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„Bank oder Musik – beides geht nicht!“

Die Münchener Spider Murphy Gang feierte Anfang der 1980er Erfolge mit ihrem poppigen Rock’n’Roll in bayrischer Mundart, ihr größter Hit wurde 1981 „Skandal im Sperrbezirk“. Als ihr Entdecker fungierte Georg Kostya, Radiomoderator des Bayerischen Rundfunks, der die Band bereits kennengelernt und gefördert hatte, als sie noch englischsprachige Coverversionen spielte. Von ihm soll schließlich auch der entscheidende Tipp gekommen sein, auf bayrisch zu singen. Eben jener Kostya trat 1983 als Regisseur des „Spider Murphy Gang“-Spielfilms in Erscheinung, der den Aufstieg der Band auf fiktive Weise, jedoch mit den Original-Bandmitgliedern als Schauspieler skizziert:

Die Spider Murphy Gang hat es sich zum Ziel gesetzt, im Circus Krone ein Konzert vor wahren Menschenmassen zu spielen. Die Realität sieht jedoch anders aus, noch tingelt man durch schummrige Spelunken und muss sich ständig neunmalklug darüber belehren lassen, dass niemand bayrischen Rock’n’Roll hören wolle. Kneipier Kleffcowski (Hans Brenner, „Nacht der Wölfe“) gibt den Jungs jedoch eine reelle Chance und avanciert schließlich zu ihrem Manager…

Die Band begibt sich für den Film also zunächst in eine Art Opferrolle, als würde sie unbedingt bayrisch singen wollen, aber man ließe sie nicht. Sie stößt auf Vorbehalte sowie diverse weitere Schwierigkeiten, schafft es letztendlich jedoch in den Circus Krone und damit zum umjubelten Großkonzert. Kostyas Film suggeriert reichlich vereinfacht und naiv, man habe lediglich eine Single pressen lassen müssen, die nach einem einzelnen Einsatz im Radio eine riesige Halle ausverkauft habe. Höhepunkt ist dann auch das letzte Drittel mit vielen Live-Songs eben jenes Gigs mit energievoll vorgetragenen Hits, Drumsolo, Publikumsmitsingspielchen und Zugabe: dem brandneuen Song „Rosi“, der seltsamerweise schon euphorisch mitgesungen wird, obwohl ihn noch niemand hat kennen können. Die schauspielerischen Leistungen der Bandmitglieder fallen kaum gegen die der übrigen Darsteller ab und es macht durchaus Spaß, ihrem ungekünstelt wirkenden Spiel zuzusehen. Als Running Gag fungieren die Frauengeschichten des an den Rollstuhl gefesselten Kleffcowskis und generell herrscht hier viel bayrische Mundart vor, die für mich als Küstensohn manchmal schwer zu verstehen ist. Der Humor des komödiantisch gestalteten Films hat seine Momente, flacht aber leider auch dann und wann ins Dümmliche ab.

Insgesamt ist der Film ein bisschen wie die Band, die er zu porträtieren versucht: Nett anzusehen bzw. -hören, ein bisschen frech, ohne jemandem dabei weh zu tun und vor allem aber knietief in den ‘80ern verwurzelt, was ihn auch zu einem nostalgischen Zeitdokument für diejenigen macht, die damals dabei waren.

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