Roy Walker liegt nach einem Unfall im Krankenhaus. Er kann weder aufstehen, geschweige denn laufen. Die 5-jährige Alexandria befindet sich aufgrund eines gebrochenen Armes ebenfalls dort. Die beiden scheinen sich anzufreunden, weshalb Roy beginnt ihr eine Geschichte zu erzählen. Schon bald vermischt sich diese Geschichte mit der Realität. Aber eigentlich geht es um was ganz anderes.
Regisseur Tarsem Singh (The Cell) überwältigt uns mit einer opulenten Bilderflut die in die Geschichte des Independentfilms eingehen wird. Ohne Computersets überrascht er mit einer visionären Vielfalt, die es wohl in dieser Form noch nie zu sehen gab. In 18 verschiedenen Ländern präsentiert er die schönsten Plätze der Welt, die einfach unglaublich erscheinen. Mittendrin eine Farbenpracht, die einen mit offenem Mund nur noch staunen läßt.
Er verläßt sich aber nicht nur auf die visuellen Aspekte, sondern bettet das in eine wundervolle Erzählung über Leben und Freundschaft. Beide Seiten sind gleichermaßen interessant. Egal ob es um die Abenteuer der Fantasiegestalten geht oder um die außergewöhnliche Beziehung am Krankenbett. Ganz starke Momente zieht er aus den gleichzeitig gebotenen Fantasy-Einlagen und der Stimme des Mädchens aus dem Off, die dadurch die erzählte Geschichte im gleichen Augenblick abändert, bzw. den Erzähler auf Fehler hinweist, die er dann visuell sofort korrigiert. Auch die Übergänge zwischen Realität und Märchen sind phasenweise einfach nur brillant.
Oftmals wird er mit dem im gleichen Jahr entstandenen "Pans Labyrinth" verglichen, was allerdings nur in ganz wenigen Übereinstimmungen einen Sinn ergibt, da hier eine völlig andere Intension verfolgt wird. Trotzdem müßte er der gleichen Klientel gefallen.
Der Takt des Films ist immer ausgewogen. Niemals verharrt er zu lange auf einer Szenerie, immer im richtigen Augenblick schwenkt er wieder auf die andere Seite. Genauso wie beim perfekten Einsatz von Beethovens siebter Sinfonie. Sinfonie ist auch das richtige Wort dieses Gesamtwerks.
Wenn man sich die "Opening credits" anschaut, beginnt man zu staunen und dieses Gefühl hört erst nach dem Abspann wieder auf.
Allerdings dürfte "The Fall" nicht jedem den Atem rauben. Dafür ist er einfach nicht geschaffen, aber für mich ist hier ein Meisterwerk entstanden.