Regisseur Clark Johnson durfte den Kinofilm „S.W.A.T.“ verantworten, doch bis zum nächsten Kinoeinsatz mit „The Sentinel“ musste der sonst vor allem fürs TV tätige Mann drei Jahre warten.
In einem schwarz-weiß gehaltenen Vorspann erfährt man, dass der leitende Secret Service Agent Pete Garrison (Michael Douglas) Ronald Reagan das Leben rettete, indem er lebenden Kugelfang bei einem Attentatsversuch spielte. Die Legende hängt ihm nach und man muss kein Schelm sein, um bei dieser Konstruktion an „In the Line of Fire“ zu denken. Auch Pete ist ein gealterter Frauenheld, doch der graue Wolf schafft hier gar eine Affäre mit First Lady Sarah Ballentine (Kim Basinger).
Problematisch wird das Ganze als sich Hinweise auf ein geplantes Attentat auf den Präsidenten verdichten und man einen Maulwurf in den Reihen des Secret Service vermutet. Um das Chaos perfekt zu machen, wird mit der Untersuchung ausgerechnet David Breckinridge (Kiefer Sutherland) beauftragt – früher ein guter Freund Petes, jetzt erbitterter Gegner, weil er glaubt, Pete habe eine Affäre mit seiner Frau gehabt. Angesichts des Frauenheldcharakters sogar eine recht logische Konstruktion, die auch mit Michael Douglas’ Starimage bzw. bisherigen Rollen mehr als passend einhergeht.
Unglücklicherweise wissen die Attentäter von Petes Affäre und setzen alles daran, ihn als Sündenbock zu benutzen. Verzweifelt arbeitet dieser an einem Ausweg – und gegen seine eigene Behörde...
„The Sentinel“ wirkt als habe man das Script nach den Erfolgen von „Auf der Flucht“, „In the Line of Fire“ und „Die Akte“ geschrieben, dann wegen zu großer Ähnlichkeiten über 10 Jahre in die Schublade gelegt und dann zum „24“-Boom wieder hervorgeholt. Dies dürfte dann erklären, warum hier lange Zeit nach Ende des Kalten Krieges noch Ostblockattentäter mit putzigen Akzenten rumrennen, die den Präsi ohne näher spezifiziertes Motiv umlegen wollen. Ebenso könnte es das Fehlen von 9/11-Referenzen erklären (sonst ja beliebt wie nicht was), leider hat die Chose einen unangenehmen Nebeneffekt: „The Sentinel“ kommt dem Zuschauer von vorn bis hinten bekannt vor.
Da kommt zwar sogar auf eine perfide Weise ein Old-School-Feeling auf, gleichzeitig ist es dann weitestgehend Essig mit Überraschungspotential. Natürlich raufen sich Jäger und Gejagter irgendwann zusammen, das Ende ist abzusehen und auch der Verräter ist natürlich mal wieder einer jener Nebencharaktere, die man von Anfang in die engere Auswahl nimmt. Zudem ist die eigentlich Jagdphase, in der Pete dann flüchten muss, überraschend kurz gehalten, das Drumherum nimmt deutlich mehr Raum ein.
Jedoch kann man „The Sentinel“ trotz seiner Belanglosigkeit und Innovationsarmut nicht den Vorwurf machen, er langweile. Mit reichlich Tempo inszeniert Johnson das Altbekannte und kitzelt aus den einzelnen Passagen noch einiges an Spannung und Kurzweil hinaus: Beschattungs- und Belauerungsaktionen, Attentate auf Teammitglieder, High-Tech-Belauerungen der Marke „Der Staatsfeind Nr. 1“ und solche Scherze sorgen immer wieder für Erbauung.
Ähnliches gilt für die ordentlichen Actioneinlagen, die keinen zu großen Rahmen einnehmen, aber stets etwas Abwechslung ins Geschehen bringen. Kleinere Verfolgungsjagden (per pedes oder im Auto) und diverse Shoot-Outs setzen nette Akzente, wobei vor allem der Showdown sich als runder, würdiger Abschluss für den Film erweist. Da verzeiht man auch die veralteten CGI-Tricks bei der Raketenattacke ein wenig.
Michael Douglas spielt wie bereits erwähnt eine Variation alter Rollenmuster, aber durch die Erfahrung kann er die Rolle überzeugend ausfüllen und auch Kim Basinger leistet Solides, wobei ihre Rolle recht passiv bleibt. David Rasche als Präsident ist ähnlich wenig gefordert und auch Eva Longoria ist eher Staffage in dem Treiben. Darstellerisches Highlight hingegen: Kiefer Sutherland in einer etwas gemäßigten Variante seiner „24“-Rolle. Als energischer Ermittler mit reichlich Charisma sticht er den Rest der Besetzung aus und dominiert jede Szene, in der er zu sehen ist.
Was bleibt ist formelhaftes, aber dafür erfreulich flott umgesetztes Thrillerkino von der Stange. Innovationspreise sind keinesfalls fällig, spannender hat man derartiges auch schon gesehen, doch „The Sentinel“ ist angenehm kurzweilig, kann mit einigen Schauwerten aufwarten und hat eine ziemlich gute Besetzung vorzuweisen.