kurz angerissen*
Ein im besten Sinne klassischer Belagerungswestern, der zwar mit Blick auf das Entstehungsjahr keine zugekniffenen Augen im Leone-Shot präsentiert; dass ihm solche aber ausgezeichnet gestanden hätten, zeigt, wie modern TV-Regisseur Charles Haas („Outer Limits“, „Maverick“, „Alfred Hitchcock zeigt“) diesen immerhin mehr als 60 Jahre alten Film in Szene setzt.
Dass eigentlich ein dialoglastiger Ablauf verfolgt wird, der sich vergleichbar mit „Zwölf Uhr Mittags“ seine Spannung aus dem Element eines ablaufenden Countdowns zieht, weiß man mit spektakulären Prügelsequenzen auszugleichen: Nicht nur geben sich Sheriff und Dorflehrer mit hart choreografierten Stunts in der Schulklasse gegenseitig auf die Nase (zum Vergnügen nicht nur der anfeuernden Gören, die sich auf einen schulfreien Tag freuen dürfen, sondern auch des Zuschauers, der eine solche Physis aus anderen Western dieses Jahrgangs nicht gewohnt ist), ja später wird sogar noch ein Catfight zum Ausgleich geboten, der sich gewaschen hat.
Seine Stärken spielt „Noch heute sollst du hängen“ jedoch im Umgang mit dem Gefangenen (Richard Boone) aus: Nicht nur sieht dieser dem Galgen bei Sonnenuntergang mit verdächtiger Gelassenheit entgegen, auch sonst deutet alles darauf hin, dass der Tag nicht dem geplanten Ablauf folgen wird. Geschickt jongliert der Regisseur mit Handlungspfeilern, die er zwar nicht erfunden hat, jedoch erstaunlich geschickt miteinander kombiniert: Ein Sheriff mit Vaterkomplex, der sich gegenüber der misstrauischen Dorgemeinde beweisen muss, zwei rivalisierende Gruppen im Tauziehen um einen Verbrecher und eine Frau, die alles für ihren Mann tut, nicht zuletzt auch ein unbeteiligter Gitarrist, der an einem Baum sitzt und das Dorftreiben mit einem Folklore-Soundtrack versorgt.
Obwohl einige Aspekte des Drehbuchs offensichtlich nur kurzen Spannungshochs dienen sollen und schnell wieder in sich zusammenfallen – etwa der Ausbruch Boones – gelingt Haas eine beachtliche Spannung, die von einem herrlich sturen Sheriff mit Geradlinigkeit vorangetrieben wird. Das Finale, ein ironischer Rückbezug auf einen kleinen Nebensatz über moderne Bräuche („früher hat's dafür auch noch ein Baum getan“), gestaltet sich mit Feuer, Stunts und schnellen Wendungen auch noch angemessen sehenswert. Als Fußnote bleibt zu erwähnen, dass Clint Eastwood eine Minute lang einen kurzen Dialog mit dem Hauptdarsteller austauschen darf und somit zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Western zu sehen ist.
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