Review

"Der Tod ist für einen Sklaven der Weg in die Freiheit. Deshalb ist er ohne Furcht vor ihm."

Im ersten Jahrhundert vor Christi wird der Sklave Spartacus (Kirk Douglas) nach jahrelanger Zwangsarbeit im Bergbau an die Gladiatorenschule von Lentulus Batiatus (Peter Ustinov) verkauft. Dort lernt er die Künste des Kampfes und verliebt sich in die Sklavin Varinia (Jean Simmons). Es ist nicht üblich, dass die künftigen Gladiatoren bereits während ihrer Ausbildung einen Kampf auf Leben und Tod austragen. Als aber der Feldherr Marcus Crassus (Laurence Olivier) die Gladiatorenschule besucht, wird Spartacus für einen Schaukampf mit tödlichem Ausgang ausgewählt. Sein Gegner tötet ihn nach seiner Niederlage jedoch nicht, sondern wendet sich gegen Crassus und wird getötet.
Als Varinia kurze Zeit später an Crassus verkauft wird, rebelliert Spartacus mit seinen Mitgefangenen. Er kann aus seiner Gefangenschaft entfliehen und entfesselt einen Sklavenaufstand, der auch die in den umliegenden Städten gehaltenen Sklaven rebellieren lässt. Der römische Senat schickt seine Legionen aus um die Rebellion zu ersticken. Spartacus aber plant mit seinem Heer aus Sklaven in südlicher Richtung Italiens dem Aufmarsch des Feindes und dem römischen Reich zu entkommen.

"Spartacus" will so rein garnicht in die Filmart des Regisseurs Stanley Kubrick ("2001: Odyssee im Weltraum") passen. Es ist unverkennbar als eine Auftragsarbeit zu identifizieren, denn die in seinen sonstigen Filmen verwendeten philosophischen Elemente wie auch die unverkennbaren Kamerafahrten fehlen hier völligst.
Der Sandalenfilm hat nach nunmehr über 50 Jahren besonders im technischen Bereich ordentlich Staub angesetzt. Die Präsentation der Darsteller stellt nicht durchweg eine glaubwürdige Interpretation zu der Zeit in der er spielt dar. Doch trotz diesen und auch weiteren Schwächen verfehlt er seine Wirkung nicht völligst.

Durch die figurennahe und gemächliche Erzählweise porträtiert Kubrick nicht nur den Werdegang des Spartacus, sondern spart auch nicht mit Seitenhieben auf die römische Gesellschaft. Intrigen und Ränkespiele der Adeligen stehen an der Tagesordnung, die etwas zu klischeehaft und ohne große Überaschungen ausgespielt werden. Dies gilt auch für den Schmacht-Kitsch zwischen Spartacus und Varinia, der jedoch trotzdem den Figuren etwas Tiefe verleiht.
Über die lange Laufzeit von ca. 3 Stunden verteilen sich unterschiedliche Themen, die die einzelnen Charaktere voneinander abheben. Existenzielle Fragen über Selbstverständlichkeiten wie die Nahrungsaufnahme finden hier ebenso Platz, wie die Bedeutung von Freiheit, Individualität und Zivilisation. "Spartacus" nutzt hier seine Möglichkeiten und beleuchtet diese Themen aus den unterschiedlichen Sichten der Figuren, die grundlegend anders ausfallen. So ist für den einen das Essen ein Genuss, für den anderen eine Notwendigkeit.

Im Gegensatz zu anderen Historienfilmen werden Schlachten hier kaum betont, manche werden nur angedeutet oder teilweise gezeigt. So gibt es in der ersten Stunde nur ein paar Gladiatorenkämpfe, die sich schließlich als die besten des Films heraus stellen. Das große Aufeinandertreffen von Spartacus’ Heer und der römischen Armee gegen Ende enthält zwar ebenso deren Dynamik, lässt aber die epische Atmosphäre missen. Die Massenaufmärsche zeigen sich sicherlich in bombastischer Form, straucheln aber ebenso in der Verbreitung großer Gefühle

Diese und weitere inszenatorische Schwächen begleiten "Spartacus" über die gesamte Laufzeit, worüber sich durch das Alter des Films noch drüber wegsehen lässt. Schwieriger wird dies bei den Handlungslücken und besonders dem Einbruch des Tempos in der Hälfte des Films. Während Spartacus seine Anhänger sammelt schreitet die Handlung kaum voran. Diversen Subplots wird enorm viel Zeit zur Verfügung gestellt, die erst zum Schluss wieder aufgegriffen werden. Somit vergehen etliche Filmminuten die "Spartacus" unangenehm in die Länge ziehen.

Die Besetzung des Films enthält einige der überzeugendsten Schauspieler seiner Zeit. Kubrick nutzt deren Talent und setzt sie zweckhaft für ihre jeweiligen Rollen ein. So ist es kein Wunder, dass "Spartacus" zu einem großen Teil durch Kirk Douglas ("Zwischen Frauen und Seilen", "Die Fahrten des Odysseus"), Laurence Olivier ("Hamlet"), Peter Ustinov ("Quo vadis"), Jean Simmons ("Fackeln im Sturm") sowie Tony Curtis ("Flucht in Ketten“) gehalten wird.

Gegenüber anderen Historienfilmen ist "Spartacus" mittlerweile antiquiert. Weder die größeren Schlachten noch die teils unglaubwürdige Kostümgestaltung können völligst überzeugen. Die Stärken des Films liegen in seiner figurennahen Erzählweise, den individuellen Charakteren und deren darstellerischen Verkörperung. Durch nur wenige Kämpfe liegt der Schwerpunkt von Kubrick's ungewöhnlicher Auftragsarbeit in seinen Themen, deren Ausarbeitung zur Mitte des Films für längere Zeit ins Stocken gerät.

7 / 10

Details
Ähnliche Filme