Man nehme eine große Handvoll „In the Line of Fire“, einen gehörigen Schuß „Auf der Flucht“, würze das mit ein paar Spritzern „24“, schiebe das alles in den Ofen und gratiniere das alles mit einem aufstrebenden Sexsymbol aus einer erfolgreichen TV-Serie, fertig ist das Mode-DVD-Dinner aus der Schmiede für alternde Kinostars, die sich selbst nichts mehr beweisen müssen.
Michael Douglas ist es hier an Clint Eastwoods Stelle, der in seiner Eigenschaft als alternder Secret-Service-Agent den Auftrag hat, den Präsidenten zu schützen, denn ein Attentäter (oder auch mehrere) gibt es ja überall, der nahe Osten und Osteuropa sind groß. Zwar schleppt in diesem Fall unser Held nicht das Trauma herum, einen Präsidenten verloren zu haben, sondern hat einen gerettet, indem er für Ronald Reagan 1981 angeblich eine Kugel abgefangen hat (wer da in welchem Film die größere Schuld auf sich geladen hat, lassen wir mal dahin gestellt). Aber das wäre der dramaturgischen Tiefe zu viel Ehre angetan in diesem doch sehr oberflächlichen, wenn auch unterhaltsamen Thriller, der mit mehr Stars spazieren geht, als ihm von Rechtswegen zustünde.
Die Story selbst schwankt irgendwo zwischen Kitschpostkarte und knallhartem Jagdfilm, selbstverfreilich kann sich unser in die Jahre gekommener Held seiner Haut am besten wehren, wenn er ganz allein auf weiter Flur gegen alle steht, denn ein paar akzentschwere Finsterlinge haben das alles natürlich raffiniert eingefädelt, nicht zuletzt weil er als Leibwächter im wahrsten Sinne des Wortes auf die Präsidentengattin aufpaßt – er legt sich bei Gelegenheit gern mal auf sie drauf.
Leider ist dieser Dreh- und Angelpunkt dann auch das aufgesetzteste Teil der ganzen Handlung, denn spätestens wenn der zwar gesichtstechnisch geliftete, aber am Hals ganz schön faltige Douglas anfängt, Kim Basinger (auch nicht mehr fabrikneu) abzuschlabbern, dann erinnert das etwas an wilden Sex im Altersheim, man lehnt dankend ab.
Aber wir haben ja noch Kiefer Sutherland im schönsten Jack-Bauer-Gedächtnis-Modus, der den fiesen Jagdhund (natürlich samt persönlich gefärbter Animosität gegenüber seinem alten Lehrmeister) so richtig von der Leine lassen darf, auch wenn man vergessen hat, der Figur das nötige Leben einzuhauchen. Hinter ihm steht ständig Latino-Sexbombe Eva Longoria aus „Desperate Housewives“ und tut so, als würden Geheimagenten wirklich so aussehen, gibt sich aber immerhin den Schein der Seriösität.
Nichts ist wirklich neu oder ausgesprochen aufregend an diesem Film, bei dem der einzige Kitzel darin besteht, abzuwarten, wann Sutherland endlich Zweifel in der Marshal-Gerard-Rolle kommen. Natürlich lüftet sich die Affäre dank Miss Basinger dann doch noch rechtzeitig und führt zu einem recht übertriebenen und nicht gerade logisch ausgebautem Showdown, aber man muß doch Douglas seine Anerkennung aussprechen, denn er strampelt sich für die Rolle nach Kräften ab.
Leider wirkt er rein äußerlich zu markant für die Rolle des Leibwächters: zu schnittig, zu bekannt, die Haare mehr an einen alternden Playboy gemahnend und die Sponsorensonnenbrille sieht bei ihm reichlich affig aus. Und abkaufen kann man ihm den Beschützer schon gar nicht, wenn man für die Rolle des Präsidenten ausgerechnet David Rasche aussucht, der auch 20 Jahre danach im Publikum sofort Assoziationen mit seiner Chaos-Cop-Rolle in der TV-Serie „Sledge Hammer“ hervorruft. Stets wartet man bei seinen Auftritten auf Gags und das ist schade, denn Rasche spielt den ersten Mann im Staat diesmal (entgegen der Bush-Historie) als kompetent und engagiert.
Aber vielleicht wäre das etwas zu viel verlangt für einen Film, der sowieso nichts riskiert. So oft wie darauf hingewiesen wird, daß es in 140 Jahren keinen Verräter im SS gegeben hat, so sicher kann man sein, daß es auch am Ende keinen geben wird. Natürlich ist der Verräter ehemaliger KGB-Offizier und stellt sich dennoch den Killern in den Weg, als es bleihaltig wird. Besonders geschickt stellt er sich nicht dabei an...
So gesehen startet der Film, der nur ein mäßiger Erfolg in den Staaten war, passend zur WM als See-it-or-miss-it in unseren Kinosälen, man versäumt nichts, wenn man ihn verpaßt, aber man kann sich belanglos unterhalten lassen, wenn man keinen Fußball mag.
Den Rest erledigt die DVD.
Und Michael Douglas wünscht man ein bißchen mehr Ehrgeiz in der Wahl seiner Rollen. (6/10)