Review

EVIL - Epidemie, blutiges Inferno, Großstadt, Zombies - auf der Rückseite der DVD wird so einiges verkündet und sollte dabei recht behalten. Aber leider kann man ja nicht von dem Cover und dessen netten Rückentext auf die Qualität des Films schließen. Leider.

"Regisseur" Yorgos Noussias soll uns mit dem Streifen "gar nicht erst neue Akzente" (laut Cover) beim Zombiefilm liefern, sondern setzt "die beliebtesten Zutaten mit (Blut-)Hochdruck und viel guter Laune in Szene". Oh ha, vielleicht hätte ich hier schon hellhörig werden können. Übersetzt könnte das Ganze auch eigentlich: "Regisseur xyz kopiert sich munter durch das Genre und hat ansonsten maximal eine neue Splatter-Idee auf Lager." Letzteres zwar auch nicht, aber holen wir doch etwas weiter aus.

Anfang, Mitte und Ende des Neo-Zombies

Während ich nun so da saß und Evil anschaute fühlte ich sofort die Verbindung zu einem anderen "Stern" am Zombiefilm-Firmament: Zombie 3. Seinerzeits hatte Fulci angefangen den Film zu drehen, musste aber schnell wieder abbrechen, so dass einige, sagen wir es mal nett, weniger talentierte Menschen dann zu Ende gedreht haben, was heutzutage als großer Murks und Endpunkt der damaligen Zombiewelle gillt. Und ich habe verdammt viel Angst, dass Evil das gleiche für den Neo-Zombie ist.

Der Neo-Zombie zeichnet sich heutzutage durch einige Merkmale von seinem Vorgänger, dem klassischen romeroschen Untoten aus. Zu aller erst sei da mal seit einiger Zeit der unglaubliche Renndrang der Wiedergänger im Allgemeinen erwähnt. Weiter geht es mit dem Resident Evil Merkmal "Genickbuch kann auch tödlich sein!", was dazu führte, dass man nicht mehr das Hirn über alle Wände verteilen musste, bis schließlich 28 Days Later mit seinen pseudo-Zombie aka Infizierten aufmarschierte, dort reichte es dann auch die Modergesellen "einfach so" zu töten.

All diese Variationen haben sicher etwas für sich. Persönlich bin ich zwar der absolute Romero-Untoten-Fan, aber Abwechslung tut immer gut. Abwechslung ja, Konzeptlosigkeit weniger, die wird dem gierigen Fan hier leider bis zum Erbrechen vorgesetzt.

Komplett angefangen bei den Untoten die man "einfach so" töten kann, die rennen und sich binnen zwei Sekunden nach dem Biss vewandeln. Aber fangen wir mal vorne beim Film an.

Dusk of the Dead

Am Anfang wird noch irgendwo in einer Höhle rumgekraxelt, bis die vier Höhlenforscher/Wissenschaftler/Deppen? von irgendwas angefallen werden und im Gegensatz zum Rest der Menschheit ne halbe Ewigkeit brauchen, bis sie mir nichts dir nichts ein Zombie sind, so weit, so unaufgeklärt.
Aber rennen dann erst einmal die Viecher durch die Stadt wird auf diesen Handlungsbogen auch keinerlei wert mehr gelegt und die Überlebenden dürfen sich 80 Minuten lang Verfolgungsjagden, Messerstechereien und Dummdialoge liefern bis der Plagiats-Regler ausschlägt. Unsympathische, schlecht gespielte Figuren beherrschen die triste Handlung, die sich mit lächerlichen Zwischenmenschlichkeiten maximal aufhält, nur um gleichzeitig Situationskomik abzufeuern, die mit einer Subtilität eines Backsteins den Zombie-Fan trifft. Autsch.

Dialoge wie "Das ist klar. Ihr habt Angst. Dinge geschehen, für die man keine Erklärung hat!" geben den Ton an. Dabei kann leider weder das, wie gesagt, extreme Over-Acting der Schauspieler, wenns denn welche waren, noch die Kamera Atmosphäre erzeugen. Als großes Beispiel bei den Darstellern sei der "durchgeknallte Soldat" genannt, der höchsten so spielt, als sollen die Gehirne der Zuschauer beim Anschauen durchknallen. Dafür ist diese Darbietung leider als Einzige schon wieder so schlecht, dass sie wieder witzig ist.
Als Bonus sollte aber auf jeden Fall auf die Darstellerin hingewiesen werden, die ziemliche äußere Ähnlichkeit mit Shaquira hat. Nett. Und schon mal ein provisorisches "Nein!", bis auf ihr hübsches Gesicht bekommt man nicht mehr zu sehen, aber auch das bildet schon eine nette Ablenkung zu den sonstigen Knallchargen, die durch das Geschehen wuseln.

Wo wir auch schon beim ärgerlichsten Faktor sind: Abgesehen davon, dass man ein konsequentes Rip-Off vom Dawn-Remake hinlegt, bekommt man äußerst selten Einstellungen und Szenen geliefert, die beweisen würden das es sich hier nicht um ein Amateur-Werk handelt. Einige Male wurde auch zu CGI-Einstellungen gegriffen. Manchmal ist das bei einigen Hintergrunden und Kamerafahrten ganz gelungen, bei den Splatter-Szenen verdirbt es zu keiner Zeit die Billig-Effekt-Schiene, die leider von den Machern gefahren wird.
Vergleiche mit Ittenbach ziehen da nur begrenzt, da dieser schon bei seinen ersten Arbeiten bessere Qualität geliefert hat als seine griechischen Landsmänner.

"Das da ist meine Mutter als Leiche im Auto!" oder Home-Made-Splatter-Eldorado

Viel positives bleibt am Ende des Reviews dann leider nicht mehr für Evil. Ein griechischer Zombie 90, nur mit mehr Budget und der fast frech wirkenden Kühnheit, dies als "normalen Film" zu behandeln. Hier hat das Ganze dann wieder Ähnlichkeit mit Dead Meat, nur da gab es wenigstens noch eine Zombie-Kuh.

Aber nach den vielen erschreckten Gesichtern zu urteilen, sollte ich jetzt vielleicht auch mal was gutes erwähnen. Na schön. Zwei Sachen stechen auf jeden Fall heraus. Zum Einen sei da die Musik erwähnt. Herrlich hysterische Synthie-Melodien, irgendwie zwischen Techno-Gedudel und Goblin-Hommage bietet sie eine bizarr, gekonnte Untermalung für die Handlung, durch die viele Sequenzen des Films enorm aufgewertet werden.
(Wären die restlichen "Remineszenzen" auch so herrlich eigenständig und quer gewesen hätte es mit dem Streifen echt was werden können.)
Zum Anderen sei da besonders der überragend gute Schnitt zu loben. Was eine gelungene Bildabfolge sogar bei typischen Amateur-Einstellungen rausreißen kann ist einfach nur phänomenal. So ziemlich alles was an Evil positiv wirkt kommt einzig und allein dem Cutter zu gute.

Den Film auf den Punkt bringt es dann aber das Making of zum Film. Hier freut sich Yorgos Noussias wie ein Kind über die Splatterszenen, erwähnt seine Zombieauftritte ("Haha, seht mal, da, ich als Zombie. Und mir wird der Kopf weggeschossen. Haha!") und entlarvt sich als den begeisterten, aber leider ideenlosen Fan, den ich während der kurzen 83 Minuten Laufzeit hinter der Kamera des Films erwartet hatte.

"Hör auf, es hat doch keinen Sinn!"

Sagt zumindest Protagonist A, der Protagonist B darauf hinweißt, dass man in einem unterirdischen Parkhaus nur selten guten Empfang hat. Und recht hat er.
Am Ende lässt sich dann rundherum der Bogen zu Zombie 3 werfen:
Hier wie dort hat man "alles was grad in ist" bei Zombiefilm in ein Machwerk gequetscht.
Hier wie dort ist die Ausführung bei einigen Punkten mehr als mäßig und lässt auf Besserung hoffen.
Aber sich so lang und breit über einen kleinen Zombiestreifen aus Griechenland zu beschweren ist vielleicht dann doch etwas übertrieben, genauso, hoffentlich, wie der Gedanke, dass dies auch schon der letzte Grabstein für die Untoten sein wird, bevor sie erst wieder ein gutes Jahrzehnt brauchen, um sich wieder an die Oberfläche zu graben.

Sicherlich kann Evil Spaß machen. Freunen von Amateur-Streifen wird der auf XXL aufgeblasene Fanfilm bestimmt gefallen, Zombiefans mit Hang zur Komplettierung und sinnlosen Metzeleien greift eh zu, aber alle Leute die mit dem neuen Dawn "aufgewachsen" sind und sich ansonsten eher im filmischen A-Berreich bewegt haben sei eine Ausleihe stark empfohlen.

Summa summarum ist mit Evil wieder verwertbares Futter für den Zombiefilmabend in die Kaufhäuser gespult worden, dieses mal sogar kundenfreundlich mit KJ, so dass man die Scheibe auch mal bequem beim restlichen Einkauf mitnehmen kann.
(Wobei, mal ganz unter uns, die KJ teilweise echt ein kleines Wunder darstellt.)

In diesem Sinne:

"Habt ihr Horror-Romane gelesen und wisst ihr was da passiert?"
-"Nein."
--"Nein."
"Ich auch nicht.

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