Review

Als einer der ersten amerikanischen Helden mit Doppelleben gab Zorro in „Zorros Rache“ eine wenig beachtete Stippvisite im Italowestern ab und ward dort auch nie wieder gesehen. Zwar liegt der Film über dem Standard-Niveau von Rafael Romero Marchent („Einer nach dem anderen, ohne Erbarmen“, „Ein Schuss zuviel“), was angesichts seiner andere Werke nicht viel auszusagen hat, doch so richtig überzeugen kann auch dieser Genrebeitrag nicht.

Einen Grund hierfür stellt Zorro selbst dar, der von Fabio Testi („Verdammt zu leben - verdammt zu sterben!“, „Das Syndikat des Grauens“) mit nur geringem Wiedererkennungswert versehen wurde. Neben Umhang, Degen, Peitsche und Maske wird auch nirgends das markante Z eingeritzt. Ihm selbst bleiben nur schwarze Klamotten, ein Lappen im Gesicht und ein Revolver zwecks Artikulation. Nicht gerade der Zorro, den man sich normalerweise vorstellt.

So münzt Marchent, Regisseur und Autor in Personalunion, diese spanisch-italienische Produktion komplett auf Italowestern mit einer leider nur allzu bekannten Motivauswahl:
Als nach 10 Jahren Fred Macaslim (Martin Moore) wieder in seine Heimat zurückkehrt, um sich der Ranch seines toten Vaters anzunehmen, initiiert Großgrundbesitzer Warner eine geschickte Verleumdungskampagne. Denn durch Macaslims Grundstück soll bald die Eisenbahn führen, was den Wert vervielfachen würde. Nur weiß Fred davon nichts. Warners geschmiedeter Masterplan sah eigentlich vor, das Land zu ersteigern, hatte er doch schon den tödlichen Unfall von Freds Vater eingeleitet. Weil ein zweiter Unfall zu auffällig wäre, entführt man Fred schnurstracks, überfällt die Bank und lässt ihn angeschossen mit eindeutigen Beweisen zurück. Das Urteil des Richters ist schnell gefällt, doch der rechtschaffene Zorro befreit ihn aus seiner Zelle und verhindert Schlimmeres. Man kann sich ausmalen, was das Duo nun vorhat.

Der Rest des Films verläuft nach dem üblichen Schema. Zorro will dem fiesen Warner ans Leder und klaut ihm dafür die ganze Knete, während sich ihrem Unterfangen auch ein paar Befürworter anschließen, wobei Zorros wahre Identität natürlich für jeden verborgen bleibt. Nur der Zuschauer und der Butler wissen mehr.
Eine fesche Dame wird entführt und mit Feuer gespielt, es wird versucht sich gegenseitig auszutricksen und irgendwann kommt es dann zum nicht enden wollenden Shootout, nachdem auch der Sheriff von der Wahrheit überzeugt ist und sich zusammen mit dem Rest im alten Saloon verschanzt, während draußen von der Nacht bis zum Tag die Hölle losbricht.

Rafael Romero Marchent ungewohnt gediegene Inszenierung will zwar keine Jubelarien provozieren, lässt den allzu genrekonformen Plot allerdings flott voranschreiten und verbittet sich größere Durchhänger. Seine feurigen Spielereien mit Benzin sehen sogar überaus gelungen aus und die halsbrecherischen Stunteinlagen, egal ob von Dächern oder Felsen, wissen auch zu überzeugen. Sogar der leicht schmuddelige, abgegriffene Look der leicht maroden Stadt weiß ihren Teil zu „Zorros Rache“ beizutragen.

Der Genrefan darf sich auch dank des gelungenen Scores heimisch fühlen, sofern er keine zu hohen Ansprüche an den Film stellt und nur Altbewährtes in typischer Umsetzung erwartet. Testi kann sich leider kaum profilieren, doch die Action, besonders der überlange finale Shootout, überzeugen und da die Nebenrollen soweit ordentlich dargestellt werden, kann man nicht viel herummeckern.


Fazit:
Fans des klassischen Zorros sollten lieber fern bleiben, denn „Zorros Rache“ geht eigentlich in eine ganz andere Richtung und folgt den Motiven des Italowesterns ohne Akzente zu setzen. Rafael Romero Marchent kurbelt kompetenter als gewohnt sein eigenes Drehbuch herunter, so dass der Film auch in inszenatorischer Hinsicht keinen Ausfall darstellt. Übrigens war Demofilo Fidani hier als Szenenbildner tätig, hatte aber offensichtlich keinen großen Einfluss hehe....

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