Schuster bleib bei deinen Leisten, heisst es immer so schön, Regisseur Clark Johnson (The Shield, The Wire) hätte ihn befolgen sollen. Leistete er beim Actionfilm "S.W.A.T. - Die Spezialeinheit" noch gute Arbeit, so versucht er seine lahme Inszenierung hier mit vielen Stilmitteln zu kaschieren. Fast- und Slow Motion oder Splitscreen, immerhin übertreibt er es nicht. Dennoch hätte genau solch ein Thriller wie "The Sentinel" nicht einer 08/15 Inszenierung bedarft. Als Vorlage musste die Novelle von Gerald Petievich (Leben und Sterben in LA, Boiling Point) herhalten und George Nolfi (Timeline, Ocean´s Twelve) ist nicht unbedingt ein fähiger Drehbuchautor. Man setzte hier wohl alle Karten auf die Prominenz, welche teilweise hinter den Erwartungen zurück bleibt.
Vor einigen Jahren rettete Secret Service Agent Pete Garrison (Michael Douglas) dem Präsidenten (David Rasche) das Leben. Nun schützt er die First Lady (Kim Basinger) und hat obendrein ein Verhältnis mit ihr. Doch nun bekommt Pete von einem Informanten gesteckt, dass es einen Verräter im Secret Service gibt, der eine Organisation unterstützt, welche ein Attentat auf den Präsidenten verüben will. Und irgendjemand will Pete die Rolle des Verräters in die Schuhe schieben. Pete wird plötzlich von seinem langjährigen Kumpel Dave Breckinridge (Kiefer Sutherland) und dessen Partnerin Jill Marin (Eva Longoria) gejagt. Pete will seine Weste reinwaschen und gleichzeitig das Attentat auf den Präsidenten verhindern, doch er steht mittlerweile ganz oben auf der Fahndungsliste.
Allein die geballte Starpower reizt den Zuschauer, sich diesen Verschwörungsthriller mal zu Gemüte zu führen. Da wäre dann auch ein ziemlich agiler Michael Douglas (Black Rain, The Game), der mit seinen 62 Lenzen noch eine glaubwürdige Figur abgibt. Da Kiefer Sutherland (The Lost Boys, Freeway) sein Jack Bauer-Image aus "24" anhaftet, hat sein Charakter Dave Breckinridge starke Ähnlichkeit. Genau wie Douglas nimmt man Sutherland die Rolle gut ab, nur die beiden Frauen sind austauschbar. Eva Longoria (Desperate Housewifes, Desperate Girls) ist nur ein Kleiderständer, der zugegebenermaßen gut aussieht und Kim Basinger (8 Mile, Final Call) passt für mich als First Lady Sarah einfach nicht ins Gesamtbild. An der restlichen Riege gibt es nichts auszusetzen.
Man muss fairerweise zugeben, dass es wirklich schwierig ist eine solche Geschichte dem Zuschauer glaubhaft erscheinen zu lassen. Aber Johnson und seine Crew geben sich hier wirklich Mühe und die Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Die Kulissen wurden authentisch nachgebaut, die vielen Autos, verschiedene Bewegungsabläufe und die Koordinierungsarbeiten wirken stimmig.
Leider mangelt es stets an Tempo und die eigentliche Story kommt nur langsam in die Gänge. Es dauert fast den halben Film, bis Pete endlich am Pranger steht. Zwar gehört zu solch einer Story eine gewisse Vorbereitung, dass keinerlei Lücken entstehen, doch die ist bei "The Sentinel" zu ausführlich geraten und die Charaktere dafür zu oberflächlich. So erfahren wir zwar, dass Pete hoch angsehen wird, weil er dem Präsidenten mal das Leben rettete und dass er mit der First Lady ein Verhältnis hat, doch dabei bleibt es auch. Bei Breckinridge sieht es nicht viel besser aus. Er ist ein Zögling von Pete, doch zwischen den Beiden gab es eine Frauengeschichte, seitdem ist die Freundschaft beendet.
Gerade dieser Aspekt macht die Story ein wenig interessanter. Denn der Hass auf Pete, trübt Breckinridges Urteilsvermögen ein wenig. So liefern sich die Beiden in der zweiten Halbzeit ein recht spannendes Katz- und Mausspiel. Natürlich gilt es auch noch den Verräter im Team zu entlarven, was aber nicht sonderlich schwer ist. Aber mittig drückt Johnson endlich auf die Tube und "The Sentinel" punktet mit ein paar Actionszenen. Meist sind es Verfolgungsjagden, mal ein kleiner Shootout, auf richtige Keilereien hat man der Realität wegen gleich ganz verzichtet. Pete liefert sich mal eine kleine Rangelei mit einem Terroristen und das war es auch schon. Richtige Höhepunkte bleiben aus, obwohl Johnson die Spannungschraube im Finale noch mal ein wenig anzieht und es noch einen recht bleihaltigen Shootout gibt. Leider haben solche Filme immer den selben Ausgang, "In the Line of Fire" oder "Mord im Weißen Haus" lässt grüßen.
Es gibt einige negative Punkte, dennoch ist "The Sentinel" ordentliches Unterhaltungskino, welches erst in der zweiten Halbzeit in Fahrt kommt. Die Story ist solide, entfaltet sich aber zu langsam und Johnsons Inszenierung fehlt nicht nur der letzte Schliff. Die Besetzung stellt größtenteils zufrieden, so sind knappe 6 Punkte durchaus drin. Es fehlt einfach Pepp und spannender könnte die Chose auch sein.