Review

Recht gelungener Historienfilm, der für Stanley Kubrick jedoch nur eine Auftragsarbeit weit war und der nicht mit den ganz großen Epen mithalten kann.
Der Thraker Spartacus (Kirk Douglas) wächst als Sklave auf und muss für die römischen Besatzer schuften, wobei er große körperliche Kräfte entwickelt. Doch er ist aufsässig und verletzt mehrere Aufseher, weshalb man ihn töten will. Doch die Rettung kommt in letzter Sekunde: Der Herr einer Gladiatorenschule sucht nach neuen Sklaven und kauft den starken Spartacus. Mit dieser Struktur ist „Spartacus“ sicher als eine Inspiration für „Conan – Der Barbar“, vor allem aber für „Gladiator“ zu sehen.
In der Schule trainiert und schikaniert man Spartacus. Doch als man seinen besten Freund bei einem Kampf tötet und seine große Liebe, die Sklavin Varinia (Jean Simmons), an einen Römer verkauft, ist es genug: Er inszeniert einen groß angelegten Aufstand, vor dem selbst Rom zittert…

Insgesamt ist „Spartacus“ recht gelungen, aber kann Werken wie „Braveheart“, „Ben Hur“ oder „Gladiator“ nicht das Wasser reichen, da er einfach deren episches Flair und Gänsehautfeeling missen lässt. Ein paar Massenaufmärsche (gerade in der Endschlacht) sehen zwar schon bombastisch aus, doch über die gesamte Lauflänge macht „Spartacus“ doch eher den Eindruck des kleinen Bruders einen echten Epos, zumal der Film bei der Darstellung großer Gefühle etwas strauchelt. Lediglich bei der Liebe zwischen Spartacus und Varinia kommt so wirklich Tiefe in den Film, während „Spartacus“ bei den anderen Figurenverhältnissen etwas oberflächlich bleibt.
So hat „Spartacus“ seinen größten Hänger auch in der Mitte, wenn Spartacus nur seine Anhänger sammelt und Pläne überlegt, gelegentlich auch mal über Gefangenschaft und Freiheit philosophiert. Der Sklave Antoninus (Tony Curtis) bekommt zwar viel Screentime, könnte aber auch getrost weggelassen werden, denn seine Figur erhält erst in den letzten Filmminuten etwas Bedeutung. Mit derartigen Subplots, die wenig zum Film beitragen, verspielt „Spartacus“ Zuschauersympathien und zeigt, dass drei Stunden Laufzeit nicht allein ein Epos ausmachen.
Im Gegensatz zu anderen Historienfilmen werden Schlachten hier kaum betont, viele (z.B. der Überfall auf das Lager) werden auch nur angedeutet oder teilweise gezeigt. So gibt es nur in der ersten Stunde ein paar Kämpfe und zum Finale hin ein paar Konfrontationen, darunter auch das große Aufeinandertreffen von Spartacus’ Heer und der römischen Armee. Inszenatorisch sind die Kämpfe recht gut, aber selten herausragend, selbst für einen Film von 1960. Doch Kurzweil bieten sie schon, zumal „Spartacus“ nicht auf Gemetzel setzt, sondern sich auch um Hintergrund bemüht. So werden z.B. auch die politischen Verwicklungen in Rom zu dieser Zeit ausgiebig porträtiert.

So verwundert es nicht, dass ausgerechnet die erste Stunde von „Spartacus“ die stärkste ist: Kubrick porträtiert nicht nur den Werdegang des Spartacus, sondern spart nicht mit Seitenhieben auf die römische Gesellschaft. Geldgeile Gladiatorentrainer, von Dünkel geplagte Adelige, Ränkespiele überall usw. Teilweise ist das Ganze sehr amüsant, doch stets zeigt Kubrick die Römer als Gesellschaft, zu der Gladiatorenkämpfe als grausige Freizeitbeschäftigung passen, eine richtige dekadente Bagage eben. Zudem gehören die Trainingsszenen und die Kämpfe in der Gladiatorenschule zu den besten Kampfszenen des Films.
Kirk Douglas verkörpert den unbeugsamen Sklaven auch sehr überzeugend, ebenso wie Jean Simmons als weibliche Hauptfigur. Tony Curtis ist OK, muss aber mit der Nutzlosigkeit seiner Rolle kämpfen, während die Darsteller der Römer (u.a. Laurence Olivier und Peter Ustinov) durch die Bank weg Gutes leisten.

Unterm Strich ist „Spartacus“ ein guter Historienfilm mit überraschend treffendem Gesellschaftsporträt und relativ spannender Schilderung historischer Ereignisse, doch es fehlt episches Flair und in der Mitte hängt der Film leider etwas, was den Aufstieg zur Spitzenklasse verhindert.

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