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  Der deutsche Titel ist wiedermal irreführend, der Film heißt im Original „The Gunfighter". Jimmy Ringo so heißt der Titelheld ist kein Scharfschütze sondern ein Revolverheld, ein Outlaw oder Killer der schon jede Menge Menschenleben auf dem Gewissen hat. Wie viele es wirklich sind weiß er selbst nicht mehr genau, und auch die Experten sind sich uneins.  Einsam auf einem schwarzen Hengst samt dunklem Hut reitet er durch die Ebene  und rastet in einem Saloon in irgendeiner Stadt des Wilden Westen. Wieder wird er zu einem Duell herausgefordert, wieder will sich ein junger Angeber mit ihm messen.  Doch Ringo ist nicht irgendwer, er ist der schnellste Revolverheld im Wilden Westen, neben Wyatt Earp wohl gemerkt. So reitet Jimmy Ringo weiter, verfolgt von 3 Brüdern die Rache nehmen wollen.  Er kommt nach Cayenne um dort seine Frau zu treffen. Die will von ihm nichts mehr wissen und auch seinen Sohn hat er nie kennen gelernt. In einem Saloon wartet er auf sie um sich doch mit ihr auszusöhnen und vielleicht ein neues Leben beginnen zu können. Aber auch in Cayenne gibt es einen jungen Heißsporn der es mit Jimmy Ringo aufnehmen will.

1950 entstand dieser Western  also noch vor „12 Uhr mittags" (1952) und lange vor den diversen Spätwestern voll von kaputten Helden.  Ein Film ganz in S/W und Gregory Peck reitet mit dunklem Hut auf einem schwarzen Hengst zu stimmungsvoller Musik durch die Prärie. Die Ritte durch die Landschaft sind nur kurz, denn hauptsächlich spielt sich der Film in düsteren Saloons ab. Jimmy Ringo will nicht mehr töten, eher widerwillig greift er zum Colt. Gregory Peck spielt seine gesamten Qualitäten als Schauspieler aus. Überzeugend und realitätsnah verkörpert er den alternden Pistolero. Über 20 Jahre später sollte Henry Ford in „Mein Name ist Nobody" (1973) eine ähnliche Rolle wie Gregory Peck übernehmen. Der Konflikt zwischen den jungen und dem alten Revolverhelden ist aber hier eher humorvoll  und ganz nach Italo Western Manier samt Leone Touch gedreht. Ganz anders bei „The Gunfighter" der düster gehalten ist und so gar nicht eine  kitschig verschönte Wild West  Welt beschwören möchte.  Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind nicht klar gesteckt.

Legenden um eine Person können auch ein Alptraum sein. Jimmy Ringo ist so etwas wie ein Star des Wilden Westen. Seinen Namen kennt jeder und auch Schießereien bei denen er gar nicht dabei war, werden ihm angedichtet.  Ringo scheint kein böser Mensch sein, eher verzweifelt und getrieben von der Furcht irgendwann dann doch ins Gras beißen zu müssen. Trotzdem scheint er den Menschen die ihn mit Waffen bedrohen gewachsen zu sein. Nur  seine  Frau Peggy Walsh (Helen Westcott) und  sein ehemaliger Wegbegleiter Mark Strett (Millard Mitchell) jetzt Scheriff von Cayenne flößen ihm Respekt ein. Strett scheint es im Gegenzug zu Jimmy Ringo geschafft zu haben und hat sich vom Outlaw Dasein verabschiedet. Jimmy Ringo scheint ihn dafür zu bewundern. Wie die Kinder auf der Straße Jimmy Ringo bewundern und so sein möchten wie er. Im Gegensatz zu dem Revolverhelden läuft der Scheriff ohne umgeschnallten Colt in der Stadt rum und sorgt so für Ruhe und Ordnung. Unordnung gibt es eh erst seit Jimmy Ringos Auftauchen in Cayenne.  Der unbewaffnete Sheriff der alles im Griff hat erinnert doch auch ein wenig an Henry Ford als den unbewaffneter Wyatt Earp in „My Darling Clementine" (1946).

Auch die Spannung kommt in „The Gunfighter" nicht zu kurz.  Ähnlich wie in „12 Uhr mittags" schaut auch Jimmy Ringo ständig auf die Uhr. Denn die Uhr tickt und er hat nur 3 Stunden Vorsprung auf die 3 Brüder die ihn beseitigen wollen. Doch nicht nur die erwartete Ankunft der Verfolger sorgt für interessante Momente sondern auch ein junger Rowdy, ein  Mann der mit seiner Flinte Richtung Saloon Tür zielt und die Frage ob es Jimmy Ringo gelingt über Umwegen denn doch mit seiner Frau zu sprechen sorgen für anhaltende Spannung.  Auch die Tatsache dass  Jimmy Ringo nicht mehr seine Waffe ziehen will, neugierige Schulkinder und eine aufsässige Frauengruppe sorgen für Unterhaltung. Bis zum Schluss bleibt es offen ob es nun der „Gunfighter" schafft oder doch scheitert.

Ein toller Western aus der Blütezeit des Genres.  Dem Regisseur Henry King gelang es eine eher düstere Atmosphäre zu schaffen. Von einem Gothic Western kann man daher ruhig sprechen. Fernab von jeglicher Outlaw Romantik und Banditen Abenteuern zeichnet er ein düsteres Bild über das Innenleben der gejagten  Revolverhelden. Gregory Peck und alle anderen Akteure wirken glaubhaft und scheinen perfekt in Henry Kings gotisch anmutender Westenwelt zu passen. Ein wenig zu holprig etwas zu rasch abgedreht wirken die Schlussszenen. Henry King sollte mit Gregory Peck einen weiteren Western drehen „ The Bravados" (1958). Auch ganz nett in einer feinen Nebenrolle ist Karl Malden als Barkeeper Mac (Lt. Mike Stone aus „Die Straßen von San Francisco") zu bewundern

Kurzum großartiger Western mit einem Gregory Peck in Hochform und jede Menge Kleinigkeiten die diesen Film sehenswert machen.  Ein Klassiker des Genres der in Farbe wohl nicht dieselbe Wirkung und Atmosphäre erzeugen könnte.

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