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"Die schwarze Dreizehn" ist ein hochklassig-kultivierter, an stimmungsvollen Bildern und überzeugenden darstellerischen Leistungen reicher Gruselfilm mit einem völlig untypischen Thema und Verlauf. David Niven spielt einen Gutsherrn, der nach Jahren des Stadtlebens mit seiner Familie auf seinen Erbsitz zurückkehrt und mit der desolaten Situation des dortigen Weinbaus konfrontiert wird. Dort führen undurchschaubare Charaktere wie der von Donald Pleasence gespielte Priester sowie ein mysteriöses Geschwisterpaar, sehr charismatisch von David Hemmings und Sharon Tate dargestellt, eine subtile Herrschaft, der sich auch Baron Montfaucon (Niven) nicht entziehen kann.

Des Barons Ehefrau, die von Deborah Kerr gespielt wird, spielt die Hauptrolle in dem folgenden Verwirrspiel, dessen Fäden sie aufzulösen sucht, um ihren Mann vor einem unbekannten Verhängnis zu retten. Dieses Verwirrspiel enthält Szenen wie aus surrealen Gemälden, wenn z. B. Hemmings, gefährlich am Turm eines Gebäudes balancierend, ein Jagdhorn ertönen lässt oder - symbolträchtig genug - eine weiße Taube mit Pfeil und Bogen erlegt. Dies ist auch virtuos in die Eröffnungssequenz des Films hineinmontiert worden, die in gelungenen Kameraperspektiven die Ankunft eines Zuges zeigt, um dann in den Salon des Ehepaar Montfaucon überzuleiten, wo durch meditatives Harfenspiel und die in großartigen Schwarzweißbildern eingefangene Innenarchitektur eine traumhafte dekadente Atmosphäre erzeugt wird.

Weitere großartige Szenen hat der Film im folgenden zu bieten, beispielsweise die Hypnotisierung der von Kerr dargestellten Ehefrau durch die Figur Sharon Tates - oder die Verfolgungsszene, als Kerr sich im Wald umschaut und sich plötzlich von kapuzenbewehrten Männern umringt sieht (ein kameratechnisches Glanzstück). Aber auch Szenen, die nicht direkt horrorträchtig sind, wie die Prozession der Dorfleute, sind so gekonnt in Perspektive und Schnittfolge gestaltet, dass sich eine morbide Spannung einstellt.

Der Film mündet schließlich in ein Finale, in dem klar wird, wie durch ein altes Ritual die Krisensituation des Guts aufgehoben werden soll. Dies ist in einer faszinierend archaischen Bildsprache realisiert, die die Schicksalhaftigkeit des Geschehens gänsehauterzeugend vermittelt und im Horrorfilm wenig Entsprechungen finden dürfte. Auch die Schlusspointe reiht sich in die beunruhigende, still voranschreitende Konsequenz der gewagten Erzählung ein.

Fazit: Ein Juwel des späten Schwarzweiß-Horrors. Bilder voll von Atmosphäre und todbringender Schönheit.

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