Review

Monumentalfilmen haftet sehr häufig der Ruf an, dass sie Bibelfilme (sei es nun Altes und/oder Neues Testament) sind. Nicht zu Unrecht, betrachtet man sich mal die Verfilmungen, die es da gibt: Ben Hur, Das Gewand, Quo Vadis?, Die Zehn Gebote, Die Größte Geschichte der Welt usw.
Sicher, es gibt auch Filme, die dieses Thema nicht unbedingt haben, dennoch ist die Übermacht jener Filme schier erdrückend.
Es gibt kaum Filme, die es sich zur Aufgabe machen, gleichzeitig Unterhaltung zu sein und intelligente Kost. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Übersicht aus neutraler Sicht betrachtet, wirklich gute Monumentalfilme, die jegliches Zeitalter überdauern können, ohne irgendwann dem Vorwurf zu erliegen , eine religiöse Botschaft zu haben, vorgesetzt zu kriegen, sehr überschaubar ist.
Um genau zu sein sind es genau zwei Filme: Ben Hur und Spartacus.
Die anderen Filme diaqualifizieren sich auf Grund Ihrer plumpen Botschaft oder Ignoranz/Intoleranz gegenüber anderen Völkern oder einfach nur ihrer schlechten Machart.
Ben Hur und Spartacus haben auch gemein, dass sie von zwei absolut überragenden Regisseuren inszeniert wurden, die ihr Handwerk verstehen und die auch Wert auf eine differenzierte Sichtweise legen.
So ist auch eine interessante Parrallele der versteckte homosexuelle Aspekt, der in beiden Filmen bei genauem Betrachten auffällt. Für damalige Verhältnisse ist das in gewisser Weise schon ein präkeres Spiel mit dem Feuer.

Aber neben der ausufernden Länge und dem differenzierten Ausleuchten der Charaktere haben die beiden Filme nicht viel gemein. Der größte Unterschied ist auch die Einleitung dieses Reviews: Spartacus ist in keinster Weise eine Bibelverfilmung, sondern es geht um den Freiheitskampf von Sklaven.
Gleichzeitig ist es ein höchst interessantes Sittenbild einer dekadenten Gesellschaft, die sich eher mit Intrigen und Ränkespielen den Tag versüßt, als sich um die Wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern.
Hierbei muß man dem Film auch zu Gute halten, dass er gleichzeitig auch als Metapher für unsere Zeit angesehen werden kann, wenn etwa zwei politiker sich unterhalten und der eine dem anderen offenbart, dass er zwar in keinster Weise gläubig ist, aber dem einfachen Wähler gegenüber immer mal so tun muß...

Die Figur des Spartacus nimmt denn auch nicht so viel Platz ein wie man es vielleicht erwarten würde, viel mehr wird hier wirklich der gesamte Apparat, der in Gang gesetzt wird, seziert und auf eine höchst spannende Art und Weise vorgetragen.
Und er geht sogar noch weiter: Im absolut krassen Gegenteil zu Ben Hur scheut sich Spartacus auch nicht davor, dem Zuschauer ein bitteres Ende vorzutragen. (Ein bißchen wie Braveheart viele Jahre später)

Für Filmfreunde sei noch angemerkt, dass viele Jahre später wohl Martin Scorsese sich für den Titel seines Filmes "Wie ein wilder Stier" wohl von diesem Film hat inspirieren lassen: Als Spartacus in seiner Gladiatoren-Zelle erstmals eine Frau vorgesetzt kriegt und sie zur Belustigung seiner Besitzer vor ihren Augen besteigen soll, krümmt er sich vor lauter Wut und Zorn verzweifelt an der Wand und schreit voller Innbrunst, dass er doch kein Tier ist. Jake LaMotta tut ähnliches in einer der Schlüsselszenen in besatem Boxer-Film.
Allein das ist schon Auszeichnung genug.

Es spricht allerdings auch für Kirk Douglas als ausführendem Produzenten, dass er sich traute, einem damals noch aufstrebenden jungen Filmemacher namens Stanley Kubrick ein derartiges Prestigeobjekt in die fähigen Hände zu legen.
Auch wenn die beiden bereits drei Jahre zuvor einen der besten Antikriegsfilme aller Zeiten drehten (Wege zum Ruhm), so ist Spartacus in seiner Größenordnung doch schon ein absolut anderes Kaliber.
Und Kubrick mißbraucht das ihm entgegen gebrachte Vertaruen zu keiner Zeit. Man ahnt schon in diesem Film, was der Mann drauf hat und dass er vielleicht auch nicht mehr so viele so gute Filme mehr drehen wird, aber ein Kubrick ist nun mal als Filmemacher immer ein anderer Maßstab. das muß auch mal gesagt werden, ob man ihn jetzt mag oder nicht, Kubrick war einer der größten Filmemacher seiner Zeit.

Da bildet Spartacus keine Ausnahme.
Wie es sich für einen Monumentalfilm gehört hat der Film zwar sehr viel, was ihn so typisch für dieses genre macht, unter anderem die Filmmusik, aber vieles hebt ihn über den typischen Sandalenschinken hinweg.
Kubrick liefert mit seinen Darstellern brillantes Schauspielkino ab: Wenn etwa der herrlich schmierige Peter Ustinov (eine Augenweide ihm zuzusehen) sich mit den Schauspieltitanen Laurence Olivier und Charles Laughton messen muß. Aber auch die schauspielerischen Nicht-So-Schwergewichte wie Kirk Douglas, der schon immer mehr durch sein Charisma und seine Körperlichkeit lebte, oder Tony Curtis machen ihre Sachen mehr als nur fein.

Auch die Dramaturgie und das unausweichliche Scheitern der Sklaven wird herrlich inszeniert. Wenn es etwas zu monieren gäbe, dann höchstens, dass das kurze Leben der Sklaven in Freiheit zu harmonisch präsentiert wird. Aber das sei wirklich kein Kritikpunkt.
Denn die Kritik des Films ist ja nun mal tatsächlich an der modernen zerfallenen Gesellschaft, in der Moral nur noch Ballast ist und Skrupellosigkeit und maßloser Ehrgeiz wie politische Weitsicht (samt sämtlicher Ränke-Spiel-Fähigkeiten) zur obersten Tugend erklärt werden. Insofern ist dieser Film nicht nur ein spannender Abenteuerfilm sondern auch auf eine höchst positive Art und Weise sehr moralisch.

Sicher, Sitzfleisch wird benötigt, auch Mitdenken, aber es lohnt sich. Vor allem sit der Film - obwohl ja augenscheinlich ein Historienfilm - bemerkenswert aktuell.
Wenn man es ganz genau nehmen will, kann man sogar fast behaupten, Spartacus wäre eine Satire auf unsere heutige Zeit.
Aber das überlassen wir mal den Leuten, die das tatsächlich belegen können.

Letztlich ist Spartacus eigentlich der bessere Film als Ben Hur, auch wenn er nicht so erfolgreich an den Kinokassen oder bei den Oscars war. Er hat die bessere Geschichte, eigentlich eine menschlichere, denn es geht hier nicht um eine Rache und um den Erlöser, sondern lediglich um Freiheit (ein Grundrecht jedes Menschen), er hat die weitaus besseren Darsteller, er hat den besseren Regisseur, und er hat das konsequentere Ende.
(Und nehmen wir doch noch einmal Braveheart: Wenn der Kerl unbedingt ein Kind haben muß, dann wird dieses Kind nicht gleich zum nächsten Herrscher oder König, nein, er wird vielleicht in Zukunft mal ein freier Mensch sein...)

A Propos Ben Hur: Seien wir mal ehrlich, der Film spielt nur während der Zeit um Jesus' Kreuzigung, damit die Lepra-Kranke Familie Ben Hurs geheilt werden kann, sprich damit das bis dahin relativ konsequente Rachedrama noch ein mehr als nur versöhnliches Ende findet....
Dieses hat Spartacus nicht nötig, er endet perfekt so, wie er endet.

9 Punkte

Details
Ähnliche Filme