Review

Rein inhaltlich (Adeliger Großgrundbesitzer opfert sich aufgrund eines heidnischen Fruchtbarkeitsfluchs seinen verdorrenden Weinbergen) steht "Die schwarze 13" sicherlich als ein filmisches Unikat in einer Zeit da, in der der sogenannte moderne Horror bereits im Kommen war und das phantastische Kino mehr auf Science Fiction und Grusel a la Hammer Productions eingenordet war.
Rein stilistisch und künstlerisch jedoch orientiert er sich mehr an Klassikern wie "Schloß des Schreckens" und "Bis das Blut gefriert", ohne jedoch deren Klasse und Intensität zu erreichen. Ungewöhnlich dabei die geradezu unheimliche Reihe von Stars, die für diesen leisen Grusel aufgeboten wurden.
Doch der Reihe nach: Gehalten in für die auslaufenden 60er zunehmend ungewöhnlichem Schwarz-Weiß (für das es einen Grund gibt), bietet "Eye of the Devil" (der gegenüber der schwarzen 13 noch unzutreffendere Originaltitel) die meiste Zeit einen stillen, unaufdringlichen Grusel, der mangels Originalität der Story jedoch ständig Gefahr läuft, in Langeweile zu gefrieren.
Plottechnisch ist der Film nämlich weder besonders einfallsreich, noch ausreichend raffiniert konstruiert, um einen Horrorfan länger als fünfzehn Minuten im Unklaren über die hier ablaufenden Vorgänge lassen zu können. So einfach wie die Konstruktion ist, soviel Mühe hinterläßt sie den Filmemachern, das Geschehen auch nur auf die minimalsten 90 Minuten strecken zu können.
Um einen unvermeidbaren Gang in die Belanglosigkeit zu vermeiden, engagierte man eine Reihe von etablierten bzw. aufsteigenden Hollywoodgesichtern, die jedoch nur bedingt das Ruder herumreißen können.
David Niven fällt die undankbare Aufgabe zu, die Hauptrolle des fluchbeladenen Adeligen auszufüllen, der von der ersten Szene an unter dem Joch der noch auszuführenden Opferung steht. So sicher sein Schicksal ist, so einförmig und hypnotisiert auch sein Agieren in einer sich nicht entwickelnden Rolle.
Die Aktion fällt damit Deborah Kerr zu, die nach "Schloß des Schreckens" ein zweites Mal den bereits vorbestimmten Ereignissen hinterherhinkt, um sie für sich und (unnötigerweise) den Zuschauern noch einmal zu erklären. Obwohl ein karges Geheimnis, verteilt Drehbuchautor Robin Estridge die Hinweise und Spuren häppchen-, wenn nicht krümelweise und läßt die arme Kerr länger herumhecheln, als unsere Geduld dies zuläßt.
Als informierter Freund zeigt Edward Mulhare, daß er einst mehr konnte, als Knight Rider irgendwelche Aufträge zuzuschanzen, kommt aber nicht zum Zug. Donald Pleasence, den man in seiner ausgemergelten Priestergestalt zunächst kaum erkennt, gibt den finsteren Geistlichen mit derart starrem Blick, daß man unwillkürlich nach einem Messer im eigenen Rücken suchen möchte, doch ist diese Art von Überbetonung der Spannung nicht zuträglich.
Am besten kommen noch die kleineren Nebenrollen weg: Flora Robson hat ein paar starke Auftritte als Gräfin, hängt aber in den Schlingen des Drehbuchs. Die wahren Stars hier sind Sharon Tate und David Hemmings, die wie bösartige Phantome in einer unwirklichen Kulisse wirken. Tate macht auf Magierin/Hypnotiseurin, die Kerr schon mal von den Burgzinnen stolpern läßt (zumindest beinahe) und Hemmings setzt sein "Stone Face" gekonnt als drohende Eminenz ein, die geradezu aufdringlich mit Pfeil und Bogen hantiert und zur Begrüßung mal eben ein weißes Täubchen vom Himmel holt. Muß man noch deutlicher werden?
Wie gesagt sind die Rollen und ihr Spielraum von Anfang an festgelegt und damit eingeengt und bewegen sich kaum vom Fleck, abgesehen von Kerr, die dies stilgerecht alles gar nicht glauben will.
Daß das aber kein völliger Rohrkrepierer geworden ist, verdankt der Film der guten Kameraarbeit Erwin Hilliers, der den Ort des Geschehens, ein französisches Schloß und seine waldige Umgebung in grell gegensätzlichem Schwarzweiß ablichtet, so daß sich die Kontraste besonders gut abzeichnen, ein Vorteil, den schon "Bis das Blut gefriert ausnützte, wenn Hill House ins Bild rückte). Auch der Wechsel in die Akteursperspektive gelingt ihm (in der Burgzinnenszene) recht ordentlich und erinnert an den spektakulären Kamerasturz in "The Haunting". Harte Schnitte unterstützen die Unwirklichkeit zusätzlich, so daß es bisweilen wirkt, als würde die Akteure sich in Gemälden, sprich in Bildkompositionen aufhalten, starr und unheimlich. Paßt natürlich gut/nicht so gut zu dem behäbigen Geschehen, denn so wirkt alles nur noch statischer, als es ohnehin schon ist.
Intensiv sind die stakkatohaft geschnittenen Szenen im Wald (als Kerr von den Kuttenträgern erstmals angegriffen wird) und am Ende, wo sie versucht, das Attentat zu verhindern. Hier kreiselt die Kamera plötzlich auch mal, was im Vergleich zum Rest geradezu ungewohnt wirkt. Eine hochdramatische Musik bessert in diesen Augenblicken aus, wo die Geschichte nichts zu bieten hat.
Dramatisch bewegt sich der Film in seiner düsteren Unausweichlichkeit in vertrauten Fahrwassern von damals noch zukünftigen Filmen wie "Rosemary's Baby", "Wenn die Gondeln Trauer tragen" und "Das Omen", operiert jedoch unentschieden mit Hilfsmitteln des Gruselfilms der 50er und 60er, was ihn aus der Masse kaum herausstechen läßt. Eine gewisse Verwandtschaft zu "Rosemary" kann jedoch nicht abgesprochen werden, wenn man die auf der Stelle tretende Hauptfigur betrachtet, die vom Bösen umgeben ist, ohne daß man ihr persönlich an den Kragen will.
Regieveteran J. Lee Thompson ist leider auch nicht viel eingefallen, was den Film hätte aufpolieren können, da das Buch die feststehende Zustände in dem französischen Heidenbabel niemals aufbricht und nur an der Oberfläche berührt. Eine vor dem Vorspann gesetzte Montage der visuell aufregensten Einstellungen des Films nimmt ihm zusätzlich noch etwas von seiner dahinschwindenden Kraft.
So steht die "schwarze 13" als ein ungewöhnlicher Beitrag zum Gruselkino der 60er ziemlich allein da, oft als atmosphäreloses Starvehikel abgetan. Doch gerade atmophärisch kann der Film gerade auf diesem Sektor punkten, wenn er auch anderswo versagt.
Ein echtes Einzelstück.
(6/10).

Details