Wie der DVD-Titel "Ein imaginäres Portrait von Diane Arbus" es bereits vermuten lässt, basiert der Film auf keiner wahren Geschichte. Nicole Kidman spielt Diane Arbus, die im New York der 50er Jahre lebt und mit einem Fotografen verheiratet ist. Sie ist ein angesehenes Mitglied der feinen Gesellschaft und verliebt sie aus heiterem Himmel in ihren Nachbarn, einen Wolfmenschen, gespielt von Robert Downey junior. Was sie anfangs nicht weiß ist, dass dieser nicht mehr lang zu leben hat.
Das Konzept der Story ist zugegebenermaßen sehr einfach und entspricht der eines durchschnittlichen Liebes-Dramas. Der Fokus des Geschehens beruht lediglich auf den 3 Hauptpersonen und konzentriert sich auf keinerlei Nebenhandlungen. Die Charaktere, vor allem Diane Arbus, sind eher mittelmäßig konstruiert und haben nicht genug Tiefe, dass man als Zuschauer alle ihre Entscheidungen nachvollziehen kann. Außerdem krankt der Film, wie viele seines Genres, an einer hohen Vorhersehbarkeit, die zu keinem Zeitpunkt Spannung aufkommen lässt. Die Idee mit dem hässlichen, aber liebenswerten Wunderling, in diesem Fall ein Wolfmensch, ist auch nicht gerade neu und auch die zentrale Handlung um das Dreiecks-Verhältnis der Hauptfiguren ist sehr klischeehaft und altbekannt. Alles in allem ist die Handlung banal.
Gut ist jedoch, was Regisseur Steven Shainberg aus der Story macht. Seine Umsetzung ist sehr stilvoll und nostalgisch. Die Garderobe und die Kulisse erinnern sehr an ältere Kostüm-Filme und sind sehr geschmackvoll. Hinzu kommen noch die guten Darsteller, die diese Nostalgie hervorragend ausstrahlen. Neben diesem optischen Reiz gelingt ihm auch die Musik sehr gut. Sie ist ruhig, melancholisch und getragen, wodurch sie den ruhigen Film hervorragend unterlegen kann. Auch das Erzähltempo ist ruhig und getragen und durch den langsamen Schnitt und das langsame Tempo, wirkt der Film sehr wohltuend. Auch wenn er an manchen Stellen ein bisschen auf der Stelle tritt und stellenweise ein bisschen kitschig wird, gefällt mir diese Art der Umsetzung sehr gut.
Der Unterhaltungswert ist solide. Durch die hohe Vorhersehbarkeit wird der Film leider zu keinem Zeitpunkt wirklich spannend, dafür ist er aber umso emotionaler, dramatischer und romantischer. Nachdem "Fell" sehr langsam angelaufen ist, kann er im Mittelteil gut unterhalten. Vor allem die nostalgische Umsetzung und die wunderbaren Bilder erhöhen den Unterhaltungswert um Einiges. Zum Ende hin liefert der Film dann leider zunehmend überproportionierte Gefühle und wirkt etwas übertrieben kitschig. Dennoch hinterlässt das Finale ein Wohlgefühl im Zuschauer, dass man sich von einem solchen Film erwartet. Die gesamte Atmosphäre ist sehr nostalgisch und wohltuend. Auch hier leistet Shainberg gute Arbeit. Vor allem da er bisher wenige bekanntere Filme in Szene setzte, ist diese gute Arbeit sehr überraschend.
Nicole Kidman spielt gut. Sie kommt mit der Rolle der Diane Arbus sichtlich gut zu Recht, zumal ihr solche Rollen bekanntlich liegen. Nach einigen größeren Projekten ist die Oscar-Preisträgerin noch einmal in einem kleineren Film mit einem Budget von unter 20 Millionen Dollar zu sehen und zeigt mal wieder viel nackte Haut. Robert Downey junior hat bekanntermaßen eine Vorliebe für skurrile und merkwürdige Charaktere und ist damit als Wolfmensch perfekt besetzt. Die meiste Zeit sieht man sein Gesicht überhaupt nicht, da seine "Haarpracht" von der Maske ein wenig zu dick aufgetragen wurde. Doch das, was man sieht ist gut. Auch der eher unbekannte Ty Burrell, der die Rolle von Kidmans Ehemann spielt, leistet überzeugende Arbeit. Der gute Cast schafft es über weite Strecken zu verhindern, dass der Film in den totalen Kitsch verfällt.
Fazit:
Trotz seiner banalen Handlung ist "Fell" ein solider Film mit einem ordentlichen Unterhaltungswert. Durch die hervorragenden Darsteller und die stilvolle und nostalgische Umsetzung bietet "Fell" Einiges fürs Auge. Durch das langsame Erzähltempo und die getragene Atmosphäre ist der Film sehr einfühlsam und wirkt wirklich wohltuend. Vor allem für Fans von Liebesfilmen empfehlenswert.