1977 schickte sich ein Haufen spätberufener bajuwarischer Elvisfans an, die Pionierarbeit Birth Controls, Passports und der Scorpions mit ihrer verwässerten Variante des 50er Rock'N'Rolls in den Sand zu setzen. Nicht, dass gegen die Idee prinzipiell was einzuwenden wäre, aber ehrlicherweise würden Gruppen wie die Blasters oder die Stray Cats mit den vier Chefschluchties vom Rockverdünnungsdienst den Boden wischen. Radiomoderator Georg Kostya, in bayrischen Gefilden als "Rolling Schorsch" bekannt sah das scheinbar anders und als begeisterter Entdecker der Münchener Musikgurkengräber kehrte er Jahrzehnte, nachdem seine eigene Karriere durch eine Kinderlähmung jäh beendet wurde, ins Filmgeschäft zurück, um den Werdegang der Truppe zu dokumentieren, denen wir den Niedergang der NDW im gefälligen Schonwaschgang zu verdanken haben. Heraus kam ein eigenartiges Produkt zwischen Bandbiographie, Selbstparodie und Klamotte.
Typisch für diese Art von Film sind Günther, Barney, Franz und Michael am Anfang des Filmes wahlweise mit den Bürden des bürgerlichen Lebens gestraft, wahlweise arbeitssuchend oder vom eigenen Job / Ausbildungsweg zu Tode gelangweilt und leben in ihrer drittklassigen Garagentruppe ihre Tagträume vom künstlerischen Erfolg aus, gerne auch auf Kosten der Nerven ihrer Nachbarn. Auf der Suche nach Auftrittsmöglichkeiten geraten sie an den gehandicappten Joschko, ein Frauenheld, WIderling und Möchtegern - Manager, der die Jungs in seinem Club auftreten lässt und die große Kohle wittert. Nach anfänglich gutlaufenden Gigs verkaufen sich die ersten Singles dennoch eher schleppend, bis ein Bandwettbewerbt die Kehrtwende bringt. 1983 also mal eben die ersten sechs Jahre der Band zusammengefasst, inklusive "Sperrbezirk" und allem Scheiß, der dazu gehört.
Neben diesem hauchdünnen Plot ist der Film aber vor allem ein von Herrn Kostya solo bestrittener Wettbewerb mit sich selbst, wie viele halbgare Running gags sich in der Geschichte unterbringen lassen. EInige davon wie die vom Bandbus geschrottete Telefonzelle in ihren verschiedenen Verfallsstadien und Michaels stehts scheiternder "Zigarettentrick" sind zum Schmunzeln, einige hingegen einfach nur fragwürdig bis menschlich widerlich: der türkische Arbeiter, der sich bei der Band über den Lärm beschwert wird konsequent ignoriert und verhöhnt, Michaels Freundin ständig zur Verköstigung der Band genötigt und Manager Joschkos Verführungsmasche, mit denen er seine frisch angestellten Kellnerinnen ins Bett zu locken pflegt mochten 1983 noch ulkig sein, erinnern dieser Tage aber eher unangenehm an Dinge, für die ein Harvey Weinstein zurecht rechtskräftig verurteilt wurde. Apropos Joschko: der kriegt hier auch noch den ein oder anderen Behindertenwitz um den Latz geknallt. Kommt da Kostyas verdrängter Selbsthass durch? Wer weiß. Die Band wirkt dadurch jedenfalls kein bischen sympathischer. Und das täte dem Film dringend gut, da man die Charaktere / Bandmitglieder stellenweise wirklich nur an ihren jeweiligen Instrumenten erkennt. der Hang zum Rumblödeln reicht halt noch lange nicht zur erfolgreichen Charakterzeichnung.
Kompetent gefilmt ist dieses Scharmützel schlechten Humors und mittelprächtiger Musik , aber ehrlicherweise bleibt es schade um das Budget, was in den Film floss. Hätte man statt einer Musikerkomödie mit starkem Heile Welt - Einschlag eine ernste Bandbiographie erzählt wäre selbige dabei weitaus besser weggekommen. Der Eindruck, den man hier von den vier Münchenern bekommt ist hingegen einfach ärgerlich. Fans mögen wie üblich bei dieser Art Film ihren Spaß haben, aber mich hat Kostyas einziger Regieausflug definitiv nicht zum Beitritt in den Fanclub animiert. Stattdessen wurde ich schmerzlich daran erinnert, warum ich 90 % des deutschen Rocks hasse.