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1951 ließ die große Horrorwelle bereits deutlich nach. Universal konnten in den 30ern mit Klassikerverfilmungen wie „Frankenstein“, „Der Unsichtbare“ und „Dracula“ ihre größten Erfolge feiern, bevor der Horror etwa Mitte der 50er durch die Hammer Studios sprichwörtlich Farbe bekam. Insofern ging vorliegender Streifen ein wenig unter, was er definitiv nicht verdient hat.

Frankreich im 18. Jahrhundert: Durch eine List gelingt es dem garstigen Alain de Maletroit (Charles Laughton) den Rumtreiber und Lebemann Dennis (Richard Wyler) auf seine Burg zu locken und gefangen zu halten. Sein Plan: Eine Zwangsheirat mit seiner Nichte Blanche (Sally Forrest), um seine jahrelangen Rachegelüste an seinem vermeintlich toten Bruder endlich zu vollenden…

Der Stoff basiert auf einer Kurzgeschichte von Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“) und wurde für die Leinwandadaption in einigen Punkten abgeändert und erweitert, denn ursprünglich spielte die Geschichte um 1430.
Nach einem temporeichen Einstieg mit einer kräftigen Keilerei in einer Spelunke und anschließender Flucht wähnt man sich lange Zeit in einem düsteren Familiendrama. Es gibt keine übersinnlichen Elemente oder anderweitige Monster (obgleich Boris Karloff eine nicht unbedeutende Nebenrolle bekleidet).

Allerdings mag einem das Verhalten von Denis aus zeitgenössischer Sicht äußerst fragwürdig erscheinen, denn als er Blanche erstmalig erblickt, schnappt er sich die Holde und küsst sie innig, - auch eine Möglichkeit der Begrüßung. Ansonsten stielt Charles Laughton allen die Show. Mit herrlich boshaften Gesichtsausdrücken gockelt er durch die Räumlichkeiten und lässt zu keiner Zeit Zweifel an den perfiden Plänen aufkommen, zumal ihm die Getreuen sogar für eine bereits angenagte Hammelkeule dankbar sind.

Der Mangel an Horror wird durch die großartige Ausstattung locker wett gemacht: Unterirdische Keller mit Folterapparaten und Gefängniszelle, der Blick aus dem Fenster fällt direkt auf ein Mühlrad und beim angrenzenden Friedhof ist es mindestens nebelig, wenn nicht gerade ein Gewitter aufzieht. Auch die Kostüme und Frisuren fallen teils recht aufwändig aus, was sich spätestens beim eintreffenden Adel abzeichnet. Unterstützt wird die stimmige Atmosphäre durch den Score von Joseph Gershenson, der oft Musik für Filme von Jack Arnold beisteuerte und auch hier seine recht eindeutige Handschrift hinterlässt.

Obgleich sich im Mittelteil nicht allzu viel ereignet, sind zu keiner Zeit Durchhänger auszumachen, während sich der Showdown durch eine solide Dramaturgie auszeichnet, als ein Wettlauf gegen die Zeit von mehreren Komponenten bestimmt wird.
Wer nicht speziell auf Grusel aus ist und sich gerne von einer gediegenen Atmosphäre einlullen lässt, macht hiermit nichts falsch.
7 von 10

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