"Es war eine sternenklare Nacht..."
Alexandria (Catinca Untaru) hat sich beim Orangenpflücken den Arm gebrochen und liegt nun in einem Krankenhaus. Die Kinder, die bei ihr im Raum liegen sind nicht sonderlich gesprächig. Daher bewegt sie sich durch das Krankenhaus und lernt den Stuntman Roy Walker (Lee Pace) kennen. Aufgrund eines Unfalles fühlt dieser seine Beine nicht mehr und ist bettlägerig. Als er das kleine Mädchen sieht erzählt er ihr eine abenteuerliche Geschichte, in die er Personen aus ihrem realen Leben einfließen lässt. Alexandria ist von der Geschichte derart fasziniert, dass sie ihn nun regelmäßig besucht und ihn drängt, die Geschichte fortzuführen. Roy's Gesundheitszustand verschlechtert sich jedoch erheblich und sein Lebenswille schwindet. Somit lässt er Alexandria als Gegenleistung für seine Geschichte Morphin stehlen, mit dem er sich eine tödliche Dosis setzen will.
Mit "The Fall" präsentiert Tarsem Singh eine Filmwelt von erlesener Pracht und großer Originalität. Der Designer von Videoclips lässt seine Erfahrung aus diesem Bereich wie auch seinem ersten Spielfilm "The Cell" in die Optik des fantasievollen Dramas einfließen. Entstanden sind dabei Bilder, die einer Malerei gleichen. Kontrastreich zeigen sich weitsichtige Wüsten- und Hügelebenen in erdigen brauntönen, Gräser, Gebäude und Laken in sattem grün, blau und rot. Durch diese bunte Mischung, der östlich angehauchten, teils surrealen Kulisse und Figuren verschiedenster Zeitepochen, ähnelt die Geschichte innerhalb der Geschichte so einem Märchen aus dem Orient. Dabei funktionieren Singh's überbordende Bilder in erster Linie als filmisches Kuriositätenkabinett, denn seltsame Dinge gibt es hier in hoher Zahl.
Die Handlung erweist sich dagegen als recht bodenständig, bietet jedoch kaum Höhen. Der Kniff durch den Wechsel zwischen realer Handlung in einem Krankenhaus im Jahre 1915 und einer erdachten Abenteuergeschichte ist recht schnell verbraucht und bringt die Handlung stellenweise nicht mal weiter. Innovationslos reist die Gruppe der Helden von Ort zu Ort um ihrem gemeinsamen Ziel, dem Tod eines ihnen verhassten Feindes, näher zu rücken. Die derweilige Handlung in der realen Welt konzentriert sich auf die beiden Hauptpersonen Alexandria und Roy und deren nur grob beschriebene Freundschaft.
An der gemächlichen Erzählweise liegt es, dass sämtliche Figuren trivial wirken und deren eigene Geschichte sich simpel und unspektakulär entwickelt. Zusätzlich lassen vielzählige Klischees die Charaktere unglaubhaft wirken. Einschneidende Schicksalsschläge werden nur kurz nebenbei erwähnt. Hier verspielt sich "The Fall" viel Potential. Zumindest das letzte Drittel zeigt, dass eine Steigerung des Erzähltempos und eine nähere Beschreibung der Figuren eine emotionalere Bindung erreichen kann.
"The Fall" ist ein Drama mit fantastischen Elementen. Daher fallen auch Kämpfe mit Säbel, Pfeil und Bogen sowie anderen Gerätschaften nicht aus. Diese kurzen Kampfszenen sind allerdings weder sonderlich spektakulär noch originell. Ein weiterer Ausfall, der den Spannungsbogen nicht ansteigen lassen will. Dieser steigt tatsächlich erst zum Schluss, wenn die Dramatik übelst auf die Tränendrüse zu drücken vermag.
Die unbekannten Gesichter funktionieren nicht zu jedem Zeitpunkt. Es gibt zwar keine Ausfälle, aber von den durchgehend ordentlichen Darsteller schafft es niemand eine persönliche Bindung an den Zuschauer weiter zu leiten. Somit fällt ein Identifikationsfaktor aus.
Lange Zeit bleibt die Frage offen, was Tarsem Singh mit "The Fall" eigentlich ausdrücken möchte. Die bunte Bilderflut kann durchaus beeindrucken, die Handlung und die Figuren aber nicht. So quält man sich durch unzählige, klischeebeladene Elemente, eine formelhafte Abenteuergeschichte und eine nur mäßige Freundschaftssymbolik. Erst gegen Ende offenbaren sich die Absichten hinter dem fantastischen Drama, was dann endlich auch berühren kann. Die Intensität und der Zauber eines vergleichbaren Films wie "Pans Labyrinth" bleibt aber aus.
4 / 10