, gespielt von Joe Pantoliano, die sich in eine Handwerkerin, gespielt von Gina Gershon, verliebt. Die beiden Lesben beginnen eine Beziehung und wollen aus ihren jetzigen Lebensverhältnissen ausbrechen, weswegen sie beschließen, dem Mafioso seinen Geldkoffer, gefüllt mit zwei Millionen Dollar, zu stehlen. Doch dann sieht der Bestohlene rot.
Vor dem Durchbruch mit ihrem revolutionären Effekt-Gewitter "Matrix", feierten Larry und Andy Wachowski mit "Bound" ihr Spielfilmdebüt, bei dem die Brüder sowohl das Skript verfassten, als auch die Regie übernahmen. Dabei gelingt es den Wachowskis trotz der bescheidenen Mittel, einen gelungenen, spannenden Thriller auf die Beine zu stellen.
Was wie ein Erotik-Film rund um ein Lesben-Pärchen beginnt, nimmt schnell die Kurve zum Thriller, den die Wachowski-Brüder durchaus gelungen konstruiert haben. Auf engstem Raum, in der Wohnung, in der der brutale Mafioso seinen Geldkoffer vermisst und seine Freundin gerade in diesem Moment unter keinen Umständen ziehen lassen will, während deren Geliebte im Nachbarzimmer bruchstückhaft mitbekommt, was sich nebenan abspielt, aber kaum Möglichkeiten zum Eingreifen hat, entwickelt sich so ein zunehmend mitreißenderes Kammerspiel. Je nervöser und unberechenbarer der Mafioso, der sich in zunehmend paranoider anmuteten Theorien verstrickt, wie sein Geld abhanden kommen konnte und dabei um sein eigenes Leben fürchten muss, wird, desto spannender wird das Geschehen, dem man sich besonders zum Ende hin kaum entziehen kann. Würde "Bound" nicht ganz so langsam anlaufen, wie er es tut, wäre auch das Potential zum Kultfilm durchaus vorhanden gewesen.
Die Story hält sich dabei durchweg an die Konventionen des Genres und ist nicht allzu innovativ, wird aber sehr gekonnt umgesetzt. Visuell macht "Bound" zwar bei Weitem nicht so viel her, wie die deutlich höher budgetierten Nachfolgewerke der Wachowskis wie "Matrix", "V wie Vendetta" oder "Speed Racer", bietet aber doch ein paar gelungene Aufnahmen, von den wenigen Schießereien, bis hin zu einigen erotischen Sequenzen, die aber keineswegs zum Selbstzweck verkommen, sondern dem Film eine gewisse eigene Note geben. Darüber hinaus sind die kurzen, aber doch recht eindringlichen Gewaltausbrüche immer sehr plötzlich eingestreut und wissen durchaus eine schockierende Wirkung zu entfalten. Nichts desto trotz kommt "Bound" nicht sonderlich weit übers Mittelmaß hinaus, was im Wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dass er zu stark an den Stereotypen des Genres verhaftet bleibt und das Finale vielleicht noch etwas spektakulärer hätte ausfallen können.
Darstellerisch ist dabei besonders Joe Pantoliano hervorzuheben. Pantoliano spielt den bestohlenen Gangster vollkommen überzeugend, stellt dessen Panik glaubhaft und authentisch dar und verleiht ihm damit eine immer unberechenbarer und bedrohlicher wirkende Note, womit er am Aufbau von Spannung und Atmosphäre maßgeblich beteiligt ist. Daneben ist besonders Gina Gershon überzeugend, die die taffe Handwerkerin gelungen auf die Leinwand bringt, während sich Jennifer Tilly zu stark dem Klischee der etwas dümmlichen Gangster-Braut fügt und damit zum austauschbaren Objekt verkommt.
Fazit:
"Bound" ist zwar nicht allzu einfallsreich konstruiert, entpuppt sich jedoch mit zunehmender Lauflänge als spannendes und atmosphärisches Kammerspiel, das mit prickelnder Erotik und guten Darstellern punktet und damit durchaus ansehnlich geworden ist.
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